Die Vielfalt der Gitarrenklänge

Literatur verschiedener Schwierigkeitsgrade für Gitarre Solo, Duo oder Trio


(nmz) -
Magnus Lindberg: Mano a mano für Gitarre solo +++ Rick Payne’s Fingerstyle Blues, Acous­tic Music +++ Michael Langer: Whatever, Acoustic Music +++ Felix Mendelssohn Bartholdy: Lieder ohne Worte, bearbeitet von Peter Korbel +++ Mark Oliver Klenk: Walking on the Moon +++ Franco Morone: The South Wind. Irish traditionals for Fingerstyle ­guitar +++ The Guitar of Michel Haumont, Fingerprint/Acoustic Music +++ Alois Bröder: Jouer, Parler, Ecouter. 13 sehr leichte Trios für junge Gitarristen +++ Burkhard Blady: Danzas y Canciones. 12 lateinamerikanische Tänze und Lieder
Ein Artikel von Guy Bitan

Magnus Lindberg: Mano a mano für Gitarre solo, Boosey & Hawkes, London, BH 11980, ISMN 979-0-060-119840-4, € 14,95
Dieses im August 2004 vom finnischen Gitarrenvirtuosen Timo Korhonen uraufgeführte und ihm gewidmete Werk (Label Ondine ODE 1091-2) ist ein beeindruckendes Meisterwerk der modernen Literatur für Gitarre von einem finnischen Komponisten, der im Jahr 2003 mit dem hochdotierten finnischen Wihuri-Sibelius-Preis ausgezeichnet wurde – ein Werk von etwa 16 Minuten Dauer, das eine Stierkampfform beschreibt und vom Gitarristen große Virtuosität verlangt. Dieses Werk, durch große Vitalität und Energie geprägt, hat sehr viel musikalische Substanz. „Mano a mano“ ist dreiteilig (schnell – langsam – schnell). Der Name eines berühmten Tangos von Carlos Gardel „Mano a mano“ beschreibt auch im engsten Sinn die beiden Hände des Interpreten auf der Gitarre. In dieser hervorragenden Ausgabe ist dieses Werk mit sehr vielen Taktwechseln und komplexen Rhythmen nur an Konzertgitarristen adressiert.

Rick Payne’s Fingerstyle Blues, Acous­tic Music, Wilhelmshaven, AMB 3050, ISBN 3-931 453-65-0, € 19,90
Das wie ein Workshop konzipierte Heft von Rick Payne, des Gitarrenbluesspezialisten aus Großbritannien, ist eine übersichtliche Einführung in diese Musikrichtung. Es bietet die Möglichkeit, sich mit vielen Übungsmustern in verschiedenen Tonarten in diese Musik einzuarbeiten. Mit der Geschichte des Fingerstyles, einer CD, die auch Bonus Tracks enthält (zusätzliche und nicht in Noten enthaltene Stücke) und auch Hörempfehlungen ermöglicht das Heft einen gelungenen Einstieg in den Finger­style. Empfehlenswert.

Michael Langer: Whatever, Acoustic Music, Wilhelmshaven, AMB 3020, ISBN 3-931453-48-0, € 20,50
Zehn originale Kompositionen für den schnellen Einstieg in zehn verschiedene populäre Gitarrenstile sind der Inhalt von „Whatever“ von Michael Langer. Die CD bietet dazu die Möglichkeit, die Stücke mitzuspielen. Langer legt viel Wert auf den Rhythmus der Stücke, er lässt diesen auf der CD gleich mit­üben. Ob Boogie, Choro, Ballade oder Blues, die Kompositionen von Michael Langer sind stilistisch treu und sehr gitarristisch. Der erfahrene Pädagoge ergänzt diese schönen Stücke mit Erklärungen und Tabulaturen (nicht unbedingt nötig). Für die Mittelstufe gut geeignet, um Frische in den Unterrichts­alltag zu bringen. Gelungen.

Felix Mendelssohn Bartholdy: Lieder ohne Worte, bearbeitet von Peter Korbel, Friedrich Hofmeister, Leipzig 2010, FH 3371, ISMN 979-0-2034-3371-2, € 10,80
Die in originalen Tonarten gesetzt und für die Gitarre von Peter Korbel ausgesucht und bearbeiteten „Lieder ohne Worte“ von Mendelssohn Bartholdy, sind auf jeden Fall für die Gitarristen eine große Bereicherung und Erweiterung des romantischen Repertoires der klassischen Gitarre. Die Stücke sind nicht leicht zu spielen, aber mit sehr guten Fingersätzen versehen. Die­se Auswahl bietet den Gitarristen der Oberstufe die Möglichkeit, zu demonstrieren, wie schön und sensibel die Gitarre klingen kann. Hervorragend.

