Experimentierlabor der Berliner Chorszene

Konzerte, Workshops und eine „chorische Installation“ bei der Chor@Berlin 2013


(nmz) -
„Gerade Mendelssohns ‚Elias‘ gehört zu den Stücken, in denen es eine echte Gleichberechtigung zwischen Chor und Orchester gibt. Es ist manchmal unglaublich schade, wenn man sieht, dass ein Chor gut einstudiert ist, der Leiter aber nicht mit den Instrumentalisten zusammen kommt.“
Ein Artikel von Arne Reul

Der Dirigent Kai-Uwe Jirka möchte bei Chor@Berlin mit dem Workshop „EXPLORATORIO“ seine fundierten Kenntnisse als Professor für Chorleitung an Studierende, Chorleiter und Kantoren weitergeben, die ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Dieser Workshop steht zugleich beispielhaft für das, was das Festival seit seiner ersten Ausgabe 2011 auszeichnet: Die Begegnung von Profis mit Laien, die Entwicklung neuer Konzert- und Präsentationsformen und der Aufbau von Netzwerken innerhalb der Chorszene.

So wird Jirka am letzten Tag des Fes­tivals zusammen mit den Dirigenten des Workshops ein Mitsingkonzert gestalten, bei dem sich neben einem Auswahlchor der Singakademie Sänger aus diversen Chören Berlins und dem Umland beteiligen. Im Zentrum des Konzerts steht dabei der erste Teil aus dem „Elias“. Doch das Konzert ist weitergehend konzipiert, denn hier wird zugleich mit neuen Konzertformen experimentiert. Das Oratorium wird nicht als singuläres Werk zu hören sein, sondern ist umrahmt und unterbrochen von improvisatorischen Teilen und einer Uraufführung von Isabel Mundry. Dadurch, so die Idee, entsteht bei Musikern und Publikum immer wieder eine neue Intensität des Hörens; das Bekannte soll im Licht neuer musikalischer Kontexte erscheinen. Ähnlich experimentierfreudig ist auch der zweite Workshop konzipiert, bei dem es um „Bewegung und Bühnenpräsenz im Jugendchor“ geht.

Zentrum des Festivals ist wieder das Radialsystem V, ein umgebautes gründerzeitliches Pumpwerk direkt an der Spree, das von Kreativen und Künstlern für die unterschiedlichsten Projekte genutzt wird. Aber auch neue Spielorte werden erobert, etwa der gegenüber liegende Ostbahnhof, wo die Passanten mit einer dreichörigen Uraufführung – einer „chorischen Installation“ – von Sabine Wüsthoff überrascht werden, oder der Nikolaisaal in Potsdam. So wird es diesmal auch in Potsdam eine „Nacht der Chöre“ geben, bei der sich Laienchöre unterschiedlichster Richtungen und Stile präsentieren und begegnen. Zu den Höhepunkten des Konzerts in Potsdam gehört zum Beispiel die Aufführung von Duke Ellingtons „Sacred Concert“, bei der sich neben zwei Chören auch die Big Band der Universität der Künste und Stepptänzer beteiligen.

Zur Idee des Festivals gehört es aber auch, professionelle Chöre einzuladen, die sozusagen als musikalische Leitsterne die Szene beflügeln. In diesem Jahr wird das Vocalconsort Berlin als Eröffnungskonzert unter dem Titel „Zum Anfang über das Ende“ Begräbnismusiken vorstellen. Einst wurden etwa die Motetten von Bach als Prozessions- und Beerdigungsmusik aufgeführt, ähnliches gilt für viele Motetten von Johann Hermann Schein und Heinrich Schütz. Diese Musik, die auch Kammer- Laien- und Kirchenchöre gerne aufführen, wird im Eröffnungskonzert nicht nur virtuos und transparent dargeboten, sondern in verschiedenen Konstellationen zwischen Sängern und Publikum präsentiert.

Chor@Berlin 21.–24. Februar 2013
www.choratberlin.de
Konzerttickets: www.radialsystem.de,
030/ 288 788 588; www.chortickets.de, 030 / 847 108 988

Das könnte Sie auch interessieren: