In den Fußstapfen von John Foulds

Graham Waterhouse mit neuen Kompositionen im Gasteig


(nmz) -
Der britische Komponist Graham Waterhouse, seit bald 30 Jahren bei München lebend, ist mit Kammerkonzerten neuer – meist auch eigener – Werke, die er mit klassischem, oft unterschätztem Repertoire kombiniert, längst eine feste Größe im Gasteig. Am 12. März 2022, in einer der letzten Veranstaltungen im kleinen Konzertsaal vor dem anstehenden Umzug musizierte Waterhouse am Cello zusammen mit der italienischen Mezzosopranistin Anna-Doris Capitelli und Miku Nishimoto-Neubert von der Münchner HfMT am Flügel.
Ein Artikel von Martin Blaumeiser

Zunächst präsentierte man neue Werke von Waterhouse. Die Klavierfassung von „Hinx, Minx“ – ursprünglich für Gesang und Cello – konnte sogleich überzeugen: Sechs Miniaturen vertonen viktorianische Kinderreime, jedoch aus der Sicht eines stets um den Job besorgten Kindermädchens, wo aus Nichtigkeiten schnell große Nöte erwachsen. Waterhouse verbindet im Hintergrund tonales Denken – zumindest mit Zentraltönen, die harmonische Stabilität gewähren – mit intelligenter Chromatik und etwa symmetrischen Terzschichtungen (Hector Protector); das Klavier erweitert die Erstfassung geschickt harmonisch und verstärkt die Situationskomik. Capitellis Mezzosopran erwies sich nicht nur als äußerst tragfähig: Wie die Pianistin verfügt sie über eine enorme Charakterisierungskunst, die auf kleinstem Raum Wirkung entfaltet. Dichter Ausdruck prägt ebenfalls „Les Tantrums d’Arlequin“ für Cello und Klavier: Im 3½-minütigen Stück in ABA-Form agierte das Cello als wahre Commedia-dell’arte-Figur, der Mittelteil ist zwölftönig.

Zum Höhepunkt des Abends wurde die Uraufführung von „Shravana“: Die fünf auf buddhistischen Texten basierenden Stücke sind quasi symmetrisch besetzt: In den Ecksätzen als Trio, steht der Sängerin im 2. (Cello) und 4. Stück (Klavier) jeweils nur ein Instrument zur Seite. Das Zentrum bildet ein energisch-virtuoser Tanz ohne Gesang. Waterhouses Aufgabe „bestand darin, einen Mittelweg zu finden zwischen dem primitiven, sich wiederholenden buddhistischen Mantra-Gesang und dem Belcanto“ – perfekt auf Capitellis Opernstimme zugeschnitten. Alle drei Interpreten brachten im immerhin 25-minütigen Zyklus eine außerordentliche Palette an Stimmungen und Farben zur Geltung, die einerseits offensichtlich minutiös genau erarbeitet war, zugleich durchaus spontan wirkte. Waterhouse tritt nicht erst mit diesem Werk in die Fußstapfen etwa des großartigen Briten John Foulds – absolut faszinierend!

Im zweiten Teil folgte auf Waterhouses formal und harmonisch recht traditionelles Klavierlied „Fergus“ von 2018 (nach W. B. Yeats) eine musikalisch hinreißende Darbietung von Charles Valentin Alkans gewaltiger Cellosonate op. 47 mit nicht gänzlich perfekter Intonation des Cellisten. Sowohl das virtuose Dauerfeuer wie auch die langen Kantilenen demonstrierten Nishimoto-Neuberts überragende Pianistik. Schade jedoch, dass man das Allegrettino unterschlug. Als Zugabe belohnte das Trio den begeisterten Applaus mit Waterhouses fast nostalgischem, französischem Chanson „Ensemble“ (Text: Christian Palatinat).   

 

 

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