Ein Freund der musizierenden Jugend

Eine Lobrede der Herausgeberin: Eckart Rohlfs zum 80. Geburtstag


(nmz) -
Eckart Rohlfs wird 80. Anlass genug, ihn in „seiner“ Zeitung, der nmz, zu würdigen. Sein frühes Engagement für das Musikleben in den verschiedensten Facetten, seine zahlreichen Aktivitäten, Netzwerke und Freundschaften, hatten zur Folge, dass ihm bereits zum 60. eine eigene Festschrift („Ein Mann für jede Tonart“), zum 70. immerhin mehrere nmz-Seiten gewidmet wurden. Dort kam nicht nur er selbst zu Wort, auch vielen Wegbegleitern war es ein Bedürfnis, ihn an dieser Stelle zu ehren. In den letzten zehn Jahren ist Eckart sich selbst treu geblieben. Vielleicht reist er nicht mehr ganz so häufig durch Europa, von Wettbewerb zu Wettbewerb, von Konferenz zu Konferenz, von Treffpunkt zu Treffpunkt. Aber seine Agilität, seine Betriebsamkeit, seine Offenheit, mit der er durch das Leben geht, sind die gleichen geblieben. Was also lässt sich anlässlich seines 80. Geburtstags über ihn sagen, was nicht schon aus kundigem Mund geschrieben wurde?
Ein Artikel von Barbara Haack

Bei den genannten Texten fällt auf, dass jeder einzelne einen sehr persönlichen Blick auf den Menschen Eckart Rohlfs wirft. Anders als sehr persönlich kann man sich dem Phänomen Rohlfs nicht nähern. Wer hätte im Umgang mit ihm nicht die besondere Intensität gespürt, mit der er sich jedem Menschen ebenso wie jeder Sache widmet? Also muss auch dieser Blick auf den Jubilar – neben den notwendigen biografischen Details – ein persönlicher sein.

Meine erste Begegnung mit ihm fand zu einem Zeitpunkt statt, als er schon der „große Eckart Rohlfs“ war – der Chef von „Jugend musiziert“, der Mitgründer der Jeunesses Musicales, der Aktive in Sachen musikalischer Bildung, musikalische Spitzen- und Breitenarbeit und diversen anderen Themen. In einer großen „Jugend musiziert“-Runde war er zunächst einer von vielen großkopferten (aus meiner damaligen Sicht durch die Bank älteren) Herren, die wichtig waren und wichtige Dinge zu sagen hatten. Aber Eckart Rohlfs war anders. Sofort interessierte er sich für die Jungen, die neu zu „Jugend musiziert“ stießen. Er nahm uns ernst, hörte uns zu und merkte sich, was wir zu sagen hatten. Er hatte ein offenes Ohr für Fragen wie für teils zaghafte Ideen. Er machte Mut und unterstützte, wo er konnte.

Es war eine Zeit, in der viele Akteure der „ersten Nachkriegsgeneration“ (im Wesentlichen männlichen Geschlechts) ihren Rückzug antraten. Dabei erlebte ich eine Art Paradigmenwechsel: Hatten diejenigen, die in der Stunde Null oder kurz danach das Zepter des Musik- und Verbandslebens in die Hand genommen hatten, dies in erster Linie für die Sache und im Sinne eines unbedingt notwendigen Neubeginns und Aufbruchs getan, so gelangte nun – Anfang der 90er-Jahre – eine Generation in die Positionen, die ihre haupt- und ehrenamtlichen Tätigkeiten pragmatischer sah. Weniger Idealismus und Begeisterung, mehr Interesse an persönlichem Weiterkommen, Interessens-Vernetzung, Eigeninteresse kam ins Spiel. Eckart Rohlfs gehörte ohne Zweifel zur erstgenannten Riege. Zum Glück dachte er damals noch lange nicht ans Aufhören.

Bescheiden und eher zurückhaltend als Mensch, kann er beharrlich, ja anstrengend werden, wenn es darum geht, neue Ideen umzusetzen. Ein Thema aussitzen kann man bei ihm nicht. Wer ihn kennt, weiß, wie er fast beiläufig, aber auf den Punkt genau, eine Frage stellt, die sitzt. Und nichts hält ihn davon ab, zu gegebenem Zeitpunkt diese Frage erneut zu stellen, wenn sie nicht befriedigend behandelt wurde.

