Drei Mönche, die kein Wasser haben

Neue Werke für Violine solo und Violin-Duett


(nmz) -
Meierott, Florian: 1945 für Violine solo. NM 1241. Verlag Neue Musik, Berlin 2011. +++ Igudesman, Aleksey: Asia & More. Violin Duets. UE 33654. Universal Edition, Wien 2011.
Ein Artikel von Antonia Bruns

Meierott, Florian: 1945 für Violine solo. NM 1241. Verlag Neue Musik, Berlin 2011.

„Alles Verlorensein, alle Zerrissenheit und Perspektivlosigkeit des Nachkriegssommers spiegeln sich in den hohlen Anfangsklängen der Komposition, erst allmählich entstehen aus Fetzen Strukturen und es bricht sich etwas Licht und Hoffnung Bahn.“ So berichtet Elke Tober-Vogt über die Uraufführung von Florian Meierotts neues Stück „1945“. In diesem achtteiligen Werk für Violine solo versucht Meierott (geb. 1968) sich in den Zustand der Menschen zu versetzen, „die den Spagat meistern mussten, den Schock der Geschehnisse zu verarbeiten und sich gleichzeitig in einer neuen Realität eine Perspektive schaffen zu müssen.“ Er widmet das Stück denen, die „sich in den Trümmern wiederfanden und damit zurechtkommen mussten.“ 1945 ist seit kurzem im Berliner Verlag für Neue Musik erhältlich. Die Komposition besteht aus acht kurzen programmatischen Teilen, jeder mit einem eigenen Stil und Rhythmus. In „Trauma“ imitiert die Violine Sirenen und Flugzeug-Bomber. Weiche cantabile-Klänge sind in „Aus der Asche eine Art Frühling“ auf der Suche nach Zuversicht und Perspektive. „Um es vorweg zu sagen: Dies ist kein politisches Stück“, stellt Meierott in seinem Vorwort der Notenausgabe klar, und: „Dies ist kein deutsches Stück, sondern ein europäisches.“ 

„1945“ ist die siebte Komposition, die von Meierott im Verlag Neue Musik erschienen ist. Wie schon in seinen „silent songs“ oder seinen „Intergalaktischen Etüden“ gelingt es ihm auch hier, die Geige modern und vielseitig einzusetzen. Das Notenbild der Ausgabe ist sehr großzügig gedruckt, die einzelnen Teile sind nie mehr als zwei Seiten lang und können ohne Wenden gespielt werden. An technisch anspruchsvollen Stellen gibt Meierott Fingersatzhilfen. Insgesamt ist „1945“ ein fesselndes Stück, teilweise allerdings fast schon zu etüdenartig.

Florian Meierott ist nicht nur Komponist, sondern vor allem ein international gefragter Geiger und Pädagoge. Seit 2008 lehrt er an der Musikhochschule Würzburg. 

Igudesman, Aleksey: Asia & More. Violin Duets. UE 33654. Universal Edition, Wien 2011.

Sie sind der Renner auf YouTube: Schon über 25 Millionen Menschen (und ich gebe gern zu, auch ich bin einer von ihnen) haben ihre musikalischen Sketche und Parodien über die Welt der Klassik  im Internet angeschaut. Die Rede ist von Geiger Aleksey Igudesman und Pianist Hyung-ki Joo, die mit ihrer Show „A Little Nightmare Music“ seit acht Jahren erfolgreich auf Tournee gehen. Aber Igudesman ist nicht nur Violinist und Komödiant, sondern er komponiert auch – und das, Sie können es sich denken, auf seine eigene, humorvolle Art. Bei Universal Edition gibt es inzwischen schon eine ganze Reihe Violinduette von ihm, mal im Klezmer-Stil, mal keltisch angehaucht, dann wieder mit Latino-Rhythmen, immer clever arrangiert. 

Für seine neueste Ausgabe hat sich Igudesman in den fernen Osten aufgemacht. Herausgekommen ist „Asia & More“, eine Sammlung mittelschwerer bis anspruchvoller Duos. Asien? Das ist doch kein Musikstil! Stimmt. „Asia & More“, das sind gleich zehn verschiedene. 

Von China über Indien bis nach Aserbaidschan ist der Geiger gereist und hat sich inspirieren lassen. Traditionelle Lieder wechselt er mit neuerfundenen Themen ab. Außerdem gibt er zu jedem Stück eine kleine Einführung, die man meistens nicht ganz so ernst nehmen sollte. Das chinesische Duo „Three Monks have no water to drink“ soll zum Beispiel so klingen, als ob „Bruce Lee und Jackie Chan gegeneinander Geige spielen“. Und zu Los dos Filipinos komponiert er eifrig Fußstampfen dazu, damit die Spieler „sich mal richtig austoben können“. 

Man merkt schnell: Hier gehts nicht um Authentizität, sondern die richtige Stimmung und den Spaß am Entdecken fremdartiger Klänge. Der Geiger Joshua Bell wurde bereits vom igudesmanschen Asia-Fieber gepackt: „Asia&More“ wird ganz bestimmt auf Jahre hinaus einen festen Platz auf meinem Notenpult bekommen.” Und auf Ihrem?

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