Ein junger Wettbewerb für eine alte Gattung

2. Internationaler Wettbewerb für Streichtrio der Stiftung Ernest Sauter


(nmz) -
Vom 6. bis zum 10. September findet in Regensburg der 2. Internationale Wettbewerb für Streichtrio der Stiftung Ernest Sauter statt. Wir sprachen mit dem Jury-Vorsitzenden Reiner Ginzel, Cellist des Deutschen Streichtrios, über die Geschichte und Ausrichtung des Wettbewerbs.
Ein Artikel von Burkhard Schäfer

Der 1. Internationale Wettbewerb für Streichtrio liegt zehn Jahre zurück. Damals, im Juli 2012, war die Hochschule für Musik und Tanz München Ort des Geschehens; im September 2022 ist es das Haus der Musik Regensburg. Initiiert hatte den Wettbewerb zu Beginn des neuen Jahrtausends der 1928 in München geborene und 2013 dort auch verstorbene Komponist Ernest Sauter. Er hatte 1999 für das Deutsche Streichtrio sein erstes, schlicht „Streichtrio“ benanntes Werk für diese Besetzung geschrieben. 2001 folgte die „Ballade pour violon, alto et violoncelle“ und 2007 das „3me Trio pour violon, alto et violoncelle“. „Sauter liebte die Gattung, er hatte aber immer das Gefühl, sie stehe im Schatten des Streichquartetts“, sagt Reiner Ginzel. „Aus heutiger Sicht hatte er damit sicherlich recht, musikhistorisch verhält es sich aber anders, denn die Triosonate, aus der das Streichtrio dann hervorging, war die erste ‚richtige‘ kammermusikalische Gattung. Das Quartett kommt erst später.“ Im Zuge des Musikgeschmacks sei die Entwicklung dann immer mehr in Richtung voluminöser Klang gegangen, sodass nach Beethovens Gattungsbeiträgen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts kaum Werke für die Besetzung Streichtrio geschrieben wurden. „Es ist viel schwieriger, ein Trio zu schreiben als ein Quartett“, weiß Ginzel, „denn beim Trio merkt man sofort, welcher Komponist gut polyphon schreiben kann und wer nicht. Kein Wunder, dass Max Reger in seiner polyphonen Art die Gattung 1905 mit dem Streichtrio op. 77b wiederbelebt hat.“

In der Folge Regers erlebte das Streichtrio mit Beginn der Moderne zwar eine Renaissance, der „Königsgattung“ Streichquartett konnte es dabei aber (bis heute) nie mehr den Rang ablaufen. Zentrales Anliegen der vom Komponisten selbst ins Leben gerufenen Stiftung Ernest Sauter – sie ist der Träger des Wettbewerbs – war und ist es, der Gattung zu mehr Ansehen zu verhelfen. „Außerdem soll der Wettbewerb den Nachwuchs fördern und die Veranstalter neugierig machen, die mit der Gattung oft nicht so vertraut sind und im Zweifel dann doch lieber ein Quartett aufs Programm setzen“, so Ginzel. Der Wettbewerb richte sich dabei an junge Ensembles, die sich professionell mit dem Trio beschäftigen. „Es wird ein großes Repertoire abgefragt, von Mozart über Schönberg und Penderecki bis hin zu Sauter, damit muss man sich zwangsläufig intensiv beschäftigen.“

Und das hat nach den Worten Ginzels einen positiven Nebeneffekt: „Ensembles, die teilnehmen, haben dann praktisch schon ein ganzes Abendprogramm vorbereitet. Uns ist wichtig, dass durch die Vorbereitung zum Wettbewerb auch gleichzeitig Repertoirebildung passiert. Die jungen Musiker sollen nicht nur entdecken, was für eine herrliche Besetzung das Streichtrio ist, sondern sich der Gattung auch dauerhaft widmen.“ Nicht zuletzt deshalb seien die Preisgelder „sehr großzügig bemessen“, wie Ginzel berichtet. 1. Preis: 10.000, 2. Preis: 6.000 und 3. Preis: 3.000 Euro. Zudem werden zwei Sonderpreise ausgelobt: Je 1.000 Euro gibt es für die beste Interpretation eines der Streichtrios von Ernest Sauter sowie für die beste Interpretation des 3. Streichtrios op. 158 von Roland Leistner-Mayer (Jg. 1945), das der Komponist 2020 für das Deutsche Streichtrio geschrieben hatte und das von diesem am 25. Juni in Gilching uraufgeführt wird. Das Werk ist schon auf CD (Label: Tyxart) einge­spielt. „Bis Anfang September ist die CD dann hoffentlich fertig produziert, sodass sie in Regensburg vorliegen wird.“

Ähnlich hochdotiert wie die Preise ist auch die Besetzung der Jury. Neben Ginzel sind das: die Geigerin Yukiko Ishibashi vom Trio Oreade, Gewinner-Ensemble des ersten Wettbewerbs 2012, Bratschist und Geiger Burkhard Maiß vom Jacques Thibaud String Trio, Felix Schwartz (Viola) vom Streichtrio Berlin sowie Dorothee Schabert, Komponistin, Autorin, ehemalige SWR-Tonmeisterin und langjährige Betreuerin der Donaueschinger Musiktage. „Frau Schabert haben wir ganz neu für die Jury gewinnen können“, freut sich Ginzel. „Ihr etwas anderer Blick auf die Musik und die Ensembles ist für die Jury-Arbeit sehr wertvoll.“

Profitieren die Gewinner-Ensembles abgesehen vom Preisgeld noch in anderer Form vom Wettbewerb? „Auf jeden Fall“, sagt Ginzel spontan. „Da der Wettbewerb öffentlich ausgetragen wird, haben die Ensembles ein sehr großes Publikum.“ Vor zehn Jahren, erinnert sich Ginzel, sei der Kammermusiksaal beim Abschlusskonzert „so rappelvoll“ gewesen, dass man den Raum hätte wechseln müssen. „Zudem bemühen wir uns um einen Mitschnitt des Preisträger-Konzerts, sodass die Musiker dann, wenn alles klappt, noch ein weiteres schönes Podium haben.“

Und soll der Internationale Wettbewerb für Streichtrio der Stiftung Ernest Sauter in Zukunft dann regelmäßig stattfinden? Ginzel hält sich bei der Antwort bedeckt: „Vielleicht – und hoffentlich – alle zwei Jahre. Es hängt auch davon ab, wie es dieses Jahr in Regensburg läuft.“ Dass es aber „gut läuft“, daran zweifelt Reiner Ginzel nicht wirklich. 

  • Anmeldeschluss ist der 30. Juni. Nähere Infos zum Wettbewerb und die Bewerbungsunterlagen zum Download finden sich auf der Website der Stiftung Ernest Sauter: www.stiftung-ernest-sauter.de/deuts…

 

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