Künstlerischer Rundumschlag

Kickoff für BTHVN: Bonn startet ins Beethoven-Jubiläum


(nmz) -
„Seid umschlungen“ – so betitelt das Beethovenfest seinen Extra-Ableger im Frühjahr des Jubiläumsjahres. Und so wie es aussieht, wird den Bonnern auch gar nichts anderes übrigbleiben, als sich 2020 vom weltumspannenden Genie des Komponisten vereinnahmen zu lassen. Nicht nur bekommt das Beethovenfest einen Ableger, auch die BTHVN Jubiläums GmbH, das Beethoven Orchester und andere Veranstalter klotzen zum Auftakt des Beethoven-Jahres, mit dem der 250. Geburtstag des Komponisten gefeiert wird.
Ein Artikel von Guido Krawinkel

Langsam wird es also ernst in Bonn: Nachdem die BTHVN Jubiläums GmbH lange Zeit nicht mehr als nebulöse Andeutungen über ihr konkretes Programm verlauten ließ, wurde selbiges jüngst vorgestellt. Kurz gesagt: es kann sich sehen lassen und man lässt sich die Jubiläumssause auch richtig etwas kosten: 24,6 Millionen Euro haben Bund, Land, der Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Bonn lockergemacht, von den circa 2/3 in externe Projekte fließen und 1/3 in eigene Projekte der Jubiläums GmbH. Rund 300 Projekte wird es deutschlandweit geben, wobei Nordrhein-Westfalen das Kernland der Aktivitäten sein wird. Endgültig entschieden wird das erst Ende November, wenn der Aufsichtsrat der Jubiläums GmbH wieder tagt.

Über dem Programm steht das Motto „Beethoven für Jedermann“, und damit Beethoven auch wirklich bei jedem ankommt, hat man sich für die Eröffnungswoche allerhand einfallen lassen. Der Anspruch: zeigen, dass „Beet­hovens Musik auch heute noch eine große Relevanz hat“, wie Malte Boecker, künstlerischer Geschäftsführer der GmbH es formuliert. Dass die Rechnung aufgehen könnte und Beet­hoven auch heute noch eine „internationale Strahlkraft“ besitzt, zeigt nicht zuletzt die Erwähnung Bonns im „Lonely Planet“-Reiseführer, der Bonn gerade auf Platz fünf der weltweit besten Reisestädte gelistet hat – gerade auch im Hinblick auf die bevorstehenden Feierlichkeiten.

Insgesamt will man aber nicht warten, bis Bildungsinteressierte zu Beet­hoven kommen, sondern trägt ihn dorthin, wo bildungsfernes Publikum ihn nicht unbedingt erwartet: überall. Das Literaturhaus Bonn etwa lässt einen Beethoven-Bot mit Zitaten aus seinen Briefen twittern, die International Telekom Beethoven Competition gipfelt in ihrer Finalrunde, unter dem Motto „Beethoven bei uns“ öffnen bundesweit private Gastgeber ihre Türen für Konzerte und in der Bundeskunsthalle wird „die“ Beethoven-Ausstellung im Jubiläumsjahr eröffnet, eine Schau, die angesichts des Jubiläums Maßstäbe setzen soll. Einen offiziellen Festakt mit Prominenz gibt es natürlich auch, immerhin ein Drittel der Karten hierfür wurde umsonst ans Publikum ausgegeben – ratzfatz waren die über einen Ticketanbieter unters Volk vergebenen Karten weg.
Als weiteres Highlight wird das vollständig umgestaltete Beethovenhaus wiedereröffnet, dessen Dauerausstellung komplett überarbeitet wurde, und das zudem mit einem ausgebauten Raum- und Seminarangebot punkten will. Insgesamt ist das für eine Stadt wie Bonn bereits ein beachtliches Angebot, das Ausrufezeichen am Ende der Eröffnungswoche setzt man mit dem Beethoven-Marathon.

Der beruht auf einer Idee des Bonner Generalmusikdirektors Dirk Kaftan, der den Generaldirektor nicht unbedingt gerne raushängen lässt, und dafür umso mehr Musik macht. Gerne auch „Grenzenlos“, um den Titel einer der Konzertreihen des Beethoven Orchesters aufzugreifen, in der man zuletzt mit der türkisch-multinationalen Gruppe KardeşTürküler konzertiert hat. 30 Spielorte, 60 Ensembles und 90 Veranstaltungen innerhalb von 12 Stunden, flächendeckend über Bonn verteilt, stehen auf der Tagesordnung des Beethoven-Marathons.

Da ist von der Kunstaktion über einen Flashmob bis hin zu Konzerten und Theater alles dabei, ein künstlerischer Rundumschlag. Natürlich gibt’s auch jede Menge Beethoven. Das Beethoven Orchester etwa verantwortet die Aufführung aller neun Sinfonien, doch nicht schön enzyklopädisch und der Reihe nach, sondern jede in einer anderen Fassung. Die 3. gibt’s in der exakten, kammermusikalischen Besetzung der Uraufführung, die 6. mit Sandmalerei, die fünfte als E-Version von Pierre Thilloy und die 4. mit einem Orchester aus Profis und Laien – wie zu Beethovens Zeiten.

Wer angesichts dieses straff organisierten Beethoven-Overkills nichts vom Jubiläum mitbekommen sollte, dem dürfte wohl nicht mehr zu helfen sein. Ein Übriges tun die Bürger für Beet­hoven, auf deren Initiative hin jetzt an vielen Stellen in der Bonner Innenstadt und darüber hinaus prominent platzierte Beethoven-Säulen aufgestellt wurden. Die sehen nicht nur tagsüber durchaus stylish aus und informieren rund um die Uhr über den berühmtesten Sohn der Stadt.

Dossier: 
Beethoven 2020

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