Rohlfs’ Tendenz, der Jugend zuzuhören und sie ernst zu nehmen, erwächst vielleicht aus seinen eigenen Erfahrungen: Als junger gelernter Musikalienhändler gelangte er um 1950 zur Jeunesses Musicales. Der Gedanke, mit Hilfe der Musik einen internationalen Jugendaustausch zu ermöglichen und damit zu dauerhafter Verständigung zwischen den Völkern beizutragen, hat ihn damals begeistert und bis heute nicht losgelassen. Als sehr junger Mensch musste er aber auch bereits mit Verbandsstrukturen, mit Positionsbestimmungen, mit Finanzierungsfragen umgehen lernen. Und später, in seiner langjährigen Führungsposition bei „Jugend musiziert“, wurden solche Themen immer wichtiger. Eckart hat die Balance gefunden, Strukturen zu akzeptieren, sie zu nutzen und sich die Begeisterungsfähigkeit für die Inhalte dennoch niemals nehmen zu lassen. Auf die Idee, dass Verwaltungs- oder Strukturfragen, dass Satzungen oder Geschäftsordnungen wichtiger seien als die Ideen, für die sie geschaffen wurden, kommt man bei ihm nicht. Diese Einstellung hat er stets versucht, auf junge Menschen zu übertragen, ihnen Mut zu machen, sich nicht im Dickicht der Regeln, Gegebenheiten und Zahlen zu verlieren. Insofern können wir Eckart Rohlfs gut und gerne ein Vorbild für die Jugend nennen. Auch, wenn seine eigenen Arbeitsstrukturen so manchen fast in den Wahnsinn trieben. Andere standen nur verständnislos in seinem Arbeitszimmer und hätten liebend gern mit den Stapeln von Zetteln, Papieren, Akten und Zeitschriften, die jeden freien Platz bedeckten, Tabula rasa gemacht. Doch da war Eckart Rohlfs vor. Er hat eben seine eigene Struktur …

Ein Freund der Jugend, das war und ist der Multifunktionär. Und er ist dabei selbst jung geblieben. Das klingt nach Allgemeinplatz, aber hier trifft es den Kern. In Kopf und Herz ist Eckart Rohlfs mit seinen 80 Jahren jünger als mancher, der gerade die Hälfte erreicht hat. Die Redaktion der neuen musikzeitung gratuliert ihrem immerwährenden Mitarbeiter, Mitdenker und Freund.

Über Eckart Rohlfs

Eckart Rohlfs ist für mich, aber ich glaube auch fürs deutsche Musikleben, einer derjenigen, die am stärksten bewiesen haben, dass das Arbeiten in der Stille und im Hintergrund viel effizienter sein kann als das laut tönende Geschrei, das am Ende nichts bewirkt.
Hans Bäßler, Deutscher Musikrat, Verband Deutscher Schulmusiker

Wir kennen uns seit Anfang der 50er-Jahre. Er ist einer der wirklichen Begründer der Jeunesses Musicales Deutschland. Ich bin etwas später dazugekommen und seither sind wir eigentlich in den unterschiedlichsten Positionen zusammen. Er war ein loyaler und zuverlässiger Kollege und ganz besonders zeichnete ihn sein unglaubliches Gedächtnis und sein Fleiß aus. Er war ein großer Vernetzer und er ist der „Mr. Jugend musiziert“ – er hat diesen Wettbewerb zum Erfolg geführt.
Klaus Bernbacher, Dirigent, Radio Bremen, Jeunesses Musicales

Eckart hat für den Bosse Verlag wichtige Meilensteine gesetzt. Gemeinsam haben wir die Musikalische Jugend aus der Taufe gehoben. Dass der Verlag eine neue Abteilung Musikpädagogik zum Erfolg führen konnte, war auch Rohlfs zu verdanken. Wir begannen damals mit Publikationen zur musikalischen Früherziehung, und Rohlfs hat die Verbindungen hergestellt zwischen dem VdM und Diethard Wucher sowie dem Bosse Verlag. Der dritte Punkt, den ich anführen will, ist der Musikalmanach, das Nachschlagewerk für das Musikleben bis heute. Die Idee dazu und die ganze Energie, den Almanach umzusetzen, kamen von Eckart Rohlfs.
Bernhard Bosse, Verleger

