German Jazz Trophy 2020 geht an Arturo Sandoval

Der Preisträger eröffnet das Festival jazzopen in Stuttgart


(nmz) -
Zum Auftakt des Festivals jazzopen 2020 in Stuttgart und im Rahmen eines öffentlichen Konzertes wird am 9. Juli von der Stiftung Sparda-Bank Baden-Württemberg in Kooperation mit JazzZeitung.de und nmz die German Jazz Trophy verliehen. Die Ehrung im SpardaWelt Eventcenter am Hauptbahnhof geht an den kubanischen Trompeter und Komponisten Arturo Sandoval (70). Mehr zum Preisträger in den folgenden Zeilen.
Ein Artikel von Ralf Dombrowski

Als erstes fällt der Name Dizzy Gillespie, denn der Ahnherr des Bebops war es, der in den späten 1940er Jahren kubanische Musik nach New York holte und effektvoll mit den gerade populären Stilströmungen verschmolz. Dann aber folgt schon Arturo Sandoval, eine Generation jünger und selbst ein großer Bewunderer der Kunst seines afroamerikanischen Vorbilds, mit dem er lange auch gemeinsam in Bands unterwegs war. Denn der Trompeter aus der Kleinstadt Artemisa im Nordwesten der Karibik-Insel hat sich nicht nur als Instrumentalist in die erste Liga der internationalen Solisten gespielt, sondern mit beeindruckender Virtuosität und einem sicheren Gespür für eingängige Melodieführungen die Latin Music aus dem Umfeld der Clubs und Tanzpaläste auf die großen Bühnen der konzertanten Hochkultur geführt. Im Laufe seiner beeindruckenden Karriere spielte er von Woody Herman und Stan Getz über Herbie Hancock und Michael Brecker bis Paquito D’Rivera und Celia Cruz mit der Créme de la Créme der jazzmusikalischen Erstligisten und beeinflusste nach seiner Auswanderung in die USA 1990 auch als Professor an der Florida International University in Miami und mit Gastdozenturen von Paris bis Moskau die Vorstellung von spielerischer Gestaltungskraft und gestalterischer Finesse.

Arturo Sandoval stammt aus einfachen Verhältnissen. Geboren am 6. November 1949, bewies er bereits als Kind so auffälliges musikalisches Talent, dass er vom 12. Lebensjahr an Trompetenunterricht bekam und bereits drei Jahre später an der Escuela Nacional de Arte in Havanna studierte. Zunächst schwebte ihm eine Karriere als klassischer Musiker vor, Lob von berufener Seite wie Maurice An­dré unterstützte ihn in jungen Jahren, Auftritte etwa mit dem BBC Symphony Orchestra ließen Connaisseure aufhorchen. Nach Ende seines Studiums 1967 heuerte er allerdings in Unterhaltungsorchestern von Armando Romeu oder auch dem Hotel Nacional an, arbeitete vom selben Jahr an im Orquesta Cubana De Música Moderna und landete Schritt für Schritt weiter im Umfeld des Latin Jazz. Sandoval gehörte 1973 zu den Gründungsmitgliedern der Band Irakere, mit der er bis 1981 um die Welt tourte und seinen Ruf als außerordentlich virtuoser und immens kraftvoller Trompeter mehrte. Trotz freundschaftlicher Verbundenheit zu Fidel Castro erwies es sich jedoch als kompliziert, von Havanna aus die eigene Karriere voran zu treiben, die in den Achtzigerjahren in Bands wie Gillespies United Nation Orchestra oder mit eigenen Projekten Fahrt aufgenommen hatte.

Von 1990 an erst Asylsuchender, dann seit 1998 amerikanischer Staatsbürger organisierte Arturo Sandoval von Miami aus seine Aktivitäten neu und arbeitete neben früheren Weggefährten wie dem Label Messidor zunehmend mit US-Kollegen aus dem Umfeld der Plattenfirma GRP zusammen. Spätestens seit diesen Jahren gehört er international zu den führenden Stimmen seines Instruments, bekam zahlreiche Emmys, Grammys und 2013 die Presidential Medal Of Freedom verliehen. Neben zahlreichen Latin Standards schrieb Sandoval klassische Werke wie ein Trompetenkonzert, das er zusammen mit dem London Symphony Orchestra uraufführte, außerdem Ballett- und Filmmusiken, war als Schauspieler aktiv und auch selbst das Thema des Biopics „For Love Or Country“ (2000). Vom Publikum unter anderem wegen seiner atemberaubenden Geläufigkeit verehrt, bewundern die Experten darüber hinaus Sandovals stilsichere Fusion von High-Note-Playing und Cubop-Eleganz, musikalischer Variationsfinesse und klarer Verwurzelung in der Klangwelt seiner kubanischen Heimat. Er ist die maßgebliche Stimme seines Instruments der vergangenen Jahrzehnte, der Meister eines traditionsbasierten und zugleich nach vielen Seiten offenen Latin Jazz.    

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