Für Musikakteur*innen im ländlichen Raum

Landesmusikakademien konzipieren Fortbildungsprogramm Landmusik


(nmz) -
Schlitz. Die Landesmusikakademien aus Brandenburg, Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben für den Deutschen Musikrat ein Fortbildungsangebot im Rahmen des Förderprogramms „Landmusik“ entwickelt. Gestartet im November 2021 erstreckt sich das Angebot mit unterschiedlichen Präsenz- und Onlinephasen bis Oktober 2022.

Spätestens mit Beginn der Pandemie haben Musiker den Bedarf an internetbasierten Lösungen zum Musizieren und Unterrichten entdeckt“, hält Peter Grunwald, Leiter der Musikakademie Sachsen-Anhalt im Klos­ter Michaelstein fest. Während Plattformen zur Videokommunikation gerade in Bezug auf Musizieren an ihre Grenzen kämen und spezielle Angebote immerhin eine bessere Tonqualität lieferten, sei das „Onlinemusizieren in Echtzeit“ mit Programmen wie Jamulus, Digital Stage oder Sonobus unter Musikern nach wie vor eher unbekannt, obwohl es durchaus passable Ergebnisse ermögliche, führt er weiter aus. „Um das zu ändern, haben wir niederschwellige Online-Angebote und praxisorientierte Präsenztage entwickelt. Die vorgestellten Lösungen haben durchaus das Zeug dazu, über die pandemiebedingte Nutzung hinaus hilfreich zu sein.“

Im vergangenen November startete das Angebot mit Online-Stammtischen zum Thema „Distanzmusizieren mit digitalen Mitteln“. Interessierte konnten sich über benötigte Technik, Stör- oder Fehlerquellen sowie unterschiedliche Plattformen austauschen. Während eines Tageskurses an den Landesmusikakademien wurde das Wissen in die Praxis umgesetzt (Anmeldungen für den 19. März in Hessen und 09. April in Brandenburg sind noch möglich). Im zweiten Teil wird das Thema „Präsenzmusizieren mit digitalen Mitteln“ behandelt. Die Online-Stammtische mit einem Austausch zu digitalen Anwendungen, Audio- und Videobearbeitung, Notensatz, rechtlichen Fragen und Datensatz starten Ende März und werden durch praktische Übungen an den folgenden Präsenztagen abgerundet. „Neben innovativen Themen war es uns ein besonderes Anliegen, ein Angebot für Alle zu schaffen“, erklärt Mareike Wütscher von der Landesmusikakademie Hessen. „Gemeinschaft durch Musik ist unabhängig von Vorkenntnissen und kann in vielen Gemeinden durch einfache Mittel möglich gemacht werden.“

Community Music

Für ein gemeinsames Musizieren braucht es weder feste Strukturen noch zwingend musikalisches Wissen als Grundvoraussetzung, wenn andere Schwerpunkte wie Spaß, Teilhabe oder „sich musikalisch ausdrücken“ im Vordergrund stehen. Musikpädagogische Multiplikator*innen, Engagierte, Sozialarbeiter*innen, Musizierende, Musikvermittler*innen und Musikinteressierte haben bei diesem Kurs die Möglichkeit, erste Erfahrungen mit Community Music zu sammeln und Perspektiven für die eigene musikpädagogische Arbeit zu entdecken. Der Fachtag wird in allen vier Akademien an unterschiedlichen Terminen ab März angeboten.

Ende April findet die Denkwerkstatt „aus passiv wird aktiv“ in der Landesmusikakademie Rheinsberg statt. Referent*innen und Impulsgeber*innen aus den Bereichen Kulturpolitik, Veranstaltung und Forschung werden gemeinsam Strategien zur Stärkung der kulturellen Teilhabe im ländlichen Raum im Kontext von Veranstaltungen entwickeln. Diese Strategiepapiere sind anschließend als ePaper unter www.musikakademie-rheinsberg.de verfügbar und werden in acht Impulsworkshops von April bis Oktober interessierten Veranstalter*innen vorgestellt und gemeinsam diskutiert.

„Mit unseren Impulsen und Fortbildungen wollen wir Möglichkeitsräume für Veranstalter*innen zeigen und den Austausch fördern.“ meint Felix Görg von der Landes- und Bundesakademie Musikakademie Rheinsberg zur Zusammenarbeit der Akademien im Fortbildungsprogramm des Projektes Landmusik. „Wir wollen zeigen, dass die Veranstalter*innen den ländlichen Raum prägen und sie gemeinsam die kulturelle Teilhabe strukturell stärken können.“

Schon heute werden viele kreative Ideen im ländlichen Raum umgesetzt, die jedoch häufig wenig Resonanz erfahren. Der Deutsche Musikrat und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien fördern mit der Auszeichnung „Landmusikort des Jahres“ herausragende musikalische Projekte im ländlichen Raum.

Landmusikorte vernetzt

Ein weiterer Teil des Fortbildungsprogramms besteht aus Fachtagen, bei denen die Präsentation und Vernetzung der Landmusikorte im Mittelpunkt stehen. Hier können die Teilnehmenden Best Practices austauschen und sich Anregungen für ihre eigene musikalische Arbeit holen. Die Fachtage haben unterschiedliche thematische Schwerpunkte: Kulturelle Vernetzung, Digitalisierung, Kulturelle Teilhabe sowie Musikalische Bildung. Zudem werden für das jeweilige Bundesland aktuelle musikpolitische Themen einbezogen. Eingeladen sind Vertreter*innen der bundesweiten Landmusikorte des Jahres, Akteur*innen der Kommunalverwaltung und Landesregierungen, Musikpädagog*innen sowie Vertreter*innen aus Vereinen und Verbänden. „Dass die Landesmusikakademien verschiedener Bundesländer ein gemeinsames Programm veranstalten, gab es so noch nicht“, stellt Tobias Hedden von der Thüringer Landesmusikakademie fest. „Es ist sowohl eine Herausforderung als auch eine große Chance und für die Teilnehmenden ein wirklicher Mehrwert.“ 

Information
Das Förderprogramm Landmusik gründet sich auf drei Säulen: Projektförderung, Auszeichnung besonderer Landmusikorte und Fortbildungsmaßnahmen. In Zusammenarbeit mit den vier Landesmusikakademien finden an vier Standorten Fortbildungskurse für haupt- und nebenamtliche Akteur*innen zur Musik im ländlichen Raum statt. Alle Kurstermine unter www.landmusik.org.
Landmusik ist ein temporäres Förderprogramm, das der Deutsche Musik­rat mit Fördermitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) durchführt. Ziel ist die Stärkung des Musiklebens im ländlichen Raum, um so einen Beitrag zur qualitativen Annäherung von urbanen und ländlichen Räumen zu leisten.

 

 

 

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