Konzert „Flaw and Order – auf der Spur von Chaos und Ordnung“

Die Jazzkomponistin Wiebke Schröder und ihr Quartett


(nmz) -
Lüneburg. Der Deutsche Tonkünstlerverband e.V. (DTKV) läuft immer Gefahr, nur als Verband von Musikpädagogen gesehen zu werden. Dabei gibt es auch sie: die KomponistenInnen und die ausübenden MusikerInnen.
Ein Artikel von Friederike Leithner

Jedes Jahr veranstaltet der DTKV Niedersachsen ein Konzert mit Werken seiner KomponistInnen. Einige von ihnen konnte man in zwei Konzerten im Rahmen des „47. Festival Neue Musik“ Lüneburg, dessen Leiter unser Mitglied Prof. Helmut W. Erdmann ist, erleben. Den Anfang machten aus Osnabrück DTKV-Mitglied Wiebke, Schröder Klavier, die neben Jazz-Klavier auch Jazz-Komposition studiert hat und in verschiedenen Ensembles unermüdlich tätig ist, Minh Voon, der an der Universität Osnabrück im Bereich Musiktechnologie lehrt, Mattis Balks, Saxophon und Sebastian Metken ebenfalls aus Osnabrück mit dem Konzert „Flaw and Order –auf der Spur von Chaos und Ordnung“.

So war jedenfalls der Plan. Aber durch die Krankheit des Schlagzeugers waren sie vom Quartett auf ein Trio geschrumpft. In dieser Herausforderung hat das Quartett seine Kreativität bewiesen und in wahrhaft bewunderswerter Weise das Programm so umgestellt, dass es im Trio zu bewältigen war! Den Zuhörern, die zum Teil angereist waren, wurde so eine Enttäuschung erspart und wer im Saal sass und nicht wusste, dass der Schlagzeuger fehlte, vermisste nichts. Chapeau!

Modern Jazz, im Zusammenhang mit dem Festival eher selten gehört, damit ist der Stil am besten beschrieben. Aber nicht nur das ist zu hören. Unüberhörbar sind klassische Wurzeln, traditioneller Jazz, Rock und Pop, alles was ein interessante Mischung ergibt, das ungefähr ist der Stil des Quartetts/Trios. Wie der Name schon sagt, geht man von einer Ordnung aus, aber zerlegt sie dann, um aus den Trümmern eine neues Ganzes zu kreieren. Das sieht so aus, dass Ideen, die in eine Probe mitgebracht werden ausgearbeitet werden oder aber es wird darüber improvisiert. Manchmal werden auch Standards aufgegriffen und verarbeitet. Dabei entsteht eine außerodentlich vielfältige, immer interessante und schöne Musik: zarte Töne, gewaltige Steigerungen, transparente Kammermusik, Solo-Stellen für jeweils eins der Instrumente oder alle zusammen oder auch der sehr berührende Moment, wenn zwei der drei Instrumente in ein inniges Gespräch vertieft sind. Das Bild wäre unvollständig, würde man nicht die ganz großartige Beherrschung der Instrumente erwähnen, welche die drei Musiker*innen an den Tag legten! Es stimmte einfach alles, es war ein wunderbares Konzert mit nachhaltiger Wirkung, auch für Menschen, die sonst normal in der Klassik zuhause sind, schöne neue Musik eben. Zum positiven Geamteindruck gehört auch, dass diese großartige Konzert in einem großartigen Raum statt fand: das Glockenhaus in Lüneburg stammt aus dem Jahr 1482, diente früher als Waffen- und Glockenwerkstatt und ist heute ein Ort für Veranstaltungen. Die alten Steine und Balken haben eine besondere Ausstrahlung: es trafen sich im Konzert auf harmonische Art und Weise Moderne und Tradition, so das sich die Zuhörer rundum beglückt fühlen konnten! Ein paar mehr Zuhörer hätte man dem Trio gewünscht. Und es ist zu wünschen, dass Wiebke Schröder und ihr Quartett im nächsten Jahr wieder kommen und dann diesmal mit Schlagzeug und als komplettes Quartett.

 

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