Trommeln und Klappern ist nicht seine Art. Wenn ich einen Vergleich suche für die Präsenz von Eckart Rohlfs im deutschen Musikleben, dann fällt mir immer das Märchen von Hase und Igel ein. Egal, ob Jeunesses Musicales in Weikersheim, die Bundesakademie in Trossingen, die neue musikzeitung in München und Regensburg, der Musikalmanach: Eckart Rohlfs war wie der Igel: Ruhig und effizient war er immer schon da.
Rolf Fritsch, Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen
    Vor vierzig Jahren, am selben Tag als die ersten Menschen auf dem Mond gelandet sind, haben wir in Budapest beim Jeunesses-Musicales-Kongress das Weltorchester beschlossen. Es war nur eines von vielen Projekten, die es ohne Eckart Rohlfs‘ Zutun nicht geben würde. Seit dieser Gründung hat Eckart sein Lebensalter genau verdoppelt. Er ist immer noch aktiv in vielen Projekten und den Zielen der Jeunesses Musi-
cales genauso verbunden wie damals. Ich wünsche ihm und uns und der musikalischen Jugendarbeit in Deutschland, dass sich das noch lange fortsetzt.
Michael Jenne, Weltorchester, Jeunesses Musicales

Was ich an Eckart Rohlfs bewundert habe (es hat mich auch oft geärgert, weil viel Arbeit damit verbunden war): Er war ein „Multitasker“, der alle Musikverbände miteinander in Verbindung gebracht hat, Verknüpfungen zustande brachte, ob „Jugend musiziert“, DTKV, Musikrat, Jeunesses Musicales, Musikschulen bis hin zu den internationalen Verbindungen. Es war eine tolle, anregende, bewegende Zeit.
Ingeborg Krause, Jugend musiziert, ARD Wettbewerb

Eckart Rohlfs ist für mich ein Mensch, der den Deutschen Musikrat auf seine Art in ungeheurer Weise unterstützt hat. „Jugend musiziert“ und Eckart Rohlfs sind gewissermaßen eins, er hat es – wenn man so will – erfunden. Er hat es aber nicht nur erfunden, er hat es auch weiterentwickelt über viele Jahre und so zu dem Erfolgsmodell gemacht, das es dann später wurde. Dazu kommt, dass er den Wettbewerb in die Europäische Union eingebracht hat. Viele europäische Staaten und viele Musiker in Europa haben sein „Jugend musiziert“ für ihre Länder zum Vorbild genommen.
Franz Müller-Heuser, Deutscher Musikrat

Machen und nicht lange darüber sprechen: Das war Eckart Rohlfs. Das Besondere an ihm war: Er hat sich nie in den Vordergrund gespielt. Er war bescheiden und hat eigentlich mehr geleistet als viele Funktionäre an hoher Stelle. Es ging ihm immer um die Sache und nicht um seine Person. Er war ein absolutes Vorbild für mich.
Hans Timm, Bundesjugendorchester

Wenn heute viel von Synergien und Vernetzung die Rede ist: Eckart Rohlfs hat nicht davon geredet, sondern er hat es gemacht. Am meisten freue ich mich, dass er heute mit 80 genauso ausschaut wie mit 65, als ich ihn verabschiedet habe. Ich frage mich, warum wir ihn in Pension geschickt haben?
Reinhard von Gutzeit, Jugend musiziert

Für mich waren die Jahre beim VDMK beziehungsweise der nmz unter Deiner Herrschaft mit die glücklichsten. Ganz besonderes Lob gebührt Dir allerdings dafür, dass ich meinen lieben Stefan Meuschel bei Dir kennengelernt habe, der mich dann aber als Mitarbeiterin und Ehefrau abgeworben hat.
Monika von Loeben, Jugend musiziert, Verband deutscher Opernchöre und Bühnentänzer

Als ich hier Generalsekretär wurde, erfuhr ich, dass Eckart Rohlfs mein Vor-, Vor-, Vor-, Vorgänger war als Generalsekretär der Jeunesses Musicales. Vorher war er mir bekannt als Bundesgeschäftsführer von „Jugend musiziert“, als Redakteur der nmz und als Geschäftsführer der EMCY. Ich bin stolz, jemanden wie ihn als Ehrenmitglied im Verband zu haben. Wir wünschen Eckart Rohlfs zum 80., dass er noch viele Jahre ein treues Ehrenmitglied ist und weiterhin seinen wertvollen Beitrag leisten kann.
Uli Wüster, Jeunesses Musicales

Herzlichen Glückwunsch zu Deinem besonderen Geburtstag. Ich kann es nicht glauben, dass es der 80. ist. Du bist noch so fit, voller Ideen und voller Unternehmungsfreude. Ich wünsche Dir und Holle noch eine glückliche Zeit und vor allem Gesundheit und würde mich freuen, wenn wir noch einiges zusammen unternehmen könnten. Ich danke Dir für Deine Freundschaft.
Heidi Wucher, Verband deutscher Musikschulen

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