Mark Oliver Klenk: Walking on the Moon, AMA Verlag, Brühl, UE 32672, ISBN 978-3-927190-97-9, € 10,95
Mark Oliver Klenk, Konzert- und Studio­gitarrist, gibt in seinem Band III „Walking on the Moon“ den Schülern die Gelegenheit, mit seinen neuen und anregenden zehn Stücken deren Repertoire zu erweitern. Die Kompositionen sind kurz und nicht zu schwer zu erlernen. Sie sorgen für einen abwechslungsreichen Unterricht. Jedes Stück ist von einer Tabulatur begleitet, und Klenk hat alle drei Bände auf einer CD „Pieces for modern classical Guitar“ (nicht mit dabei) eingespielt. Empfehlenswert für die Musikschularbeit.

Franco Morone: The South Wind. Irish traditionals for Fingerstyle ­guitar. Acous­tic Music, Wilhelmshaven. 319.115.2, ISBN 3-931453-14-6, € 16,00
Franco Morone hat 14 traditionelle irische Volkstänze zwischen „Jig“ (6/8-Takt), „Reel“ (4/4-Takt) und getragenen „Air“ aus der umfangreichen irischen Musik ausgesucht und alle mit offener Stimmung (Open Tuning) arrangiert. Der Gitarrist, der diese wunderschönen Stücke spielen möchte, sollte Erfahrung im „Open Tuning“ mitbringen oder es eben durch diese Stücke erlernen. Irische Musik verlangt bei den Tänzen vor allem ein schnelles Tempo, von daher muss der Schüler ein gutes Mittelstufenniveau mitbringen. Die Tipps und Erklärungen für jedes Stück von Franco Morone sind sehr hilfreich. Bemerkenswert.

The Guitar of Michel Haumont, Fingerprint/Acoustic Music, Wilhelmshaven, FP 8110, Buch und Audio-CD, 112 S., ISBN 978-3-938679-54-8-65-0, € 19,80
Sehr schöne Stücke für die Mittelstufe von Michel Haumont unter dem Einfluss der Folkmusic, die bei mir persönliche Erlebnisse meiner Jugend (Paris in den 1970er-Jahren) wieder wach werden lassen. Kompositionen (mit Einfluss von Ragtime bis Bossa Nova), die auch an die Zeit von Marcel Dadi und Georges Moustaki (Liedermacher) erinnern. In diesem Heft ist die Gitarrentabulatur maßgebend, denn als klassischer Gitarrist musste ich leider feststellen, dass die Stücke nicht alle nach Noten zu spielen sind. Die Notenschlüssel und vor allem die Angaben der Tonarten fehlen vollständig! Man wird gezwungen, sich nur mit der Tabulatur auseinanderzusetzen. Ist das Absicht? Warum macht man so etwas? Das habe ich in dieser Form noch nie gesehen! Das Heft ist von daher nicht unbedingt empfehlenswert für die Musikschularbeit. Schade!

Alois Bröder: Jouer, Parler, Ecouter. 13 sehr leichte Trios für junge Gitarristen, Heinrichshofen, Wilhelmshaven, N 2611, ISMN M-2044-2611-9, € 10,90
Alois Bröder führt mit seinen 13 leichten Trios Anfänger der Gitarre ohne große Kenntnisse des Griffbrettes und ohne technische Fähigkeiten an das Zusammenspiel und das gemeinsame Musizieren heran. Mit „Sprechen“, Schauspielen, Nachmachen und mit wiederkehrenden Motiven in den drei Stimmen erfahren die Kinder (acht- bis zwölfjährig) spielerisch zum Beispiel Dynamik und Tempo. Die Notenkenntnisse in der ersten Lage auf der Gitarre müssen vorhanden sein, dann sind die ersten Stunden im Gitarren­ensemble ganz bestimmt ein Erfolg. Gelungen.

Burkhard Blady: Danzas y Canciones. 12 lateinamerikanische Tänze und Lieder, Heinrichshofen, Wilhelmshaven, N 2665, ISMN 979-0-2044-2665-2, € 12,90
Die zwölf lateinamerikanischen Tänze und Lieder von Burkahrd Blady sind sowohl für Solo- und Duo-Gitarre als auch für Gitarre mit einem anderen Melodieinstrument gesetzt. Interessant ist hier vor allem die Möglichkeit mit den Schülern die verschiedenen Schlagtechniken der Akkorde in der ersten Lage intensiv zu arbeiten. Rhythmisch einfache südamerikanische Melodien mit immer wiederkehrenden Synkopen zu spielen ist, zum Beispiel bei Schülervorspielen immer willkommen. Die schönen Stücke sind für Schüler bis zum Ende der Unterstufe geeignet. Fingersätze sind gar nicht vorhanden, von daher müssen die Lehrer den Bleistift anspitzen. Empfehlenswert.

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