Lauter, Frauen 

Barbara Haack fordert: „Arsch Huh!“


(nmz) -
In Köln gibt es seit vielen Jahren eine Initiative namens „Arsch Huh!“ Für die Nicht-Rheinländer unter unseren Lesern: „Huh“ heißt, ins Hochdeutsche übersetzt, „hoch“. Diese wichtige Initiative kämpft mittels Kunst und Kultur gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Aber natürlich lässt sich dieser Motivations-Ruf auch auf andere Bereiche übertragen. Zum Beispiel auf die Frauen. Auch, wenn manch einer es nicht mehr hören mag! Schließlich haben wir erst kürzlich in der nmz die Quotendiskussion geführt, der Deutsche Kulturrat hat mit seiner Studie „Frauen in Kunst und Kultur“ die Debatte erst richtig angestoßen, der Deutsche Musikrat soeben in seinem „Musikforum“ den Schwerpunkt auf das Thema Geschlechtergerechtigkeit gelegt. Aber bekanntermaßen muss so ein „ceterum censeo“ eben auch mal nerven (dürfen).
Ein Artikel von Barbara Haack

Eben jener Deutsche Musikrat wählt am 21. Oktober sein Präsidium neu. Neunzehn Posten sind zu vergeben; in den vergangenen vier Jahren waren zwei davon mit Frauen besetzt. Diese kandidieren erfreulicherweise erneut; dazu hat sich bisher eine dritte Kandidatin gesellt. Der Musikrat hat übrigens kürzlich den Beschluss gefasst, in allen seinen Gremien mindestens 30 Prozent der Positionen mit Frauen zu besetzen. Bliebe es bei drei Kandidatinnen und agierte der Rat konsequent, müsste das kommende Präsidium auf zehn Köpfe abgespeckt würde. Mag diese Vorstellung auch einigen Charme haben, so wäre damit doch für die Frauen nichts gewonnen. Also lohnt es sich, den vielen tollen, klugen und starken Frauen, die es ohne Zweifel in unserem Musik-(Verbands)leben gibt, den oben erwähnten Motivationsruf ans Herz zu legen.

Bleibt die Frage, warum in dieser Sache bisher so wenig passiert. Trauen sich die Frauen nicht? Haben sie schlicht keine Lust, viele Tage im Jahr in weiteren Gremiensitzungen zu verbringen und mit vielen wichtigen Menschen unendliche Mengen an TOPs abzuarbeiten? Von denen vielleicht auch nicht alle so bedeutsam sind, dass man seine Zeit dafür investieren möchte? Oder liegt es doch auch daran, dass ihre männlichen Verbandskollegen zwar „im Prinzip“ für paritätische Besetzung des hohen Rats sind, aber im jeweils individuellen Falle doch den eigenen Präsidenten oder Vorsitzenden nominieren – der in der Regel eben ein Mann ist? Lars Reichow hat es im „Musikforum“ so beschrieben: „Nur wenn es in der Kultur um einen Posten geht, dann … ja dann sind die Männer plötzlich hellwach. Wenn es um eine Präsidentschaft geht, um den Vorsitz, die Honneurs, ja dann werden unsere Schnarchbären richtig aktiv.“ Wenn dies auch für so wichtige (aber eben auch „honneurige“) Ämter wie das Musikratspräsidium gilt, ist es höchste Zeit, daran etwas zu ändern. Im Satyr Verlag ist soeben ein Band mit Poetry-Slam-Texten von Frauen erschienen. Der Titel: „Lautstärke ist weiblich.“ Laut sein gehört wohl nicht zu den herausragendsten, nicht mal zu den wünschenswertesten Eigenschaften, mit denen Frauen im wahrsten Sinne „Position beziehen“ sollten. Wenn die Frauen aber an der Geschlechterungerechtigkeit im Verbandswesen etwas ändern wollen, dürfen sie sich ruhig Gehör verschaffen und sich nach vorne drängeln. Die gute Nachricht zum Schluss: Es ist noch nicht zu spät. Kandidaturen sind noch bis zur Versammlung zugelassen.

Dossier: 
Frauen in der Musik

Chancengerechtigkeit?

Natürlich habe ich nichts gegen 30 Prozent, auch nicht gegen 50 oder 70 Prozent Frauen in Gremien. Aber in diesem Fall bedeutet der Beschluss, dass die weiblichen Bewerberinnen ihre Position von vornherein sicher haben – auch dann, wenn sich noch weitere vier Frauen bewerben sollten; männliche Bewerber dagegen müssen eine besondere Befähigung nachweisen. Sieht so die vielbeschworene „Chancengerechtigkeit“ aus?


Ein Schein-Problem

Das ist in der Tat ein Problem. Es wirkt gleich nicht mehr ganz so groß, wenn man bedenkt, dass auch bei den männlichen Bewerbern, die Chance einen Platz im Päsidium zu bekommen höher ist, als die keinen zu bekommen. In meiner Liste vom 1. September stehen 14 Kandidaten und 2 Kandidatinnen. Aktuelle Größe ist 14. Das hieße 14 bewerben sich um 12 Plätze. Ich weiß nicht, ob dann auch noch die Vize-Präsidentinnen extra gezählt werden. Das wäre noch einmal plus drei. So dass bei dem Stand von September sogar eine Person fehlen würde.

Insofern hat niemand eine besondere Befähigung vorzuweisen.

Mathematisch, wahltechnisch wäre die Sache also nur zu lösen, wenn man zuvor erst mal wählen lässt - denn es könnte ja sein, dass trotz Quote die Frauen auch ohne gesetzt zu sein gewählt würden.

MH


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