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Drei Fragen an Gerrit Wedel, VdO


(nmz) -
neue musikzeitung: Sind Kulturberater nicht häufig verkappte Insolvenzverwalter/Sparkommissare?
Ein Artikel von Gerrit Wedel

Gerrit Wedel: Tendenziell ja, denn die Problematik ist, dass die Kulturberater naturgegebenermaßen auch immer nur unter den Vorgaben ihrer Auftraggeber ihre Beratungen entwickeln können.  Dementsprechend richtet sich deren Expertise in der Regel nicht in erster Linie nach den kulturell-inhaltlichen Erfordernissen und den hierfür erforderlichen Infrastrukturen, sondern maßgeblich nur nach den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und innerhalb derer nach der entsprechenden Machbarkeit. Ein in einem derart personalintensiven Feld wie dem Theater schlicht unlösbaren Ei des Kolumbus. Mit weniger kann in der Kultur eben nicht mehr hausrausbekommen, wenn wirtschaftlich nach über 20 Jahren bereits alles ausgepresst ist …

nmz: Was spricht für externe Kulturberater? Was spricht dagegen?

Wedel: Theoretisch dafür spräche die Unabhängigkeit externer Berater, praktisch fehlt es jedoch häufig an dem tatsächlichen Bezug zu dem jeweiligen Umfeld. Dies aber – insbesondere im Hinblick auf die Öffentlichkeit und das tatsächliche Publikum – ist umso wichtiger. Dies wurde vor allem in der TOG nahezu komplett ausgeblendet, beziehungsweise es haben entsprechende Initiativen kein oder nur ein nur verschwindend geringes Gehör gefunden. Insbesondere aber sind die Expertenmeinungen der Beschäftigten und deren Vertreter (vor allem der Gewerkschaften) trotz aller offenliegenden Probleme mit ihren Bedenken geradezu missachtet worden. Hier fehlen externen Berater häufig die direkte Kommunikation und ein Gefühl der individuellen Bedürfnisse.

nmz: Ist die Macht der Kulturberater nicht zu groß geworden? Muss nicht die Kulturpolitik wieder stärker eigene Kompetenzen entwickeln?

Wedel: Die Frage ist vielmehr, ob die Kulturpolitik nicht den Kulturberatern zu viel „Macht“ eingeräumt hat, dass die Kulturpolitik aber eigene Kompetenzen entwickeln muss, steht außer Frage, sie sind schließlich die am Ende Verantwortlichen, was meines Erachtens in diesem Kontext häufig außer Acht gerät. Die Verantwortung darf nicht weiter ver- beziehungsweise abgeschoben werden.

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