In gesunde Strukturen investieren

Emotionale Festrede von Barbara Stamm zum 34. Bayerischen Musikschultag in Cham


(nmz) -
Es waren starke Worte, die den Festakt zum 34. Bayerischen Musikschultag am 14. Oktober im vollbesetzten Sparkassensaal in Cham prägten: die präventive Wirkungskraft der Musik als Investition in „gesunde Strukturen“, Musik als Teil einer ganzheitlichen Bildung und natürlich die Frage der Finanzierung; vor allem das Ziel von 25 Prozent Staatsanteil der Lehrpersonalausgaben, formuliert im 3. Bayerischen Musikplan der Bayerischen Staatsregierung.
Ein Artikel von Nadine Lorenz

„Musik verbindet“ lautet das Motto der Landkreismusikschule Cham zum 20-jährigen Bestehen in diesem Jahr. Eröffnet wurde der Musikschultag mit dem Jubiläumskonzert in der Klosterkirche der Redemptoristen mit musikalischen Beiträgen der Landkreismusikschule. Im Festakt forderte VBSM-Präsident Martin Bayerstorfer in seiner Begrüßungsrede einen allgemeinen Zugang zu einer öffentlichen Musikschule unter dem Motto: „Jedem Kind seine Musikschule – erreichbar und bezahlbar.“ Musikschulunterricht fördert die Persönlichkeitsentwicklung, dient der Prävention und Integration zugleich. Auch Theo Zellner, Landrat a.D. des Landkreises Cham und Präsident des bayerischen Sparkassenverbandes, habe dies vor langer Zeit erkannt und den Satz geprägt: „Jeder Euro, der in die Musikschule investiert wird, ist gut angelegt“. Jede der 39 Gemeinden im flächenmäßig fünftgrößten Landkreis Bayerns ist der Teil der Landkreismusikschule. Für seine Verdienste für die Sing- und Musikschulen in Bayern erhielt Theo Zellner als Höhepunkt des Festakts die Carl-Orff-Medaille, überreicht von VBSM-Präsident Martin Bayerstorfer, der auch die Laudatio hielt.

Musik tut einfach gut

Musik tue dem Menschen und der Gesellschaft gut, betonte Landtagspräsidentin Barbara Stamm in ihrer Festrede. Dabei brach sie eine Lanze für die frühkindliche Bildung, die die Politik in den nächsten Jahren noch intensiv beschäftigen werde. Man müsse da ansetzen, wo der Mensch noch formbar sei. Zu viel werde in das investiert, was mit dem „Gelingen eines Lebens“ nichts mehr zu tun habe: Steigende Tendenzen gibt es bei der Erziehungs- und Drogenberatung. „Das sind alles Kosten, wo das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, betonte Stamm.  Hier gelte wieder das Stichwort „Prävention“ – die Förderung der Musikschulen mit öffentlichen Mitteln ist eine Investition in die Förderung „gesunder Strukturen“. So ein Denken habe auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen, schielte sie auf die bayerische Staatsregierung, die neben den Kommunen mehr in die finanzielle Verantwortung gehen müsse. Mit zehn Prozent Finanzierungsanteil tue der Freistaat zu wenig. „Er muss mehr tun“, so Stamm. In Österreich sind es immerhin 30 Prozent. Das Ziel von 25 Prozent nach dem 3. Bayerischen Musikplan ist nun formuliert, daher müsse man diesem Ziel rasch näher- kommen – „nicht im Schneckentempo, sondern etwas schneller“. Im Publikum erhob sich laute Zustimmung und Beifall. „Jedem Kinde seine Musikschule – erreichbar, zugänglich und bezahlbar“ lautete das Schlagwort für den weiteren Ausbau der Musikschulen im Flächenstaat Bayern. Es bedürfe eines niederschwelligen Angebots, um die Zugangschancen für alle Kinder gleichermaßen zu gewährleisten; in den Kommunen früh beginnend und in Zusammenarbeit mit Kindergärten und Grundschulen. Stamm plädierte für mehr Bürokratieabbau, meinte damit vor allem das Bildungspaket für Hartz IV-Empfänger, das auch die musikalische Bildung beinhaltet: Denn „wenn man solche Dinge bürokratisch auf den Weg bringt, dann sollte man es besser lassen“, argumentierte Stamm, und wieder gab es großen Beifall im vollbesetzten Sparkassensaal für die emotional vorgetragenen Worte der Landtagspräsidentin.

Der Wert von Musik sei offenkundig, die Fakten sind eindeutig: Die Anzahl der Musikschulen hat sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht, die Schülerzahl mehr als vervierfacht. Im Moment sind rund 5.000 Lehrkräfte an 213 Musikschulen beschäftigt, die in mehr als 850 Gemeinden und Städten über

139.000 Kindern und Jugendlichen das Singen und Musizieren vermitteln. Deshalb versicherte Stamm am Ende ihrer Festrede: „Ich werde auch in Zukunft meine schützende Hand über die Musikschulen halten.“ Der VBSM-Vorsitzende Wolfgang Greth bedankte sich herzlich für die Festrede und mahnte, dass die Diskussion um den Ausbau eines flächendeckenden Musikschulangebotes seit Jahren feststecke. Er appellierte an die staatlichen Vertreter, sich finanziell mehr für die flächendeckende Versorgung mit musikalischer Erziehung zu engagieren.

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