Erfahrungen aus der Lockdown-Phase

Digital-analog in die Zukunft der Fort- und Weiterbildung


(nmz) -
Die Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid nutzte die Schließung während der Corona-Pandemie, um hybride und digitale Kursformate weiterzuentwickeln. Mit ihnen eröffnete sie ihren Teilnehmer*innen neue Wege der Fort- und Weiterbildung. Die digitalen Kurse bot die Akademie der Kulturellen Bildung als gemeinsamen Experimentierraum für Multiplikator*innen und Dozent*innen an, um künftige interaktive und hybride Online-Angebote auf die Wünsche der Teilnehmer*innen zuzuschneiden.
Ein Artikel von Patricia Gläfcke

Technisch hat die Akademie nach einer intensiven Testphase aller gängigen Videokonferenz-Tools zunächst mit Zoom gearbeitet. Mittlerweile hat das Remscheider Weiterbildungsinstitut eine eigene, datenschutzkonforme digitale Umgebung eingerichtet. Die Konferenzen laufen über einen deutschen Server. Alle Kurse der Akademie lassen sich dadurch mit digitalen Arbeitsräumen ausstatten. Die Teilnehmer*innen können sich darin jederzeit treffen und austauschen, Materialien hochladen und miteinander arbeiten.

Mit ihren hybriden Angeboten gestaltet die Akademie eine analog-digitale Mischung aus der Vermittlung von Inhalten, gemeinsamen Reflexionen und Feedback sowie interaktiven Übungen im heimischen Umfeld der Teilnehmer*innen. In ihnen setzt sie zum Beispiel neue spielerische Techniken ein, die in den analogen Kursen vor Ort bisher nicht genutzt wurden.

Sich ohne zu reisen treffen

Dem Sprung ins kalte Wasser folgte die Auswertung der Experimentierphase. Dort zeigte sich, dass hybride Angebote in bestimmten Kontexten sehr gut funktionieren. Vor allem bei längeren berufsbegleitenden Qualifizierungen bieten sie die Chance, sich ohne Reisen treffen zu können, Peergruppen-Arbeit zu gestalten oder Sprechstunden anzubieten. Reine Online-Angebote hingegen eignen sich eher für die Wissensvermittlung oder Kontaktpflege.

Die analogen Angebote vor Ort führt die Akademie selbstverständlich weiter. Die Rückmeldungen der Teilnehmer*innen zeigten, dass die Akademie – wie die meisten Kulturbetriebe und Einrichtungen der Erwachsenenbildung – exzellente Hygienekonzepte und Schutzmaßnahmen entwickelt hat, um die Arbeit vor Ort fortzuführen. Hierzu gehören natürlich der Mund-Nase-Schutz und Abstandshalter, aber auch Anpassungen in der gastronomischen Versorgung der Gäs­te. Für Bläser*innen, Sänger*innen oder große Musikgruppen sind rollbare Plexiglas-Schutzwände im Einsatz.

So hatten die Teilnehmer*innen der mehrphasigen Qualifizierung Elementare Musikpädagogik (EMP) das Glück, sich direkt im Anschluss an eine intensive Online-Woche zur Wiedereröffnung nach dem Lockdown in Remscheid treffen und sogar ein Konzert realisieren zu können. Inhaltlich sollten sie im digitalen Qualifizierungsabschnitt pädagogisch-künstlerische Stunden für Zielgruppen jeglicher Gruppengröße und Altersstufe konzipieren und ein Projekt durchführen.

In den Online-Meetings moderierte Herbert Fiedler über Webcam und mit Demos am Flügel, während Jana Schmück den Bereich Bewegung und Tanz abdeckte. Zu einem Stück von Béla Bartók zeigten die Teilnehmer*innen ihre vorbereiteten Choreografien, die sie kurzfristig auf Wohnzimmer-Größe umstellen mussten. Dazu erhielten sie direktes Feedback und live am Flügel Input zu weiteren Möglichkeiten der Bewegungsbegleitung und -initiierung.

Die Teilnehmer*innen arbeiteten während der Online-Phase äußerst konzentriert miteinander. In Kleingruppen entwickelten sie gemeinsam in Live-Sessions mit eigenen Instrumenten ihre Videos und Choreografien weiter. Gegen die Ermüdungserscheinungen am Bildschirm gab es methodisch-didaktisch viele Wechsel von Plenum-Sitzungen, Kleingruppenarbeit, Online-Aufgaben und individueller Arbeit im Austausch mit den Dozent*innen. Portable Geräte waren dabei von Vorteil, allein schon um regelmäßig die Position wechseln zu können. Sogar der beliebte Bar-Abend in der Akademie bekam Online-Ersatz: Smalltalk, Gespräche über oder spontanes Vorspielen von Musik. Auf Distanz entstand so eine neue, wenn auch ungewohnte Form der Nähe.

Die analoge Kursphase nach der Wiedereröffnung erlaubte den Teilnehmer*innen ein gemeinsames Abschlusskonzert. Das „Konzert auf Abstand“ bot nicht nur einen neuen ästhetischen Klanggenuss, sondern schulte durch ein verändertes Zusammenspiel die Wahrnehmung. Mit Gedankenspielen, wie sich Akustik verändert oder neu erlebbar wird, wenn Musiker*innen und Publikum räumlich anders als gewohnt positioniert werden, nahm der Kurs die Corona-Abstandsgebote positiv in den Blick.

Die Zukunft ist hybrid

Die hybriden Umsetzungen, die die Akademie mittlerweile in allen Fachbereichen in verschiedenen Settings erprobt hat, sind fordernd. Aber die intensive Erfahrung hat neue Möglichkeiten im Zusammenspiel von analogen und digitalen Arbeitsweisen eröffnet. Sie bietet jede Menge Chancen in der Unterstützung, der Erweiterung der regulären Kursarbeit und im Zusammenspiel unter veränderten Kontaktbedingungen. In der analogen Welt des Klangs sowie in der Bewegung und Koordination können hybride Lösungen hilfreich sein und gute Ergänzungen bieten. Sie reichern die klassischen Kursformate an und machen Zwischenergebnisse und Fragen von Teilnehmer*innen sichtbar. Natürlich ist es aufwändiger, hybride Formate zu planen und umzusetzen. Auch ersetzen rein digitale Formate nicht das klassische analoge Angebot. Sie ermöglichen es aber, gemeinsam zu experimentieren und mit der neugierigen Haltung von lebenslang Lernenden unterwegs zu sein.

Das könnte Sie auch interessieren: