Die Pop-Konkurrenz hat es immer gegeben

Fredrik Vahle und Rolf Zuckowski im Gespräch über das Kinderlied


(nmz) -

Fredrik Vahle und Rolf Zuckowski prägen – zusammen mit anderen – das neue deutsche Kinderlied seit mehr als zwei Jahrzehnten. Kennen gelernt haben die beiden sich aber erst vor drei Jahren beim ersten Kinderlied-Kongress 1998. Für die neue musikzeitung sprachen Stephan von Löwis und Michael Zuchold in Hamburg mit ihnen über den anstehenden zweiten Kongress, über die Bedeutung des Kinderlieds und über die Übermacht des Pop in den Kinderzimmern.

Ein Artikel von Stephan von Löwis / Michael Zuchold

Fredrik Vahle und Rolf Zuckowski prägen – zusammen mit anderen – das neue deutsche Kinderlied seit mehr als zwei Jahrzehnten. Kennen gelernt haben die beiden sich aber erst vor drei Jahren beim ersten Kinderlied-Kongress 1998. Für die neue musikzeitung sprachen Stephan von Löwis und Michael Zuchold in Hamburg mit ihnen über den anstehenden zweiten Kongress, über die Bedeutung des Kinderlieds und über die Übermacht des Pop in den Kinderzimmern.
nmz: Was hat Sie beim ersten Kinderlied-Kongress besonders motiviert, was hat Sie begeistert?

Fredrik Vahle: Für mich war das Beeindruckende, dass so etwas wie der Kongress überhaupt möglich war. Obwohl viele schon seit 20 Jahren und mehr dabei sind, hat es vorher keine Treffen und keinen Austausch über die unterschiedlichen Szenen hinweg gegeben. Daraus hat sich viel entwickelt. Einige Nachfolgefestivals haben stattgefunden, bei denen Kinderliedermacher zusammengearbeitet haben, die vorher keine Verbindung hatten – wofür ganz eindeutig Hamburg der Auslöser war. Manche Festivals sind durch den Kongress überhaupt erst entstanden: Marburg, Kiel, Nürnberg, Berlin. Insofern hat der erste Kongress eine sehr breite Wirkung gehabt.

: Ist diese Wirkung angesichts der neuen Konkurrenz der Pop-Industrie nicht zu vernachlässigen?

Rolf Zuckowski: Die Konkurrenz hat sich nur verschärft; gegeben hat es sie immer. Wenn ich meine Pop-Konkurrenz aufzählen wollte, würde ich bei „Es steht ein Pferd auf dem Flur“ und Nenas „99 Luftballons“ anfangen. Allerdings hat Pop-Musik heute andere Mittel zur Verfügung: Videokanäle und unglaubliche Marketing-Konzepte stehen dahinter. So etwas wie bei den „No Angels“ zum Beispiel hat es früher nicht gegeben; das ist eine nie dagewesene Marketing-Power. Sich dagegen zu behaupten ist natürlich immer schwieriger.

: Ist es unmöglich?

: Nein, es ist eher auch reizvoll. Die Musik a la „No Angels“ hat kaum Berührungspunkte mit dem, was Kinder in ihrer geistigen und seelischen Entwicklung brauchen. Da können wir Kinderliedermacher Alternativen bieten. Wir können Musik geben, die wir echt fühlen, die kindliche Inhalte hat und ergänzt, was Kinder und Eltern sonst übers Radio und auf den Musikkanälen mitbekommen. Das sind wir den Kindern auch schuldig. Sonst würden wir aufgeben gegenüber einer Macht, die durchaus viel Reizvolles bietet, die aber das Kind als solches nicht berücksichtigt. Diese Art von Musik kommt nicht von der Lebenswelt des Kindes her, sondern von der Erfolgsdenke. Und zwar bedingungslos.

: Wie führen Sie bei ihren Konzerten Kinder an die Musik heran, wie wird Musik für Kinder dort erlebbar?

: Indem ich ganz vorne anfange: bei der Bewegung. Das wird auch Thema meines Workshops beim Kongress sein, wie ich von der Bewegung zur Musik komme, von Tönen zum Singen und dann schließlich zur Sprache, auch zur literarischen und poetischen. Ich denke, dass da Impulse aus anderen Lebenskulturen eine Rolle spielen können, zum Beispiel aus dem Tai Chi und aus dem afrikanischen Tanz. Oft fehlt Kindern der Zugang zum eigenen Körper als Medium der Musik. Dabei können sie Musik über den eigenen Körper lernen. Bei meinen Konzerten versuche ich immer, einen atmosphärischen Raum zu schaffen, in dem das möglich ist. In dem Kinder mal stampfen können oder laut Geräusche von sich geben – und so einen Bezug zu ihrer Stimme bekommen, und zum Rhythmus.

: Dieser atmosphärische Raum entsteht oft überraschend schnell. Bei mir spüre ich ihn am stärksten, wenn der Saal singt, wenn ich mit Kindern und Eltern von Melodien getragen werde. Man spürt, wie das Singen Menschen erfüllen kann, auch die Eltern. Sie fühlen, was ich als Vater gemeint habe, als ich ein Lied geschrieben habe. Und ganz wichtig ist mir, dass die Kinder mir auf meinen Konzerten wirklich begegnen, dass sie mich als Mensch kennen lernen, nicht nur als Medienfigur aus dem Fernsehen oder von der CD. Dass sie auch nach dem Konzert mit mir reden können.

Fredrik Vahle und Rolf Zuckowski gehören zu den Dozenten des 2. Kinderlied-Kongresses. Er findet vom 8. bis 11. November 2001 in der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg statt und will in Workshops, Seminaren, Foren und Konzerten Liedermacher, Theatermusiker, Chorleiter, Medienvertreter sowie Mitarbeiter von Tonträgerfirmen und Verlagen zusammenführen. Informationen und Anmeldeunterlagen gibt es bei: KinderKinder e.V., Holsteinischer Kamp 104, 22081 Hamburg, Tel. 040/29 99 11 37, Fax 040/29 99 11 38,

E-Mail: info@kinderkinder.de
www.kinderkinder.de

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