Fasten für Profis

Cluster 2016/03 - Gordon Kampe


(nmz) -
Es ist Fastenzeit. Und das ist eine gute Zeit für PR-Strategen, in sich zu gehen und auf übliche Werbetexte für Konzerte zu verzichten. Den meisten Leuten sind sie doch ohnehin wurscht und die anderen sind beruflich da.
Ein Artikel von Gordon Kampe

Beispiel: Für eine aktuelle Konzertankündigung finde ich auf 663 Zeichen Phrasen-Quark in Höhe von 234 Zeichen: „Ort andauernder Gegenwart/Raum/Zeit selbst entfalten/Zeitgefühl sich verlieren/monumentale Kulisse/Live-Acts/großformatige Komposition/Raum und Zeit/musikalische Welten/körperliche und künstlerische Grenzerfahrung/formieren/Zeitblase“. Ich ziehe die harten Fakten (Name, Ort, Zeit et cetera = 231 Zeichen) ab, bleiben noch 198 Zeichen übrig. 99 der Rest-Zeichen laden zur ganzheitlichen Rezeption ein, nämlich: „liegend, stehend, sitzend, tanzend oder essend“ –  bleiben noch 99 Zeichen für einige verbale Luftballons. Mit Schikaneder rufe ich da aus: „Hab’ Mitleid!“ Apropos Schikaneder – „verschone mich! Hu, hu, hu!“ – auch vor morschen Mottos: Zeit, Raum, Politik, Sprache und so weiter und so fort. Wenn eines der First-Class-Ensembles für einen Schnäppchenpreis zu haben ist, dann gibt’s doch – ich spitze ein bisserl zu – am Montag in X das gleiche Programm unter dem Motto Zeit, das am Dienstag in Y unter dem Motto Raum für Ovationen sorgt.

Ihr denkt vielleicht, Avantgarde ist ein Ladenhüter und das Zeugs muss raus. Dann stellt doch mal den Latte-Macchiato kurz zur Seite und denkt euch was aus. Ich schlage derweil „Rambazamba“ vor. Das wird ein Selbstläufer. Zehn Zeichen, selbsterklärend und wunderschön. Alle werden kommen!

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