Knotenpunkte

Zur Konferenz „New Spaces“ in Berlin


(nmz) -
Seit drei Jahren gibt es in Berlin das privat betriebene Radialsystem V als pulsierenden, international agierenden kulturellen Netzwerkknotenpunkt der Stadt. Mit unermüdlicher Energie greifen Jochen Sandig und Folkert Uhde als Teil ihres spartenübergreifenden Programms auch die unterschiedlichsten aktuellen Fragestellungen auf, die aus der Arbeit mit einer solchen Institution entstehen, und schaffen so einen lebendigen, vorwärtsdrängenden Diskurs, der Kulturschaffende aus der ganzen Welt mit einbindet.
Ein Artikel von Heike Lies

Das Treffen „New Spaces and Systems for the Arts – creating connections – connecting creativity“ in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und der Universität Hildesheim im Oktober widmete sich ein Wochenende lang der Frage, was die verschiedenen so genannten neuen freien Orte, die zum Teil auch als Performing Arts Centers bezeichnet werden, gemeinsam haben und was sie von anderen Kultureinrichtungen wie zum Beispiel den Stadttheatern – unterscheidet. Spannend war dabei die Bandbreite der etwa zwanzig Institutionen, die dem Aufruf des Radialsystems gefolgt waren: Von etablierten Institutionen wie beispielsweise Kampnagel und der Muffathalle über neue Orte, die es erst seit kurzem gibt – Suedpol Luzern, Meet Factory Prague - bis hin zu Zentren, die noch im Bau sind, wie das Nowy Teatr in Warschau oder das Briggait in Glasgow.

Höchst unterschiedlich auch die programmatischen Ausrichtungen der einzelnen Einrichtungen – vom reinen Musikhaus Muziekgebouw in Amsterdam bis zum Multispartenort Fabri i Coats Arts Factory in Barcelona, die bildende ebenso wie performative Künste beherbergt – wie auch die Modelle der Betreiberschaft - Künstlergemeinschaften, Kulturämter, Einzelpersonen – und nicht zuletzt die große Spannbreite bei der finanziellen und personellen Ausstattung. Dennoch kristallisierten sich viele Fragestellungen heraus, die alle verbinden: Was unterscheidet den kuratierten Ort vom nichtkuratierten? Kann ein Ort auch zu perfekt hergerichtet werden, so dass er statt inspirierend auf die Kunstschaffenden erdrückend wirkt? Wie geht man damit um, wenn für den Umbau einer historischen Industrieimmobilie öffentliche Gelder da sind, aber keine oder nur wenige für den anschließenden Betrieb? Wie sorgt man dafür, dass das Zentrum sein künstlerisches Profil behält, wenn man die Räume aus finanziellen Gründen oft fremd vermieten muss? Wie findet man ein neues Publikum?

Eines wurde deutlich: Trotz des täglichen Kampfes um das finanzielle Überleben steht die Zielsetzung, mit diesen Zentren Freiräume für kreatives und innovatives Schaffen außerhalb der starr geregelten herkömmlichen Kulturinstitutionen zu bieten, immer im Mittelpunkt der Arbeit und bestimmt die Richtung. Ein wesentliches Charakteristikum der Programmgestaltung ist der Dialog: Während jemand, der ein mit ausreichend Mitteln ausgestattetes Stadttheater oder eine ähnliche Kulturinstitution leitet, sich meist als Intendant begreifen wird, der versucht, sein persönliches Programm möglichst konsequent umzusetzen, begegnen die Betreiber der „New Spaces“ ihren Kooperationspartnern in der Regel auf Augenhöhe, da man schon allein finanziell das gemeinsame Projekt nur stemmen kann, wenn man sich zusammenschließt und gemeinsam weiterdenkt. Offenheit und gleichberechtigter Dialog sind kontinuierlich notwendig, um die ldee des Impulsgebers oder der Laborsituation, in der auch Heterogenes und Widersprüchliches in einen Kommunikationsprozess eintritt und Innovatives entstehen kann, konsequent weiterzuverfolgen.

Ausprobieren und Scheitern bei neuen Ideen müssen bei dieser Art von Arbeit auch in größerem Umfang als unvermeidbarer Teil von Innovationsprozessen akzeptiert werden. Die Balance zwischen künstlerischen Entscheidungen und gleichberechtigtem Nebeneinanderstellen von sehr unterschiedlichen ästhetischen Ansätzen, Netzwerkbildung und Abgrenzung muss immer wieder neu überdacht und hergestellt werden, um die Flexibilität und Lebendigkeit zu behalten, die die besondere Qualität eines solchen Zentrums ausmacht. Konsequent, dass am Ende Denkimpulse statt fertiger Antworten standen. Als spannendes konkretes Projekt wird ein Gastaustausch zwischen Mitarbeitern verschiedener Zentren stattfinden. Und der Dialog soll fortgesetzt werden.

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