Gebt dem Bieber Zucker – Ferchows Fenstersturz 2013/05


(nmz) -
Wer kommt denn bitte auf die völlig verblödete Idee, das hopsende Teenie-Idol Justin Bieber (19) ins Anne-Frank-Haus zu befördern? Geschweige denn, den Rotzlöffel samt spärlich sprießender Popelbremse überhaupt nach Europa zu lassen. Stichwort: Einreisekontrolle. Nun ja. Ein PR-Hirn läuft eben immer im unteren Drehzahlbereich.
Ein Artikel von Sven Ferchow

Bieber wird also ins Anne-Frank-Haus zu Amsterdam gestellt. Dort, wo Anne Frank versteckt lebte und ihr Tagebuch schrieb, bevor sie 1945 im KZ Bergen-Belsen zu Tode kam. Blöderweise soll Bieber, seines Zeichens kanadischer Hinterwäldler, hinterher noch ins Gästebuch schreiben. Für den kanadischen Holzfäller (Bieber, Sie verstehen?), dem Europa eher als Ranch gleich hinter New York bekannt ist, eine freilich unlösbare Aufgabe. Doch er erfüllt die Erwartungen: „Wirklich inspirierend, hier herzukommen. Anne war ein tolles Mädchen. Hoffentlich wäre sie ein ‚Belieber’ gewesen“, kritzelt er ins Gästebuch.

Zum Verständnis: „Belieber“ nennen sich kreischende Grundschülerinnen, die den Kanadier mit dieser Wortmischung aus „believer“ (Gläubige/-er) und „Bieber“ anhimmeln. Aber was meint er mit inspirierend? Leben im Keller? Tagebuch schreiben? Oder der Anreiz, einen Song zu komponieren („Frieber“, eine Mischung aus Frank und … Sie wissen schon)? Freunde der Sonne, da muss man schon aufpassen, wen man sich ins Haus holt. Dass der Bursche nicht ganz knusper ist, hätten die holländischen Behörden schon eher bemerken können. Der hundsgemeine bay-erische Zoll beschlagnahmte nämlich am Gründonnerstag Biebers Äffchen „Mally“, als jener, gemeint ist Bieber, zum Auftakt seiner Deutschland-Tournee in München aufschlug. Da kam der Horst persönlich vorbei. Und steckte ihn, also das Äffchen, in den Tierknast. Weil fehlende Unterlagen. Nebenbei, wer fällt Ihnen, außer Bieber, noch ein, der mit einem Affen unterwegs war? Und Kinder über der Balkonbrüstung im dritten Stock jonglierte? Klingelts, liebe Holländer? Biebers Promifreunde (u. a. US-Sänger Kid Rock), weil große Verfechter der Grundrechte, forderten prompt die „Freilassung“ des Affen. Gemeint war wohl das Tierchen.

Sonst, so die Drohung, würde man Deutschlands Lieblingssänger ermorden: David Hasselhoff (www.diewelt.de). Was soll man sagen, einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul, oder? Und weil es gerade passt, jammern Oma und Opa Bieber gleich noch mit. Keinen Cent hätten sie von den Milliarden des Enkels gesehen. Eine Flasche Brandy, aus der Zeit der Prohibition, stünde ihnen noch zur Verfügung. Respekt, liebes PR-Hirn im Leerlauf. Deshalb, lasst uns lernen. Von Nordamerika. Wie wäre es mit Bischof Richard Williamson als Reiseleiter nach Yad Vashem? Oder Wladimir Putin als Gedenkstättenpädagoge im Stasi-Knast Bautzen II? Oder Thilo Sarrazin als Empfangschef im Arbeitsamt „Berlin Mitte“? Oder Bushido als Rechtsberater im Aufnahmelager Zirndorf (Von der Aufenthaltsgenehmigung zur Generalvollmacht)? Da laust mich doch der Affe.

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