Klanggeschichten für Bratsche

Neue Noten von Bendix, Benker, Kreisler und anderen


(nmz) -
Hermann Bendix: Abendfrieden – Kleine Romanze für Viola und Orgel (Klavier) - Lore Benker: So ein Zirkus – Eine Klanggeschichte für Bratsche-Solo - Giuseppe Pascucci (Hrsg.): Fritz Kreisler – Praeludium und Allegro im Stile von Pugnani für Viola und Klavier - Werke für Viola (oder Violoncello) und Klavier aus der Reihe Belle Epoque
Ein Artikel von Manfred Krüger

Hermann Bendix: Abendfrieden – Kleine Romanze für Viola und Orgel (Klavier), Edition Dohr 2008

Bendix lebte als Kantor, Lehrer, Komponist und Dichter von 1859 bis 1935 in der kleinen Ostseegemeinde Damgarten (heute Ribnitz-Damgarten). Obwohl ihm durchaus Talent zu höheren künstlerischen Weihen zugeschrieben wurde, entschloss er sich, seiner Heimat treu zu bleiben und auf eine musikalisch-künstlerische Karriere zu verzichten. Die Anzahl bisher aufgefundener und wieder oder neu veröffentlichter Kompositionen ist bisher noch sehr überschaubar. Der Herausgeber Guido Johannes Joerg hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen verborgenen Schatz weiter zu heben. Mit dieser Romanze beschert er der Viola eine Komposition, die sicher gern und dankbar in das Repertoire der Originalliteratur für Podium und Unterricht aufgenommen wird. Kantabilität, Expressivität und das für die Viola typische Farbspektrum prägen das Stück. Bratschissimo!

Lore Benker: So ein Zirkus – Eine Klanggeschichte für Bratsche-Solo, Eres 2007

Hinter dem Steg schrill schreiend, würdig, gemütlich plaudernd, schlängelnd, stolpernd; dies sind einige der Regieanweisungen, die die Komponistin und Autorin der Zirkusmusik den (jungen) Bratschistinnen und Bratschern gibt, die ihre Klanggeschichte lebendig werden lassen wollen. Entsprechend facettenreich muss das Spiel sein. Das heißt, über das Anfangsstadium müssen die Ausführenden deutlich hinaus sein, obwohl sich die linke Hand mit der ersten Lage begnügt. Denn Flageolett, Gleichzeitigkeit von arco und pizzicato der linken Hand, col legno und (immerhin) ein vierstimmiger Akkord erfordern schon Einiges an spieltechnischem Handwerkszeug. „So ein Zirkus“ lädt ein zum phantasievollen, experimentierfreudigen und „sprechenden“ Umgang mit der Bratsche. Musik als Klangrede, um Nikolaus Harnoncourt zu zitieren, ist hier in buchstäblichem Sinn angesagt.

Giuseppe Pascucci (Hrsg.): Fritz Kreisler – Praeludium und Allegro im Stile von Pugnani für Viola und Klavier, Schott 2009

Ein Klassiker endlich auch für Viola! Virtuose Vortragsstücke für die Bratsche sind bekanntermaßen nicht so reich gesät wie für die Geige. Daher wird es sicher die Bratschenzunft –  ob unterrichtend, konzertierend oder beides – freuen, auf den bekannten Klassiker aus Kreislers Schatztruhe zurückgreifen zu können. Als Zugabe auf dem Podium vielleicht etwas zu lang, als Bereicherung für das Wettbewerbsrepertoire aber insbesondere für „Jugend musiziert“ geeignet, und als Herausforderung für ambitionierte (junge) Bratscherinnen und Bratscher zur Erweiterung ihrer technischen Möglichkeiten ein willkommenes Œuvre.

Werke für Viola (oder Violoncello) und Klavier aus der Reihe Belle Epoque Russe, Belaieff, Mainz

Originalkompositionen für Viola von russischen Komponisten um die Jahrhundertwende sind eine große Rarität. Daher wurden in den Band Werke aufgenommen, deren Autoren zwei Aufführungsmöglichkeiten zulassen  – entweder mit Bratsche oder mit Violoncello (die entsprechenden Stimmen sind beigefügt). Diese lyrischen Stücke von Petersburger Komponisten aus dem Kreis um Nikolaj Rimskij-Korsakow eignen sich sowohl für Konzertprogramme als auch für den Instrumentalunterricht. Mit Theodor Akimenkos Lied Op. 13, Joseph Wihtols Erzählung Op. 14 und Viktor Ewalds Lied Op. 2 enthält die Sammlung drei charaktervolle kleine Werke, die dem Timbre ihres Instrumentes auf den Leib geschrieben sind.

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