Ein musikalischer Lichtblick in unserer Zeit

„Die Geistliche Abendstunde“ in St. Augustinus in München


(nmz) -
Tatsächlich sind die Kirchen derzeit die einzigen Orte, in denen Musiker*innen direkt und nicht nur per Videostream vor Publikum spielen dürfen – unter strengen Corona-Auflagen und eingebunden in den Gottesdienst, eine Andacht oder eine geistliche Abendstunde. Andere Auftrittsmöglichkeiten gibt es nicht für die freiberuflichen Künstler*innen, denen die Existenzgrundlage entzogen worden ist.
Ein Artikel von Andrea Fink

So war es auch Pfarrer Bjorn Wagner, dem Seelsorgeteam und Josef Stahuber, dem Kirchenmusiker von St. Augustinus in München, ein wichtiges Anliegen bereits nach dem ersten Lockdown, die freischaffenden Musiker*innen entweder mit einem Engagement oder auch durch Spenden der Pfarrei zu unterstützen. Im Mai letzten Jahres entstand daraus in dieser Kirchengemeinde die „Geistliche Abendstunde“, eine Andacht mit geistlichen Impulsen jeweils eines Seelsorgers, dazu virtuose Orgelmusik des Kirchenmusikers, in etwa monatlicher Wiederkehr. Man sieht, mit den Beschränkungen der Pandemie lassen sich auch kreative neue Wege für die Kunstschaffenden finden. Bei den ersten beiden Andachten im Jahr 2020 wurde für die in Not geratenen Musiker*innen gesammelt; das Format fand in der Kirchengemeinde höchsten Anklang und der Kirchenmusiker kam direkt auf den Tonkünstlerverband Bayern zu und stellte dem Förderverein die Spendensumme von 1.200 Euro zur Verfügung. Das Zusammenspiel dieser vorbildlichen Aktion geht nun in die nächste Runde, denn einzelne Musiker*innen begleiten diesen Weg und spielen nun für St. Augustinus zur „Geistlichen Abendstunde“ und unterstützen dabei die Überholung der Kirchenorgel. Den Mut, neue Wege in der Gestaltung von Gottesdiensten zu gehen, sollte die Kirche haben, denn es bieten sich hier nicht nur für die Musiker*innen neue Chancen, sondern sie stellen auch eine große Bereicherung für die Kirchengemeinde dar. „Die Leute haben richtig Sehnsucht nach Live-Musik“, berichtet der Kirchenmusiker Josef Stahuber und freut sich über dieses großartige Miteinander.

Die prekäre Lage der Künstler*innen wird sich auch nach Corona nicht gleich verbessern, umso gravierender ist die Situation. Viele Veranstalter werden nach der Pandemie sparen, öffentliche Fördergelder für Musikprojekte fallen vielleicht weg und auch die Gagen dürften langfristig gesehen geringer sein. Umso wichtiger ist es, die Vielseitigkeit und Kreativität der Künstler*innen zu nutzen und alle Spielstätten und Veranstaltungsmöglichkeiten mit einzubeziehen. Opernhäuser, Theater und viele andere Kultureinrichtungen sind derzeit geschlossen, jetzt sollen Künstler*innen in der katholischen Kirche eine Bühne bekommen.

Die Erzdiözese München und Freising, Abteilung Kirchenmusik ermuntert, Mittel für die Gottesdienstgestaltung, aber auch für die Einbeziehung von freiberuflichen Künstler*innen, die keine feste Anstellung haben, einzusetzen bzw. Sondermittel über die Abteilung Kulturmanagement, den Fachbereich Kunstpastoral und die Abteilung Kirchenmusik abzurufen.
(Pressemitteilung: https://www.erzbistum-muenchen.de/n…
 Impulse-fuer-das-Glaubensleben-39286.news).

„Unsere Überzeugung ist, dass aus diesem vertieften Zusammenspiel dauerhaft eine große Bereicherung erwachsen kann“, heißt es in einem Schreiben an die Pfarreien. Wir hoffen auf eine erfolgreiche und beständige Einbindung der Musikerinnen und Musiker in den gottesdienstlichen Alltag und die Umsetzung einer materiellen Unterstützung der Corona-gebeutelten Künstler*innen.

Konzerttipp
Geistliche Abendstunde mit Impulsen von Pfarrer Björn Wagner
Benefizveranstaltung für die Orgelsanierung
18.06.2021, 19.00 Uhr, St. Augustinus, Damaschkestraße 20, 81825 München
Musik: Josef Stahuber (Klavier) und Anna Kakutia (Geige)
Werke: J.S. Bachs Sonaten für Violine und Obligates Clavier (BWV 1017 und 1019)

 

 

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