Die Internationale


(nmz) -

Die beliebte Sentenz, Musik kenne keine Grenzen, gehört zu dem am häufigsten kolportierten Unsinn des Musiklebens, obwohl sich jeden Tag und überall die gegenteilige Erfahrung der Bindung von Musik an Ort, Zeit, Kultur, Bildung, Religion, Politik, Geld, Stil und Sprache machen lässt.

Ein Artikel von Rainer Nonnenmann

Um der romantischen Utopie einer grenzenlosen, menschheitlichen Musik- und Kunsterfahrung zumindest von Mal zu Mal ein Stückchen näher zu kommen, bedarf es großer personeller, finanzieller, logistischer und kuratorischer Anstrengungen. Ohne Festivals, Sende- und Konzertreihen, die sich musikalische Transferleistungen zum Programm machen, bleibt auch die scheinbar völlig internationalisierte neue Musik in ihren jeweils bestehenden Grenzen.
Im Rahmen der Kölner WDR-Reihe „Ensembl[:E:]uropa“, bei der europäische Spitzenensembles ihr länderspezifisches Programm mit Uraufführungen von Komponisten aus Nordrhein-Westfalen kombinieren, präsentiert am 3. März das Ensemble „Alter Ego“ aus Rom neue Werke von Harald Muenz und Emanuele Casale.

Unter den Themenstellungen Alpen-, Stadt- und Turmmusik bietet das Berliner Festival „MaerzMusik“ vom 16. bis 25. März Musik aus den Alpenländern sowie neue Kompositionen, Installationen und Musiktheaterwerke von Chaya Czernowin, Michael Wertmüller, Vinko Globokar, Caspar Johannes Walter, Beat Furrer, Moritz Gagern, Edu Haubensak, Gianluca Ulivelli, Pei-Yu Shi, Mischa Käser, Hermann Nitsch, Jennifer Walsh, Georg Nussbaumer, Wenchen Qin, Jana Kmitova, Paola Livorsi Hospes und Frank Michael Beyer.

Unter dem Motto „Focus Balkan“ nimmt vom 23. bis 25. März das „Forum neuer Musik“ des Deutschlandfunk Köln neue Musik aus Südosteuropa in den Blick. Präsentiert werden neun neue Werke von hierzulande unbekannten Komponisten der jüngeren und mittleren Generation aus Albanien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Serbien und der Türkei, von denen die meisten ihre Heimatländer verlassen und neue Lebensmittelpunkte in den USA, in Mittel- und Westeuropa gefunden haben. Im Gegensatz zur neuen Musik aus den USA, die in Europa längst ein zweites Zuhause gefunden hat, wird hierzulande wenig wahrgenommen, dass in den USA auch häufig neue Musik europäischer Komponisten auf den Programmen steht. Am 3. März kommt in Los Angeles an der Orange County School of the Arts Hans-Joachim Hespos Orchesterstück „Voids“ zur Uraufführung. Am 16. März erklingt in St. Louis erstmals die „Doctor Atomic Symphony“ von John Adams. Und am 30. März spielt das New Yorker „Duo 46“ im Rahmen des New Music Festivals der California State University Fresno erstmals die Nietzsche-Hommage „Enigma“ des Fuldaer Komponisten Michael Quell.

Weitere Uraufführungen:

03.03.: Klaus Lang und John Hollenbeck, neue Werke, Schömerhaus Klosterneuburg
07.03.: José Maria Sanchez-Verdú, neues Werk für Blockflöten und Ensemble, Gewandhaus Leipzig
08.03.: Brett Dean, Konzert für Violine und Orchester, Kölner Philharmonie
09.–24.03: Menoît Mernier, Pierre Bartholomée, Fabian Fiorini, Jean-Luc Fafchamps, Eric Sleichim, neue Werke, Festival Ars Musica Brüssel
10.–17.03.: Kaija Saariaho, Eero Hämeenniemi, Jukka Tiensuu, Kimmo Hakola und andere, neue Werke, Festival Musica nova Helsinki
17.03.: Iris ter Schiphorst, NO SIR …, Museumsinsel Hombroich
23.03.: Moritz Eggert, Anna who was mad, Philharmonie Dortmund
27.03.: Samir Odeh Tamimi, neues Werk, Festival Heidelberger Frühling
29.03.: Lera Auerbach, Songs Of No Return, Kölner Philharmonie

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