Festivalitis


(nmz) -
Ein Artikel von Rainer Nonnenmann

Das vielerorts chronische Wahrnehmungsdefizit der Neuen Musik und schwindende Finanzmittel zwingen zur Bündelung von Kräften, Personen, Mitteln, Werken. Der Erfolg internationaler, regionaler und lokaler Festivals Neuer Musik scheint den Sinn und die Richtigkeit dieses Trends zu bestätigen, denn sie erreichen weit größere Ausstrahlung und vielfach größere Publikumskreise als über das Jahr verteilte Einzelveranstaltungen. Ob Musikfestivals aber auf das Musikangebot und Publikum einer Stadt und Region nachhaltig positiv ausstrahlen oder im Gegenteil ohnehin bereits knappe Ressourcen und Aufmerksamkeit absorbieren, mag von Fall zu Fall unterschiedlich sein.

Den Festival-Herbst eröffnen die 20. Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik. Erstmals im Festspielhaus Hellerau und anderen Orten der Stadt sind vom 1. bis zum 8. Oktober fünfzehn Uraufführungen zu erleben von Chaya Czernowin, Karoline Schulz, Steingrimur Rohloff, Michail Kroutik, Michael Hirsch, Iris ter Schiphorst, Daniel Smutny, Atsuhiko Gonda,Valerio Sannicandro, Régis Campo, Kaija Saariaho, Magdalena Buchwald, Marios Joannou Elia, Jakub Sarwas und Csaba Szakács-Ajtony. Neun weitere Stücke entstanden anlässlich des 800-jährigen Jubiläums der Stadt Dresden für das elole-Klaviertrio.

Die Klang-Aktionen München bieten vom 11. bis 17. Oktober im Gasteig neun Uraufführungen, darunter von Josef Anton Riedl, der auch Programm und Organisation des Festivals verantwortet. Die Donaueschinger Musiktage bringen vom 20. bis 22. Oktober über zwanzig neue Ensemble- und Orchesterwerke zu Gehör und das 7. Festival Neue Musik Mühlheim an der Ruhr präsentiert am 27. und 28. Oktober in der Petrikirche neue Chor- bzw. Ensemblewerke von Rupert Huber und Sven-Ingo Koch.

Die Kasseler Musiktage bringen am 27. Oktober in der Martinskirche Rolf Riehms „Ihr, meine und eines ruchlosen Vaters Kinder“ für Sopran, Sprecher (über Zuspielung) und Orchester zur Uraufführung. Und beim Transit New Music Festival in Leuven sind vom 27. bis 29. Oktober neue Stücke von Komponisten aus Flandern, Kanada, Frankreich und den USA zu erleben. Aus Deutschland vertreten sind mit neuen Werken Jörg Birkenkötter und Nicolaus A. Huber.

Weitere Uraufführungen:
06.10.: Cristóbal Halffter, Dortmunder Variationen II für Orchester,
Alfredo Kraus Auditorium Las Palmas
07.10.: Detlev Glanert, Caligula frei nach Albert Camus. Oper in vier Akten, Oper Frankfurt
11.10.: Karin Wetzel, Neues Ensemblewerk, Gewandhaus Leipzig
13.10.: Mark André, ni für Ensemble, musikFabrik im WDR Köln
14.10.: Claus Kühnl, Neues Werk für Kontrabass und Klavier, Dr. Hoch´s Konservatorium Frankfurt
18.10.: Charlotte Seither, Inventaire de départ für Akkordeon und Live-Elektronik, Elektronisches Studio der Akademie der Künste Bremen
21. 10: H. Johannes Wallmann, Raumklang-Konzert „Im Funkeln der Sterne“ für 12 Saxophone, Kulturpalast Dresden, uraufgeführt durch die 12 Berliner Saxophonisten
25.10.: Steffen Schleiermacher, GegenBild für Oboe und Orchester,
Gewandhaus Leipzig
27.10.: Wolfgang Rihm, Das Gehege – Eine nächtliche Szene nach Botho Strauß für Sopran und Orchester, Bayerische Staatsoper München

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