Märchenbilder und andere Bearbeitungen

Neue Flötentöne, vorgestellt von Gabriele Sebald


(nmz) -
César Franck: Sonate arrangée pour piano et flûte. Bärenreiter +++ Carl Philipp Emanuel Bach: Flötenkonzert d-Moll (Klavierauszug), Urtext. G. Henle Verlag +++ Gabriel Fauré: Fantaisie Opus 79 und Morceau de lecture für Flöte und Klavier, Urtext. G. Henle Verlag +++ Leos Janácek: Marsch der Blaukehlchen für Piccoloflöte und Klavier, Urtext. G. Henle Verlag Baroque Flute Anthology 2, 25 Werke für Querflöte mit Klavierbegleitung, hg. von Annabel Knight. Schott +++ Gustav Mahler: Wer hat dies Liedel er-dacht? Fünf ausgewählte Lieder für Flöte und Klavier. Universal Edition +++ Charles-Marie Widor: Suite florentine (1919). Universal Edition +++ Robert Schumann: Märchenbilder op. 113. Vier Stücke für Klavier und Flöte. Universal Edition
Ein Artikel von Gabriele Sebald

César Franck: Sonate arrangée pour piano et flûte. Bärenreiter BA 8734, ISMN 979-0-006-55917-6

Seit Langem erfreut sich die große romantische Sonate von César Franck nicht nur im Original für Violine und Klavier, sondern auch in der vorliegenden Version bei Flötisten und Pianisten großer Beliebtheit und ist fester Bestandteil des Repertoires geworden. Der Verlag Bärenreiter hat eine hervorragende Neuausgabe erstellt. Douglas Woodfull-Harris zeichnet verantwortlich als Herausgeber und Bearbeiter. Gudula Schütz steuerte eine fundierte und ausführliche Einführung zu Franck und zur Entstehungsgeschichte seiner Sonate bei.
 
Carl Philipp Emanuel Bach: Flötenkonzert d-Moll (Klavierauszug), Urtext. G. Henle Verlag 1207, ISMN 979-0-2018-1207-6

C.Ph.E. Bach, der älteste Sohn von Johann Sebastian Bach, war lange Zeit Hofmusiker am Hofe von Friedrich dem Großen in Potsdam. In diese Zeit fallen sechs Solokonzerte für die Flöte, darunter ist das in d-Moll sicher das bekannteste. Entstanden ist es in Berlin um 1747. In der neuen Urtextausgabe ist die Flötenstimme ergänzt durch die Tuttipassagen in kleineren Stichnoten, um das Zusammenspiel vor allen Dingen nach längeren Pausen zu erleichtern. Anmerkungen zu Revisionen sind in der Flöten- und Klavierstimme als Fußnoten notiert. Eine kurze Kadenz, um die Fermate zum Schluss des langsamen Satzes zu füllen, wird vom Herausgeber vorgeschlagen. Am Ende des Heftes ist noch ein großer Revisionsbericht. Zusammen mit dem (dreisprachigen) Vorwort ist es eine fundierte Ausgabe zum Urtext.
 
Gabriel Fauré: Fantaisie Opus 79 und Morceau de lecture für Flöte und Klavier, Urtext. G. Henle Verlag 580, ISMN 979-0-2018-0580-1

Paul Taffanel bestellte 1898 bei Gabriel Fauré ein „Morceau de Concours“ für die Jahresprüfungen am Conservatoire de Paris. Es sollte nicht zu lang sein und alle Aspekte des schönen Flötenspiels berücksichtigen. Die Fantai-sie wurde daraufhin ein Bravourstück für alle Flötenspieler und ist nicht mehr aus dem Repertoire wegzudenken. Währenddessen verschwand das „Morceau de lecture“ (Stück zum Blattlesen), das ebenfalls bei demselben Concours den Studenten vorgelegt wurde. In dieser Neuausgabe sind beide Werke wieder vereint. Gegenüber der bisherigen Ausgabe von Hamelle ist der Neudruck gleichmäßiger und kompakter; insbesondere für die Klavierstimme entfallen etliche Blätterstellen. Erleichternd für das Zusammenspiel sind auch die Taktzahlen. Ein Vorwort zur Entstehung der Komposition und ein Revisionsbericht am Ende runden die Ausgabe ab.
 
Leos Janácek: Marsch der Blaukehlchen für Piccoloflöte und Klavier, Urtext. G. Henle Verlag HN 1143 und UE 37003, ISMN 979-0-2018-1143-7

Diese musikalische Miniatur widmete Janácek seinem Kopisten Sedlácek, der auch Flötist war. Mit „Blaukehlchen“ wurden die Schüler des Stifts Altbrünn wegen ihrer blauen Uniformen bezeichnet. Das Piccolo sollte vom Klavier so begleitet werden, dass die Musik annähernd einem lärmenden militärischen Marsch gleicht „mit Glockenspiel und Trommel“, so wie es Janácek aus Schülerzeiten im Ohr verblieben war. Schon kurz nach der Entstehung der Gelegenheitsarbeit fügte der Komponist das thematische Material in den 3. Satz seines Bläsersextetts „Mladi“ ein. Der Marsch bildet eine Bereicherung des Piccolorepertoires, kurz, prägnant und typisch Janácek. Mit einem Vorwort zum Werk und einem angehängten Revisionsbericht zum Urtext eine gewohnt gute Ausgabe durch den Henle Verlag, hier in Kooperation mit der Universal Edition.

