Digitalität und Künstliche Intelligenz

Die HfM Trossingen geht mit riesigen Schritten in die Zukunft


(nmz) -
Die Digitalisierung der Hochschullehre ist schon seit einigen Jahren Bestandteil der Hochschulentwicklung, auch und besonders an der HfM Trossingen. Dank der Förderung des Projekts „Musikstudium im digitalen Raum“ (MidiR) durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre kann sie auf eine mehr als 10-jährige Erfahrung mit dem Thema Digitalisierung aufbauen und konkrete Maßnahmen in vier aufeinander bezogenen Teilprojekten umsetzen: Thinking:Space, Program:Space, Performance:Space und Teaching:Space. Die HfM Trossingen hat dabei den Anspruch, Räume für Grenzobjekte zu schaffen, die Utopien über die Imagination zukünftiger Medien in die aktuelle Auseinandersetzung mit künstlerischen Prozessen einbeziehen.
Ein Artikel von Peter Mall

Thinking:Space

Reflexion und Bestandsaufnahme bilden den ersten Baustein für die Entwicklung von MidiR. Im Teilprojekt Thinking:Space werden hierzu unterschiedliche Perspektiven eingenommen und reflexiv aufeinander bezogen. Lehrende, Studierende und Mitarbeitende werden fortlaufend zu bestehenden und zukünftigen Aspekten der Digitalisierung befragt. Die gewonnenen Informationen werden sukzessive zusammengeführt und wissenschaftlichen Positionen gegenübergestellt, immer mit dem Ziel, hieraus konkrete Entwicklungsmaßnahmen zu definieren.

Der Begriff der Digitalität und die damit verbundenen Diskussionen haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Zunächst bestimmte die Umwandlung analoger Audio Signale in digitale Daten und der damit verbundene Informationsverlust die Diskussion um Digitalität. Heute ist die Möglichkeit, Musik künstlich zu generieren, Grundlage aktueller Forschungsprojekte im Bereich KI, insbesondere auch im Projekt KISS an der HfM Trossingen (siehe den separaten Artikel).

Mit der Verbreitung des Internets beinhaltet Digitalität immer mehr den Aspekt der Vernetzung – Audio Streams vs. Audio CD. Analog meint nun nicht mehr ausschließlich nicht digitalisierte Musik, sondern Musik, die nicht über Netzwerke bezogen bzw. konsumiert wird. Durch die ständige Verfügbarkeit medialer Inhalte über Streamingdienste verändert sich der Medienkonsum nachhaltig. Medien bilden in diesem Sinne Akteure und wirken damit über veränderte Hörgewohnheiten auf die Interpretationspraxis und damit auf tradierte Musik zurück und prägen Kultur neu. Die HfM Trossingen hat sich in diesem Transformationsprozess früh engagiert und in Medienkompetenz und in den Aufbau eines Digital Performance Room (DPR) investiert.

Performance:Space

Technisch exzellent ausgestattete Unterrichtsräume, in denen vielfältige künstlerische Unterrichtskonzepte in der Lehre eine Brücke in die digitalisierte Welt schlagen können, werden im Teilprojekt Performance:Space umgesetzt. Das beinhaltet Audio- und Videoaufnahmetechnik sowie eine angemessene Anbindung an das Internet für insgesamt 16 Räume. Hierbei ist besonders zu beachten, dass die bereits bestehenden Ressourcen – Moodle, Medienarchiv, DANTE, DPR u. A. – im Sinne einer umfassenden Vernetzung einbezogen werden können.

Teaching:Space

Technik, die nicht verstanden wird, bleibt ungenutzt. Die geplanten Veränderungen der Lehr- und Lernräume müssen deshalb didaktisch begleitet werden. Auch in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk 4.0 der Musikhochschulen konzentriert sich der Teaching:Space auf die Weiterqualifizierung der Lehrenden im Kontext digitaler Lehre. Die Angebote greifen konkrete Anforderungen der Lehrenden auf und verbinden diese mit hochschuldidaktischen Themen. Im Teaching:Space werden gleichzeitig innovative Konzepte hochschulischer Weiterbildungen für künstlerisch Lehrende entwickelt. Ziel ist es, Angebote zu etablieren, die im Sinne des lebenslangen Lernens mit Micro-Credentials versehen zu einer steten Weiterqualifizierung von Menschen in künstlerischen Berufen beitragen.

Program:Space

Die Weiterentwicklung der Curricula im Sinne des Kompetenzrahmens DigiCompED wird über das Teilprojekt Program:Space vorangetrieben. Auch hier besteht eine Verbindung mit dem Netzwerk 4.0 der Musikhochschulen. Ein kompetenter Umgang mit Medien und Medientechnik soll zukünftig selbstverständlicher Bestandteil einer umfassenden Hochschulausbildung sein. Auch hier ist das Ziel, Kompetenzen aufzubauen, die es Studierenden ermöglichen, selbstständig und konstruktiv analoge und digitale Emergenzen künstlerischer Prozesse zu verbinden und in die eigene künstlerische und/oder musikpädagogische Arbeit zu integrieren.

Im Gesamtprojekt MidiR greifen die hier beschriebenen vier Teilprojekte eng ineinander und in der Kombination von Reflexion, Fortbildung und Curriculaentwicklung entsteht großes Potential für die Weiterentwicklung der Hochschule. Getragen wird dieser Prozess von der engen Zusammenarbeit der Projektmitarbeitenden, Mitarbeitenden der etablierten Hochschuleinrichtungen sowie den Lehrenden. Bereits in kurzer Zeit ist MidiR durch das Engagement aller in der Mitte der Hochschule angekommen.

Das könnte Sie auch interessieren: