Jubiläumsfest für Bayerns Tonkünstler

7. Bayerisches Tonkünstlerfest mit Schwerpunkten in München, Augsburg und Würzburg


(nmz) -

Der Landesverband Bayerischer Tonkünstler kann dieses Jahr auf sein 60-jähriges Bestehen zurückblicken. Die Entwicklung des Landesverbandes, mit 2.200 Mitgliedern das stärkste Mitglied innerhalb des Deutschen Tonkünstlerverbandes, DTKV, ist mit bekannten Namen aus dem Musikbereich wie Heinrich Knappe, Hans Rosbaud, Joseph Haas, Wolfgang Jacobi, Fritz Büchtger, Alexander Suder, Harald Genzmer und Ruth Zechlin verbunden. Aus Anlass dieses Jubiläums veranstaltet der DTKV Bayern das 7. Bayerische Tonkünstlerfest mit den Schwerpunkten in München, Augsburg und Würzburg. nmz-Chefredakteur Andreas Kolb nahm die bevorstehenden Feierlichkeiten zum Anlass für ein Gespräch mit Dirk Hewig, seit 2003 1. Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Tonkünstler. Hewig war 21 Jahre als Referatsleiter am heutigen Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst tätig. Dort war er unter anderem zuständig für die Musikhochschulen und die allgemeine Musikförderung einschließlich musikalischer Veranstaltungen und Festivals. Seit 2005 ist er stellvertretender Vorsitzender des DTKV, seit 2006 Mitglied im Präsidium des Bayerischen Musikrates.


neue musikzeitung: Welchen Aufgaben sah sich der neu gegründete Bayerische Tonkünstlerverband 1948 gegenüber?
: Die Aufgaben waren damals durchaus vergleichbar mit heutigen Aufgaben. Der DTKV ist eine berufsständische Vertretung, die sich der sozialen und der fachlichen Anliegen der verschiedensten Musikberufe annimmt. Damals gab es beispielsweise noch keine Künstlersozialversicherung. Der DTKV hat sich dafür eingesetzt, dass die Musiker und Angehörige der Musiker aus staatlichen Mitteln wie dem Bayerischen Ehrensold und aus Spendenmitteln unter anderem des Bayerischen Rundfunks eine Förderung bekommen. Später konnte dann die Künstlerförderung eingeführt werden.

: Der bayerische Landesverband des DTKV ist mit 2.200 Mitgliedern der mitgliedsstärkste. Welche Gründe machen Sie dafür verantwortlich, dass sich gerade in Bayern so viele Musiker zusammentun?
: Es hat hier in Bayern eine gewisse Tradition. Die Tonkünstlerverbände, die Regional- und Ortsverbände, sind zum Teil ja viel älter als 60 Jahre. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts sind Tonkünstlerverbände gegründet worden. An diese Tradition hat man nach dem Krieg wieder angeknüpft. Heute haben wir einen gewissen Mitgliederzuwachs dadurch, dass wir ein Zertifikat für Privatmusiklehrer ausstellen. Mit diesem Zertifikat bestätigen wir nach sorgfältiger Überprüfung die musikpädagogische Qualifikation der Lehrkräfte. Sie müssen sich verpflichten, gewisse Unterrichtsstandards einzuhalten. Wir erteilen außerdem Bestätigungen für unsere Mitglieder, wonach diese für die Musikalische Früherziehung befähigt sind und in den Kernzeiten des Kindergartens tätig werden können. Ein weiteres großes Anliegen ist ja, dass wir uns der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen annehmen. Auch aus dieser Klientel kommt eine Reihe neuer Anmeldungen.

: Stichwort Lehrbeauftragte – um was geht es da in Bayern?
: Das Problem liegt darin, dass eine nebenberufliche Lehrkraft im Schulbereich nach dem Tarifvertrag Öffentlicher Dienst bezahlt wird. Sie bekommt in etwa dreimal so viel Honorar wie ein Lehrbeauftragter in Musikhochschulen, der mindestens die gleiche Qualifikation hat. Die Vergütung der Lehrbeauftragten stagniert in der gesamten Bundesrepublik seit Anfang der 90er-Jahre. Es ist außerordentlich schwierig, da Lockerungen einzuführen, weil die Länder nicht bereit sind, zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen. Ich habe die Problematik auch auf die Bundesebene getragen. Wir versuchen nun, dort das Problembewusstsein für diesen Bereich zu schärfen. Einige Erfolge wie Übernahme von Lehrbeauftragten auf Teilzeitstellen, Lockerung der Vergütungsgruppen unter anderem haben wir auch schon erzielt.

