Didaktisch-methodische Flexibilität gefragt

Tagung zum Thema Musik, Bewegung und Sprache in der Arbeit mit Geflüchteten


(nmz) -
Der Umgang mit Geflüchteten beschäftigt derzeit ganz unterschiedliche Gruppen unserer Gesellschaft. Pädagoginnen und Pädagogen sowie Künstlerinnen und Künstler spüren oft eine besondere Verantwortung, sich dieser Herausforderung zu stellen, gilt es doch, Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Wurzeln in Kontakt zueinander zu bringen und sie gesellschaftlich zu integrieren.
Ein Artikel von Claudia Schmidtpeter

Die gemeinsame Veranstaltung der Elementaren Musikpädagogik an der Hochschule für Musik und Theater München des Instituts für Musikpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München Anfang Mai einen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten der künstlerisch-pädagogischen Arbeit mit Geflüchteten. Ermöglicht wurde die Tagung durch die Carl Orff-Stiftung, das Internationale Orff-Schulwerk Forum Salzburg und das Münchener Zentrum für Lehrerbildung. Adressaten waren alle, die in verschiedenen Zusammenhängen und Bereichen mit geflüchteten Menschen zu tun haben oder sich auf eine entsprechende Arbeit vorbereiten – darunter insbesondere Studierende, Lehrkräfte und im außerschulischen pädagogisch bzw. künstlerisch Tätige. Dementsprechend bunt setzten sich die über 70 Teilnehmenden zusammen, die miteinander in regen Austausch traten.

Ziel der Tagung war, durch die Auseinandersetzung mit erfolgreichen Konzepten und Projekten aus dem musik- und tanzpädagogischen Bereich neue Impulse für die praktische Arbeit zu geben und Möglichkeiten der Vernetzung zu bieten sowie das ästhetische und pädagogische Potenzial von Musik, Bewegung/Tanz und Sprache herauszuarbeiten. In einer vielfältigen Mischung aus Impulsreferaten und praxisbezogenen Workshops wurden diese Ansätze aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet sowie Chancen und Schwierigkeiten im Umgang mit dieser besonderen Zielgruppe diskutiert.

Vorträge, deren Bandbreite von konkreten Beispielen aus der kreativen Arbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen (Margit Papamokos, Kunstwerkstatt Refugio) über Deutsch als Zweitsprache (Anja Ballis, LMU), Tanzpädagogik (Barbara Haselbach, Universität Mozarteum/Orff-Institut Salzburg), Musikpädagogik (Alexandra Kertz-Welzel und Julia Lutz, LMU / Folkwang Universität der Künste), Elementare Musikpädagogik (Andrea Sangiorgio, HMTM) bis zu Aspekten der Psychotraumatologie (Marlene Biberacher, Trauma-Institut Süddeutschland) reichte, stellten den wissenschaftlichen Rahmen zur Thematik dar.

Praxisorientierte Workshops wie eine Einführung in die arabische Musik (Ehab Fakhar, Abathar Kmash, Mohcine Ramdan, freischaffende Musiker, Musikgruppe JiSR), methodische Anregungen für den Gruppen- und Instrumentalunterricht (Clara Horbach und Franziska Böhm, HMTM) sowie die Arbeit mit Bewegung/Tanz und Theaterimprovisation (Christa Coogan und Doris Sophia Heinrichsen, HMTM) eröffneten den Teilnehmenden eine große Methodenvielfalt. Am Samstag ermöglichten Christa Coogan und Andreas Kissenbeck (HMTM) sowie Andrea Dietzel (Münchner Waisenhaus) im Impulsreferat „Kunst als Schutzraum“ einer interessierten Zuhörerschaft einen detaillierten Einblick in ein Kooperationsprojekt der HMTM mit dem Münchner Waisenhaus.

Das besondere Anliegen der Tagung, nämlich die Begegnung mit Geflüchteten in München sowie die Gelegenheit zum produktiven Austausch und Dialog unter den Teilnehmern, wurde von allen Anwesenden begeistert aufgenommen. Dazu trug besonders auch die Vorstellung erfolgreicher Projekte im „Marketplace bei. Ein abwechslungsreiches, energiegeladenes und internationales Programm machte sicht- und vor allem hörbar, wie Musik Menschen verbinden kann und spiegelte auch jene Vielfalt wider, die das gesamte Tagungsprogramm prägte.

Als grundlegende Prinzipien für den Umgang mit Geflüchteten haben sich die Zentralität des Körpers und der Bewegung sowie das Konzept von Musik und Tanz als partizipative Praxen herausgestellt. Ebenso als bedeutsam erwies sich der Wert der zwischenmenschlichen Beziehung in der interkulturellen Begegnung mit und unter den Geflüchteten sowie die Notwendigkeit einer hohen Flexibilität im didaktisch-methodischen Ansatz. Perspektiven für die Zukunft, die von allen Teilnehmenden entworfen und gesammelt wurden, beschlossen eine spannende, gleichermaßen praxis- und wissenschaftsorientierte Tagung.
  

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