Kooperationen und Talentförderung

Landesoffensive für öffentliche Musikschulen in NRW Teil 2


(nmz) -
Zur Stärkung der öffentlichen Musikschularbeit hat das Land NRW mit der „Musikschuloffensive“ ein Programm aufgelegt, bei dem es im Schwerpunkt darum geht, den Anteil sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse an den Musikschulen zu erhöhen und den Musikschulen gleichzeitig mehr Möglichkeiten zur qualitativen Weiterentwicklung zu geben (wir berichteten in der Oktober-Ausgabe).
Ein Artikel von Alfred Schulze-Aulenkamp, Hedwig Otten, Teresa Pickavé

Das Land fördert die kommunal getragenen Musikschulen im Rahmen einer pauschalen Festbetragsfinanzierung mit einem Personalkostenzuschuss für sozialversicherungspflichtige Stellen. Neben der finanziellen Förderung leistet die Musikschuloffensive inhaltlich einen Beitrag zur Sicherung der Zukunft der Einrichtungen in Gestalt einer fachlichen und strukturellen Begleitung durch den Landesverband der Musikschulen in NRW (LVdM).

Fünf Referent/-innen, die über die Geschäftsstelle des LVdM beschäftigt werden, übernehmen Beratungsaufgaben bei der Abwicklung der Musikschuloffensive und bringen jeweils eine Expertise in verschiedenen Themenfeldern mit: In der Oktober-Ausgabe stellten wir die Bereiche Elementare Musikpädagogik und Kita-Kooperationen, Diversität und Digitalisierung in der Musikpädagogik samt Digitalisierungsoffensive vor. In dieser Ausgabe zeigen wir die Schwerpunkte der Themenfelder Kooperationsmanagement und kommunale Bildungsnetzwerke sowie Talentförderung und Personalentwicklung auf.

Kooperationen und kommunale Bildungsnetzwerke

Der Bereich der Kooperationen ist in den letzten 20 bis 25 Jahren für die Arbeit der kommunalen Musikschulen immer wichtiger geworden. Es dürfte heute kaum noch eine Musikschule geben, die ihre musikpädagogische Arbeit ausschließlich und isoliert in ihrem eigenen Gebäude anbietet. Und auf der anderen Seite ist die Arbeit von Kitas, Schulen und anderen Einrichtungen ohne die Einbeziehung der Fachexpertise aus den Musikschulen inzwischen kaum mehr vorstellbar.

Viele große „Leuchttürme“ sind bekannt: „Kita und Musikschule“ des LVdM, „JeKits“ als größtes kulturelles Bildungsprogramm des Landes NRW, JEKISS – Jedem Kind seine Stimme in Münster, Jeki-Sti – Jedem Kind seine Stimme in Neuss, MoMo – Monheimer Modell in Monheim und andere sind an Grundschulen oder Förderschulen zu finden. Band-, Bläser- und Streicherklassen, Instrumental- und Vokalunterricht und insbesondere „Eine (Musik)Schule für alle – EMSA“ bilden herausragende musikalische Bildungsangebote an weiterführenden Schulen. Dass es in diesem Bereich dennoch Verbesserungspotenzial gibt, verwundert angesichts der diversen beteiligten Partner nicht. Hier mittel- und langfristig Hilfen und Unterstützung anzubieten, ist unter anderem Aufgabe des LVdM-Fachbereichs Kooperationsmanagement und kommunales Bildungsnetzwerk.

Zur weiteren Klärung von Unterstützungsbedarfen wurde eine Umfrage an den Mitgliedsschulen durchgeführt, die unter anderem statistische Daten im Bereich Kooperationen klärte, organisatorische, finanzielle und strukturelle Aspekte ermittelte oder nach Problemfeldern und Entwicklungspotentialen von Kooperationen fragte. Die Ergebnisse und Anregungen fließen nun in eine Reihe unterschiedlicher Veranstaltungen ein, die sich den diversen Teilaspekten der Kooperationsarbeit widmen: So finden derzeit digitale Austauschtreffen statt, etwa zu den Schwerpunkten gelingende Kooperationen, gemeinsame Erarbeitung eines Vertrauensverhältnisses, Verbesserung von Übergängen, Bedeutung und Nutzen kommunaler Bildungsnetzwerke für die Musikschularbeit oder zur Schnittstelle OGS.

Talentförderung und Personalentwicklung

Mittel- und langfristig ist die Erstellung eines „Werkzeugkastens Kooperation“ geplant, um den Musikschulen die vielseitige und fordernde Arbeit in diesem wichtigen Bereich erleichtern zu können. Zudem finden laufend individuelle Beratungen einzelner Musikschulen oder in den Regionen statt.

Musikschullehrkräfte entdecken und fördern täglich, bewusst oder unbewusst, Talente im Einzel- und Gruppenunterricht, in Vorbereitung auf ein Studium mit Schwerpunkt Musik, aber auch im Programm „JeKits“ oder innerhalb vielfältiger musikalischer Angebote im vorschulischen Bereich. Sie haben die Chance, Schüler/-innen durchgängig auf ihrem musikalischen Bildungsweg zu begleiten und Übergänge von der Kita zur Grundschule, von dort zur weiterführenden Schule und von der Musikschule ins Studium zu gestalten. Um sie hierbei zu unterstützen, strebt der LVdM NRW nicht nur eine (Weiter-)Entwicklung von Förderprogrammen für die Schüler/-innen selbst, sondern auch von Fortbildungsangeboten für die Lehrkräfte in Zusammenarbeit mit den Musikschulen an, damit diese besonderes Interesse oder Begabung bei Schüler/-innen in der jeweiligen Entwicklungsstufe bestmöglich erkennen und zielgerichtet und anhaltend fördern können. Hierbei gilt es auch, das Umfeld sowohl in den Musikschulen als auch im Zusammenspiel beispielsweise mit den Allgemeinbildenden Schulen so zu gestalten, dass die individuelle Entfaltung von Talent einen optimalen Rahmen erhält.

Der Aufbau eines Netzwerks aus Musikschullehrkräften, die in besonderem Maße mit der Förderung begabter Schüler/-innen befasst sind, soll einen generellen und musikschulübergreifenden Austausch und die Weitergabe von Erfahrungen ermöglichen. Über ein solches Netzwerk können zum Beispiel auch Partizipationsprojekte angeregt werden, die eine Teilhabe der Schüler/-innen am Musikschulleben intensivieren und das Interesse für eine selbstverantwortliche Vermittlung von Musik wecken.

Langfristiges Ziel aller Beteiligten, der Musikschulen und deren Trägern, aber natürlich auch für den LVdM NRW als beratenden Trägerverband, muss es sein, die Attraktivität des Arbeitsfeldes „Musikschule“ zu steigern. Viele engagierte „Botschafter/-innen“, die Musikschulleitungen und Lehrkräfte, aber auch Studierende und Schüler/-innen können hier helfen, Interesse und Begeisterung zu wecken. Ihnen zur Seite stehen notwendigerweise die Partner auf Landesebene, die Musikhochschulen und Universitäten und nicht zuletzt die Kommunalen Spitzenverbände. Die künftigen Musikschullehrkräfte sollten in ihrer Ausbildung praxisnah auf den Berufsalltag vorbereitet und beim Berufseinstieg eng und fördernd begleitet werden. Denn zufriedene und motivierte Lehrkräfte können wiederum Talente unterstützen und ihre Schüler/-innen für den sinnvollen und erfüllenden Beruf der Musikschullehrkraft gewinnen.

 

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