Hunger-Tuch

Barbara Haack über mangelnde Wertschätzung der Kulturschaffenden


(nmz) -
Es war kein neues Phänomen, Corona hat es aber offengelegt: Die Kulturbranche ist ein unsicheres Pflaster für diejenigen, die doch ihr Fundament sind. Deutlich wurde vor allem, auf welch wackeligen Füßen freie Kulturschaffende stehen. Viele von ihnen hatten weder Finanzpolster noch Arbeitslosenversicherung, als es von heute auf morgen keine Aufträge mehr gab. Jetzt dürfen Kunst und Kultur wieder stattfinden. Die Freude derjenigen, die durchgehalten haben, ist groß; allerdings zerbrechlich angesichts der drohenden variantenabhängigen Herbstwolken.
Ein Artikel von Barbara Haack

Jetzt aber ist der Moment, in dem auch die während der Coronazeit einigermaßen Abgesicherten wieder den Finger heben, diejenigen, die weiterbezahlt wurden und dank Homeoffice oder Kurzarbeit vergleichsweise ruhig schlafen konnten. Es zeigt sich deutlich, dass auch unter diesen die Unzufriedenheit wächst.

Der Verband deutscher Musikschulen hat das Thema „Nachwuchsmangel“ ganz oben auf die Agenda seiner diesjährigen Hauptarbeitstagung geschrieben. Sehr differenziert wurden hier die Gründe dafür gesucht und gefunden, dass es weniger junge Menschen gibt, die sich für den Musikschulberuf entscheiden. Über allem aber stand die Forderung nach einer Höhergruppierung im Tarifvertrag. Hier sind die Kommunen gefragt, aber über Lippenbekenntnisse hinaus tut sich – seit Jahren – nicht viel.

Andere Baustelle: Tarifverhandlungen zwischen dem Deutschen Bühnenverein und den Künstlergewerkschaften über eine Mindestgage für Solist*innen wurden soeben ergebnislos abgebrochen. Der Bühnenverein empfiehlt nun seinen Theatern, diese Mindestgage von 2.000 auf 2.500 Euro anzuheben – was nach Berechnungen der Gewerkschaften ungefähr dem im Herbst geltenden Mindestlohn entsprechen würde – und nicht einmal bindend ist. Die Beispiele machen deutlich, wie wenig die Kultur unserer Gesellschaft nach wie vor wert ist. Man vertraut offenbar darauf, dass sich viele Kulturschaffende einfach „berufen“ fühlen und bereit sind, den Gürtel für ihren Traumberuf (noch) enger zu schnallen. Irgendwann ist allerdings das letzte Loch erreicht. Im Dossier dieser Ausgabe geht es um das „bedingungslose Grundeinkommen“. Dies hätte Vorteile. Das Grundproblem aber bliebe bestehen: Viele Künstler*innen, Kulturschaffende, Kulturpädagog*innen blieben am unteren Ende der Leiter stehen. Eine größere und angemessene Wertschätzung ihres wichtigen Beitrags für ein gesellschaftliches Miteinander wäre weiterhin Zukunftsmusik.

 

 

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