Für Cello: hoher kompositorischer Gehalt

Noten für Cello und Klavier


(nmz) -
Carl Reinecke: Sämtliche Sonaten für Violoncello und Klavier +++ Herzogenberg, Heinrich von: Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 a-Moll op. 52.
Ein Artikel von Fritz Zumkley

Carl Reinecke: Sämtliche Sonaten für Violoncello und Klavier, hrsg. von Christiane Wiesenfeldt, Fingersätze und Hinweise zur Interpretation (Klavier): Peter Roggenkamp, Fingersätze und Hinweise zur Interpretation (Violoncello): Manuel Fischer-Dieskau, Wiener Urtext UT 50272, ISMN 979-0-50057-321-0

Carl Reinecke, geboren am 23. Juni 1824 in Hamburg-Altona, war Pianist, Dirigent und Komponist. Während seiner Studienjahre in Leipzig in den Jahren 1843 bis 1846 lernte er Felix Mendelssohn Bartholdy kennen, seinerzeit Kapellmeister am dortigen Gewandhausorchester, der ihn sehr förderte. Über ihn kam er auch in Kontakt zu Robert Schumann, den er ebenfalls sehr bewunderte, ebenso wie den damals noch jungen Johannes Brahms. In den Jahren 1860 bis 1895 übernahm er selbst die Leitung des Gewandhausorchesters, zugleich wirkte er bis 1902 am Leipziger Konservatorium als Lehrer für Klavier und Komposition, und das sehr nachhaltig – die Liste der Schüler, die aus seiner Klasse hervorgegangen sind und es zu eigener Prominenz brachten, ist jedenfalls sehr beachtlich.

In der Musikgeschichte wird er bisweilen als „Epigone“ mitunter geringschätzig bewertet – er selbst soll einmal erwidert haben: „Ich würde nicht dagegen opponieren, wenn man mich einen Epigonen nennt“ – und steht damit durchaus zu seinen kompositorischen Vorbildern, insbesondere zu Johannes Brahms.

Mit der vorliegenden Ausgabe liegen die drei Sonaten op. 42 (a-Moll), op. 89 (D-Dur) und op. 238 (G-Dur) für Violoncello und Klavier erstmals geschlossen vor. In dem sehr informativen Vorwort führt Christiane Wiesenfeldt in die Entstehungs- und Rezensionsgeschichte dieser Werke ein. Die Hinweise zur Interpretation, für das Cello geschrieben von Manuel Fischer-Dieskau, für das Klavier von Peter Roggenkamp, sind ebenfalls ausgesprochen hilfreich. Manuel Fischer-Dieskau, von dem auch die Fingersätze und Bogenstriche (Veränderungen wurden kenntlich gemacht) stammen, weist darauf hin, dass Reinecke mit den virtuosen Möglichkeiten des Violoncellos noch relativ zurückhaltend umgegangen ist, die Daumenlage kommt beispielsweise insgesamt nur zweimal vor. Ob das mit der Vorliebe Reineckes und seiner Zeitgenossen für das häusliche Musizieren zusammenhängt, sei dahin gestellt, schmälert jedenfalls nicht den hohen kompositorischen Gehalt dieser Werke,  von denen die dritte sicherlich einen besonderen Stellenwert hat. Publiziert im Jahre 1897 und gewidmet „den Manen Johannes Brahms“, reflektiert sie in sehr beeindruckender Weise die tiefe Erschütterung, mit der Reinecke die Nachricht vom Tode Brahms aufgenommen haben muss. Die außerordentliche Sorgfalt, mit der diese wunderbare Edition erstellt wurde, wird auch durch den ausführlichen Revisionsbericht im Anhang dokumentiert – alles in allem eine sehr willkommene Bereicherung der spätromantischen Literatur für diese kammermusikalische Besetzung.

Herzogenberg, Heinrich von: Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 a-Moll op. 52,  hrsg. von Bernd Wiechert, Edition Peters EP 11092, ISMN 979 -0-014-10969-1

Heinrich Freiherr von Herzogenberg, 1843 in Graz geboren, entstammte einer französischen Adelsfamilie, die in der Zeit der französischen Revolution nach Österreich ausgewandert war. Nach seiner musikalischen Ausbildung am Wiener Konservatorium wurde Herzogenberg zu einem der Mitbegründer des Leipziger Bach-Vereins (1874), seit 1885 lehrte er im Fach Komposition an der Akademie der Künste in Berlin im Rahmen einer königlichen Professur. Für die kammermusikalische Besetzung Violoncello und Klavier schrieb Herzogenberg insgesamt drei Sonaten. Die Sonate Nr. 1 in a-Moll op. 52 ist dem Cellisten des Joachim-Quartetts Robert Hausmann gewidmet und wurde im Jahre 1886 zum ersten Mal veröffentlicht.  Am 12. Juni 1887 wurde sie in Leipzig von Julius Klengel (am Klavier Willy Rehberg) aufgeführt, der Quellenlage nach offenbar zum ersten Mal. Die Sonate umfasst drei Sätze: 1. Allegro – 2. Adagio – 3. Allegro. Bei dem letzten Satz handelt es sich um einen Variationssatz, der durchaus einige Längen aufweist. In Anbetracht einer Aufführungsdauer von insgesamt 28 Minuten empfiehlt es sich, hier gegebenenfalls einige Kürzungen vorzunehmen.

Herzogenberg verstarb 1890 in Wiesbaden, danach sind insbesondere seine Kammermusikwerke in Vergessenheit geraten, die Sonate Nr. 1 in a-Moll ebenso wie die späteren Sonaten für Violoncello und Klavier Nr. 2 D-Dur op. 64 (1890 erstmals erschienen) und Nr. 3 Es-Dur op. 94 (1897 erschienen).

Die vorliegende Neuausgabe wurde durch den Verein „Internationale Herzogenberg-Gesellschaft“ in Heiden bei Appenzell (Schweiz) ermöglicht – näheres findet man unter dem folgendem Link: http://www.herzogenberg.ch/ 

Das instruktive und sehr sorgfältig recherchierte Vorwort schrieb der Musikwissenschaftler Bernd Wiechert, angefügt ist auch ein umfassender Revisionsbericht – insgesamt eine rundum gelungene Ausgabe, die höchster Beachtung würdig ist. Ich persönlich würde es sehr begrüßen, wenn auch die beiden späteren Sonaten demnächst in gleicher Qualität neu erscheinen würden.

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