: Was zählen Sie über das Thema Lehrbeauftragte hinaus zu Ihren Hauptaufgaben?
: Meine Hauptaufgabe war zunächst einmal die Förderung der Privatmusiklehrer. Etwa die Hälfte unserer Mitglieder sind Musikpädagogen, viele davon private. Die Musikschulen haben eine nicht unerhebliche öffentliche Förderung, primär durch die Kommunen, aber auch durch den Staat. Wir bemühen uns, dass auch unsere Privatmusiklehrer die ihnen gemäße Unterstützung bekommen. Weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit war und ist bis heute die Zeitgenössische Musik. Diesen Schwerpunkt stellen wir ja ganz besonders in unseren Jubiläumsveranstaltungen heraus. Wir nehmen uns auch musikpolitischer Themen an.
Drei Beispiele: Als der Musikhochschulstandort Augsburg eingestellt werden sollte, habe ich mich, weil ich die Problematik von früher her noch sehr gut kannte, in einem Schreiben an den Wissenschaftsminister und Abgeordnete des Bayerischen Landtags gewandt und verschiedene Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, unter anderem auch die Lösungsmöglichkeit, die jetzt gewählt worden ist: teilweise Integration der Musikhochschule als selbständiger Bereich in die Universität Augsburg.
Als das zweite Rundfunkorchester eingestellt werden sollte, sind wir aktiv geworden, haben uns an den Intendanten, an die Vorsitzende der Verwaltung und des Rundfunkrats gewandt.
Dritter wichtiger Punkt: Als Bayern 4,
der Klassiksender, auf Digitalfunk abgedrängt werden sollte, der in Bayern dann größtenteils gar nicht zu empfangen gewesen wäre, haben wir uns im Rahmen des Bayerischen Musikrats stark gemacht für die Erhaltung dieses Senders.

: Das 7. Bayerische Tonkünstlerfest dauert vom 10. bis zum 12. April 2008. Was erwartet das Publikum?
: Wir haben dreizehn herausragende Veranstaltungen, davon je eine zentrale des Landesverbandes in München, Augsburg, Würzburg. Am 10. April wird in München das Kammerorchester der Jungen Münchener Philharmonie mit Mark Mast auftreten. Außerdem, und das ist eine Besonderheit, haben wir ein Unterrichtswerk initiiert: das Münchener Klavierbuch. Es ist sozusagen ein Kaleidoskop der lebenden bayerischen Komponisten. In unserer Festveranstaltung werden zwei junge Preisträger von „Jugend musiziert“ Stücke daraus spielen. In der Musiknacht am 11. April in Augsburg werden Werke von Komponisten aus Bayern der letzten 60 Jahre vorgestellt. Im Würzburger Konzert wird eine Brücke von Mozart zu lebenden Komponisten geschlagen. Der Bayerische Rundfunk schneidet die Veranstaltungen mit. Und am 12. April nachmittags hat der Passauer Tonkünstlerverband zusammen mit uns im Münchener Tiergarten Hellabrunn einen exotischen Taubenpfeifen-Flug organisiert. Chinesische Taubenpfeifen sind Ton- oder Holzpfeifen, die den Tauben hinten auf den Schwanz gesetzt werden. Wenn die Tauben sich erheben und durch die Luft fliegen, ergibt das eine äußerst beeindruckende Sphärenmusik, die mit einem Posaunenensemble kombiniert wird. Das ist also etwas, was weit über den normalen Rahmen hinausgeht. Die Veranstaltung soll nach innen, in den Verband hinein wirken. Solche Feste sind für den DTKV aber auch deshalb wichtig, weil wir so unsere Aufgaben, Aktivitäten und Anliegen in der Öffentlichkeit publik machen und um Unterstützung unseres Anliegens werben können.

www.dtkv-bayern.de/

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