Hörlust


(nmz) -

Donaueschingen, Graz, Brüssel – der musikalisch neugierige Zeitgenosse verbindet die Namen dieser Orte sofort mit Neuer und neuester Musik: kompakte Festivals als Enklaven der Hörlust in einer ohrenbetäubenden Zeit. Wer nun nicht ständig reisen kann, dem bleibt als Ersatz das Radio oder das Angebot vor Ort: Konzertreihen im Stile der Münchner musica viva oder der Kölner „Musik der Zeit“. In der öffentlichen Wahrnehmung bleiben diese Reihen allerdings weit hinter den genannten Festivals zurück – sehr zu Unrecht:

Ein Artikel von Michael Zwenzner

Donaueschingen, Graz, Brüssel – der musikalisch neugierige Zeitgenosse verbindet die Namen dieser Orte sofort mit Neuer und neuester Musik: kompakte Festivals als Enklaven der Hörlust in einer ohrenbetäubenden Zeit. Wer nun nicht ständig reisen kann, dem bleibt als Ersatz das Radio oder das Angebot vor Ort: Konzertreihen im Stile der Münchner musica viva oder der Kölner „Musik der Zeit“. In der öffentlichen Wahrnehmung bleiben diese Reihen allerdings weit hinter den genannten Festivals zurück – sehr zu Unrecht:
In München etwa kann der Abonnent in der Saison 2001/2002 neben zahlreichen wichtigen Wiederaufführungen allein sechs Uraufführungen großer Orchesterwerke von Magret Wolf (On plants and plantations), Annette Schlünz, Adriana Hölszky (on the other side), Rolf Riehm (Restoring the Death of Orpheus), Dieter Schnebel (Ekstasis) und Vinko Globokar (Mars, Teil 2 aus: Der Engel der Geschichte) erleben.

Ein nachdrücklicher Hinweis auf die Donaueschinger Musiktage (19.–21.10.) kommt hier deshalb einmal an zweiter Stelle: Im mutigen Programm trifft man noch weniger als im Jahr 2000 auf bereits arrivierte Komponisten (heuer: Dieter Schnebel und Alvin Lucier), dafür verstärkt auf „DE-Neulinge“ wie Liza Lim, Wolfgang Mitterer, Jörg Widmann oder Clemens Gadenstätter.

Das (interessantere) musikalische Rahmenprogramm zur Eröffnung des Berliner Jüdischen Museums findet übrigens in Bern statt. Unter der Überschrift „Jüdische Musik?“ bietet die dortige Biennale vom 12. bis 21. Oktober Uraufführungen, Performances und Installationen von Arnold Dreyblatt, David Moss, Rachel Mahler, Shelly Silver, Abel Ehrlich, Arnold Schönberg und einer der wichtigsten Komponistinnen der Gegenwart: Chaya Czernowin.

Michael Zwenzner

Weitere Uraufführungen/Termine

1.–10.10.: 15. Dresdner Tage der Zeitgenössischen Musik mit Werken von Eva-Margarita Geißler, Thomas Christoph Heyde u.a., Dresden
3.10.: Mayako Kubo: Hyperion (Musiktheater nach Hölderlin), Theater Rheinsberg
7.10.: Lucia Ronchetti: Quaderno Gotico für Orchester, WDR Köln
8.10.: Benjamin Schweitzer: spätes Früh für drei Baritone und Kammerensemble, Karlsruhe
8.10.: S. Pilyutikov: Cantus supra librum für Orchester, Bonn
10.10.: Steffen Schleiermacher: Inside the Trance Machine für Ensemble, Leipzig
15.10.: Ensemblewerke von Peter Michael Hamel (Assonanzen), Manfred Stahnke (In GEOmine) und Frank Corcoran (Quasi una melodia), Hamburg
19.10.: Sydney Corbett: NOACH. Oper (Libretto: Christoph Hein), Bremen
21.10.: Georg Kröll: Streichquartett Nr. 2, Neuss
25.10.: Burkhard Friedrich: views into the mirrorcity für Ensemble; Marko Ciciliani: Vor het hooren geboren für Ensemble, Tage für Neue Musik Lüneburg

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