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Hits & Clips


(nmz) -
Stefan Raulf nimmt aktuelle Popmusik unter die Lupe: Ich + Ich und Wir sind Helden
Ein Artikel von Stefan Raulf

Ich + Ich: „Dienen“

Das Schaudern hält an, das schon angesichts der ersten Single „Du erinnerst mich“ viele Pophörer, die auch Söhne Mannheims nicht mögen, befiel. Doch „Dienen“, der zweite Hit von Ich + Ich, treibt den weichen programmatischen Gutmensch-Pop mit Zeigefinger-Botschaft so konsequent voran, dass es fast schon Respekt erzeugt. Musikalisch ist sie unbeirrt auf Emotionen produziert. Der Sound ist butterweich, die permanente „Du“-Ansprache des Wechselgesanges zwischen Annette Humpes (einst Sängerin bei Ideal) gepredigten Einsamkeitsanalysen und Adel Twalis warnendem Emo-Refrain lässt den Hörer nicht in Ruhe. Die stärkste Wirkung jedoch erzielt die Fabel vom einsamen, grantigen Typen mit dem verschlossenen Herzen, die der Zeichentrick-Clip dazu erzählt. Die klaren ruhigen Linien der Bilder geben dem didaktischen Geschmalze tatsächlich Form und Rahmen, in denen Melancholie und Niedlichkeit eine gewisse Tiefe erhalten.

Wir sind Helden: „Von hier an blind“

Dass bei Wir sind Helden ein Zeichentrickvideo kommt, war angesichts des Layouts ihres zweiten Albums „Von hier an blind“ klar; dass die Zeichnerin Vanessa Karre ganz O.K. beim „Tim & Struppi“-Erfinder Hergé abgekupfert hat, auch. Gewählt wurde als zweite Single sinnigerweise der Titelsong. Denn zum einen bedurfte der Billigswing der Vorgängersingle dringend einer Korrektur durch einen klar gebauten Popsong inklusive attraktiver Tempoverdopplung in Bridge und Refrain. Zum anderen passt der erstaunlich offene poetische Text von Judith Holofernes (eine Art Annette Humpe des neuen Berliner Selbstbewusstseins) zu der lakonischen Wanderschaft der Band, die im Video einem geheimnisvollen roten Band bis zum Cliffhanger-Schluss folgt. Da kommt wohl noch mehr, was angesichts der unangestrengten Reife dieses Liedes und Clips nur recht sein kann.

 

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