Baroque Flute Anthology 2, 25 Werke für Querflöte mit Klavierbegleitung, hg. von Annabel Knight. Schott ED 13612, ISBN 978-1-84761-346-1

Der Herausgeberin ist es ein Anliegen, Flötenspieler mit dieser kleinen Auswahl an Sätzen aus Sonaten, Opernmelodien (z.B. Händel) und Tänzen exemplarisch in die musikalische Welt des Barock einzuführen. Sie wählte Kompositionen aus England, Deutschland, Italien und Frankreich. Bis auf die (Solo-)Nummern 24 und 25 sind alle Werke mit ausgesetztem Continuo versehen. Leider ist keine Bassstimme beigelegt, was die sonst hervorragende Ausgabe ein wenig schmälert. Die Erläuterungen über die zeitgenössischen Spielweisen im Vorwort sind wertvolle Interpretationshilfen, wenn man nicht täglich mit der besonderen Stilistik zu tun hat. Der Anhang bietet zudem Anmerkungen zu den vertretenen Komponisten, Werken und ein kleines Glossar zu Tänzen und Terminologien. Da die Texte weitgehend auf Englisch, Französisch und Deutsch geschrieben sind, wird diese Sammlung sicherlich einen größeren Kreis an Liebhabern ansprechen. Eine Interpretationshilfe ist möglicherweise zudem die beigefügte CD, auf der alle Werke eingespielt sind (kein Play-along).

In der Reihe „Flute Collection“ stellen Emmanuel Pahud und Kollegen bei der Universal Edition neue Bearbeitungen für die Flöte vor:

Gustav Mahler: Wer hat dies Liedel erdacht? Fünf ausgewählte Lieder für Flöte und Klavier. Universal Edition UE 36 430

Die fünf Liedbearbeitungen enthalten drei Vertonungen aus „Des Knaben Wunderhorn“ und je eine aus „Das Lied von der Erde“ und aus „Kindertotenlieder“. Die Bearbeitungen erfolgten durch Ronald Kornfeil und sind so eng  wie möglich am originalen Text entlang gehalten. Lieder bieten sich per se für die Flöte an. Wer als Flötist a) schon alles gespielt hat, b) deshalb auf der Suche nach neuer Literatur ist und c) speziell Musik der Spätromantik sucht, wird sicher glücklich mit diesen (erprobten) Bearbeitungen werden. Ich würde mir als Ergänzung den Abdruck der Liedtexte wünschen, um die Seele der Vertonungen besser finden und nachvollziehen zu können.

Charles-Marie Widor: Suite florentine (1919). Universal Edition UE 36760

Diese Suite, zusammengestellt aus der Bühnenmusik zu „La Sulamite“ (1903),  ist ursprünglich ein Werk für Violine und Klavier. Die vier Sätze sind überschrieben: Cantilena, Alle Cascine, Morbidezza, Tragica. Es gibt leider keine überlieferte Bearbeitung für Flöte, obwohl verschiedene Kataloge auch diese Besetzung (Flöte und Klavier) ausweisen. Rien de Reede hat sich der Aufgabe angenommen, eine Flötenstimme im Einklang mit dem Klavierpart zu erstellen. Dem Interpreten stellen sich durchaus technische Schwierigkeiten, wenn die Melodien sich bis hoch in die dritte Oktave begeben, sowohl im kraftvollen Forte als auch im Piano. Aber auch für Finger und Zunge gibt es Herausforderungen, besonders in den Passagen, die offensichtlich mehr der Violine liegen. Auch der  Klavierpart ist anspruchsvoll. Der Druck ist großzügig und gut zu entziffern. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses Werk die Herzen der Flötisten erobert.

Robert Schumann: Märchenbilder op. 113. Vier Stücke für Klavier und Flöte. Universal Edition UE 36 380

In der vorliegenden Ausgabe hat der Münchener Flötist Henrik Wiese die Bearbeitung von Schumanns „Märchenbildern“ vorgenommen. Vorauszuschicken ist: Die Pianisten müssen nicht neu lernen, alle vier Stücke sind in der originalen Tonart der Fassung mit Viola verblieben. Die Bearbeitung für Flöte orientiert sich einerseits an der Violafassung, andererseits an einer Bearbeitung für Violine, wie im Vorwort erläutert. Auch in dieser Version für Flöte stellt sich durchaus das Problem, dass das, was für Streicher technisch weniger schwierig erscheint, für den Flötisten durchaus eine Herausforderung für Finger, Zunge und Klang werden kann. Wer dies meistert und dazu einen Klang erzielt, der annähernd so weich und warm ist wie der einer Viola, wird das Publikum vielleicht von der Alternative zum Original überzeugen.

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