Ein-Tages-Festival-Format

Peter Androsch und sein Projekt „REVERB“ in Regensburg


(nmz) -
„REVERB – Internationales Festival für Hall, Raum und Musik“ am 16. September 2017 ist ein ungewöhnliches Format, ein Ein-Tages-Festival. Zusammengestellt hat es der österreichische Musiker und Komponist Peter Androsch, der dazu die verschiedensten Künstler einlädt, um Werke unterschiedlichster Epochen und Genres in der Regensburger Minoritenkirche aufzuführen.
Ein Artikel von Maria Bohne

Die ungewöhnliche Zusammenstellung für das Ein-Tages-Festival beinhaltet einen, wie Androsch selbst sagt, „größenwahnsinnigen Tagesablauf mit einer Dauer von 5 Uhr morgens bis 24 Uhr nachts, so wie der Tagesablauf eines Kloster“. Diese 19 Stunden sind gefüllt mit dem Erleben von Hall, Raum und Musik in der Klos-terkirche, die zu einer Kathedrale des Klangs wird. Die Idee dahinter: Musik wird immer von dem Raum, in dem sie erklingt, zu Ende musiziert und erklingt somit in jedem Raum anders. Dass es ein Kommen und Gehen geben wird, ist Androsch bewusst und sogar sein Wunsch. Es ist ein Versuch, den Kirchenraum einmal anders zu erleben, womit nicht nur Musikinteressierte und -liebhaber angesprochen werden sollen, sondern auch Architekturinteressierte, Touristen sowie Jung und Alt.

Das Historische Museum stellte letztes Jahr Androschs Gesamtwerk und Phonographien in Regensburg vor sowie einen von ihm erstellten Akustikführer für die Stadt. Wieder zu Gast in der Weltkulturerbestadt arbeitet er nun aufs Neue mit und an „Hörenswürdigkeiten“.

Die fast 750-Jahre alte Minoritenkirche hat eine beeindruckende Akustik und ist historisch höchst interessant. Sie ist ungewöhnlicherweise mit drei Orgeln ausgestattet, sodass unter anderem zeitgenössische, moderne Orgelmusik ein wichtiger Programmbestandteil sein wird. Außerdem werden Elemente der Installationsmusik Christian Jendreikos vorgestellt, die wie eine Schnittstelle von Musik, Literatur, Installation und bildender Kunst sind. Es wird auch viel Schlagwerkmusik zu hören sein, die die Hallphänomene der Kirche provoziert, von dem Italiener Simone Beneventi und dem Belgier Tom de Cock.

Aber auch Androschs eigene Werke, wie die Passion, die erst im März in Passau uraufgeführt wurde, wird vorgestellt sowie weitere Werke von Palestrina, Bruckner, Scelsi und Grisey. Das Programm wird zusätzlich mit Performance-Lectures bespickt, die in die musikalischen Hall-Raum-Konzepte einführen, um zu erklären, was Akustik für unser Leben bedeutet.

Für dieses Großprojekt wurden Künstler eingeladen, mit denen Androsch bereits im vorigen Jahr in Regensburg seine Konzert-Ausstellung  „Phonographie“ gestaltete und die sich ebenfalls viel mit Hall und Raum beschäftigen. Ihn werden unter anderem Bernd Preinfalk, Bernhard Zachhuber, die Band Dr. Didi und das Ensemble und Chor für Zeitgenössische Musik der Anton Bruckner Privatuniversität Linz und weitere unterstützen. Androsch sagt, „Ich möchte kein Name-Dropping mit Künstlern, sondern suche nach engagierten Leuten, für die – so wie für mich –, die gemeinsame Arbeit ausschlaggebend ist“. Androsch verwendet, wo es nur geht, neuestes Material, doch in dem Ein-Tages-Festival will er sowohl mit Hilfe alter als auch neuer Musik demonstrieren, welche Funktion die Musik im Raum einnimmt. Das sei ein gravierender Unterschied von live gespielter Musik in den unterschiedlichsten Räumen zu industrieller Musik, betont Androsch.

Aus Experimenten und Erfahrungen der Konzerte im letzten Jahr konnte Androsch die Minoritenkirche bereits gut kennenlernen und weiß, dass die Kirche im hohen Tonbereich einen „wahnsinnig langen Nachhall“ hat im Vergleich zur Tiefe, in der es kaum einen gibt. Aber auch je nach Instrument entwickelt sich der Klang unterschiedlich, so nennt Androsch Beispiele wie Flöte und Klarinette, die sehr gut klingen, aber der Klang eines Cellos hingegen verschwindet.

Androsch hat eine konstante Verbindung zu Regensburg, die einige Jahre zurückreicht. Der persönliche Kontakt zum Kulturreferenten Klemens Unger kam bereits im Jahre 2009 zustande, als Linz Kulturhauptstadt war und Androsch Linz’ Musikdirektor. Aus der Bekanntschaft erwuchs eine stabile Zusammenarbeit, die nun im Projekt „Reverb – Internationales Festival für Hall, Musik und Raum“ mündet.

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