Fünf plus eins als vokale Glücksformel

Das Ensemble Singer Pur feiert seinen 25. Geburtstag


(nmz) -
„Once upon a time“: Es war einmal, vor 25 Jahren, eine Gruppe fünf ehemaliger Regensburger Domspatzen, die mit Jazz­arrangements aus dem gewohnten Chorrepertoire ausscherte. Mit einer Sopranistin zum Sextett komplettiert gewannen sie 1994 den Deutschen Musikwettbewerb. Der Rest ist Singer-Pur-Geschichte.
Ein Artikel von Juan Martin Koch

„Once upon a time“: So beginnt auch die aktuelle CD des Vokalensembles, die zum 25. Geburtstag bei Oehms Classics erschienen ist – mit „Story“ aus John Cages „Living Room Music“ von 1940. Die unter dem Motto „Sagenhaft! Märchen, Mythen und Legenden“ versammelte Bandbreite an Stilistiken ist durchaus repräsentativ für die Kompetenz, die Singer Pur sich auf den verschiedensten Gebieten erarbeitet hat. Denn schnell kam zum zunächst favorisierten Jazzrepertoire Alte Musik, Romantik und Zeitgenössisches hinzu. „Der Domchor-Hintergrund war dabei natürlich äußerst hilfreich“, erinnert sich Bassist Marcus Schmidl, neben Tenor Markus Zapp eines der beiden verbliebenen Gründungsmitglieder: „Sehr schnell, und ohne viel Diskutieren zu müssen, hatte sich eine Herangehensweise an Alte Musik oder Romantik herauskristallisiert. Die geschulten Fähigkeiten, vom Blatt zu singen, kamen uns bei den modernen Stücken sehr zugute. Die Herausforderung war eher die, sich stimmlich so weiterzuentwickeln, die ausgewählten Stücke solistisch, also ohne sich auf einen Nebenmann in der gleichen Stimme verlassen zu können, so darstellen zu können, wie wir es uns vorstellten und dies in einer Qualität, wie wir es uns andere professionelle Gruppen wie The King’s Singers vormachten.“

Der selbst gestellte Anspruch war also von vornherein hoch und wurde auch rasch durch Preise, Festivaleinladungen und hochkarätige Kooperationen, etwa mit einem einstigen Vorbild, dem Hilliard Ensemble, bestätigt. Zur Schärfung des künstlerischen Profils trug sicher die frühe Entscheidung für die außergewöhnliche Besetzung mit Bass, Bariton, drei Tenören und Sopran bei, die Marcus Schmidl klanglich und historisch begründet: „Ich sehe die Vorteile, eine Altstimme mit einem Tenor mit sehr guter Höhe zu besetzen, vor allem in der Kraft, die er dem Ensembleklang auch in tieferen Lagen verleihen kann. Es gibt auch Leute, die den Klang von männlichen Altstimmen nicht mögen… Vor allem in der früheren Renaissance war die Sechsstimmigkeit, wie sie bei Singer Pur vorzufinden ist, übrigens gang und gäbe. Erst etwas später wurde es immer üblicher auf einen Tenor zugunsten eines weiteren Soprans zu verzichten.“

Die Qualität und spezifische Klanglichkeit von Singer Pur hat auch viele Komponisten inspiriert, sodass Singer Pur auf eine stattliche Zahl ihnen gewidmeter Stücke blicken kann, darunter komplette Zyklen von Wolfgang Rihm, Gavin Bryars und Joanne Metcalf. Das macht dann auch die Faszination der Programmzusammenstellungen von Singer Pur aus, in denen Altes und Neues nicht einfach einander gegenübersteht, sondern – etwa über zugrunde liegende geistliche Texte – konkret aufeinander bezogen ist. Auch künftige Projekte stehen ganz im Zeichen dieses spannungsvollen Dialogs über die Jahrhunderte hinweg. So freut sich Marcus Schmidl darauf, mit Singer Pur im April 2018 in der Hamburger Elbphilharmonie frühe Polyphonie von Johannes Ockeghem in ein Orchesterkonzert unter der Leitung von Kent Nagano einstreuen zu dürfen. „Bis dahin“, so hofft Schmidl, „sind wir vielleicht auch schon weitergekommen in der Realisierung unseres Unterfangens, eine ‚Nova Musica Nova‘ aufzunehmen. Unterschiedliche zeitgenössische Komponisten wie Martin Smolka, Minas Borboudakis, Piers Hellawell und viele andere haben hierfür Werke geschrieben haben, die sich auf die legendäre ‚Musica Nova‘ von Adrian Willaert von 1559, beziehen und die wir 2009 und 2013 aufgenommen haben.“

Zunächst aber freut er sich auf das Jubiläumskonzert: Am 8. März stehen Singer Pur mit ehemaligen Mitgliedern und Sängern des Hilliard Ensembles auf der Bühne des Münchner Prinzregententheaters.

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