Lasst uns froh und munter sein

Cluster 12/2022-01/2023 von Gordon Kampe


(nmz) -
Vor ein paar Jahren besuchte ich in einer römischen Vorstadtkirche die Messe zur Osternacht. Weit und breit kein Vatikanischer Pomp. Ein Plastikklavier, basta cosí. Neben mir eine uralte Nonna. Als sie mir das Kerzchen anzündete, fiel sie mir jubelnd um den Hals und lachte mir zahnlos ins Herz. Wer jetzt, peinlich berührt, die Augen verdreht, mag sich eine Mahlzeit in der Mikrowelle aufwärmen. Missionieren mag ich nicht, aber die Anekdote erinnerte mich daran, dass auch Musik gelegentlich „Freude“ bringen kann. Grundlose Freude. Nur ich, habe ich den Eindruck, „darf“ mich beim Komponieren „neuer Musik“ nicht freuen. Sie muss freudlos bleiben, wenn sie sich nicht der „Harmlosigkeit“ verdächtig machen will.
Ein Artikel von Gordon Kampe

Windige These: Da Stockhausen in seinem synkretistisch-rheinischen pseudo-Katholizismus nicht nachwirkte, übernahm der südwestdeutsche Pietismus die teutonische Avantgarde. Seitdem wird gearbeitet: Am Material. Am Begriff. An schlechtsitzenden Sakkos. Es wird geschmollt, was das Zeug hält. Und nun imaginieren Sie mich, der eigentlich ein sanftes Lämmchen ist, brüllend: Ich habe die Faxen so dicke von der Nörgelei. Wenn ich den Inhalt ALLER meiner SCHLECHTEN Rezensionen zusammenzähle, kommt IMMER dabei heraus, dass es KEIN Stachel war, dass es nicht ins MARK erschütterte, dass man NICHT betroffen sei. KAUFT EUCH DOCH NE PEITSCHE! Nicht: doofes Stück, miese Melodien, fatale Form, ballaballa instrumentiert, fade Harmonien. HILFE, Kinners: Freude IST eine existenzielle Sache. Nicht dösiger Spaß oder überheblich-lustiger Zynismus – FREUDE! WARUM sonst sollten wir denn diesen Planeten retten? So. Sorry. Das musste raus. Frohe Weihnachten.

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