Max und Moritz und die Katzenjammer-Kids

Zum 100. Todesjahr Wilhelm Buschs gibt es zwei Ausstellungen in Erlangen


(nmz) -

Zum 100. Todesjahr und als Beigabe zum 13. Internationalen Comic-Salon Erlangen erinnert das Stadtmuseum Erlangen zeitgleich in zwei Ausstellung­en, die noch bis 03.08.08 dauern, an das Multitalent Wilhelm Busch – also an den Bild-Erzähler, Dichter, Zeichner und Maler.
Ich wurde geboren 1832 in Wiedensahl. Im Herbst 1847 kam ich auf die Polytechnische in Hannover. Zu Anfang der fünfziger Jahre war ich im Antikensaal in Düßeldorf und in der Antwerpener Malschule. Darauf ging ich nach München, arbeitete für die Fliegenden [Blätter], zeichnete meine Bilderbogen und machte mit Max u. Moritz den Anfang der längeren Bildergeschichten. Daß sie zunächst gezeichnet und dann erst geschrieben wurden, also die Anschaulichkeit, mag wohl eine von den Ursachen ihrer weiten Verbreitung sein. Im Verhältniß zu ihnen haben [die Lyrik- und Prosabände] Kritik des Herzens, Eduards Traum und der Schmetterling nur bei Wenigen Beifall gefunden. So gut wie all meine Sachen sind in der Stille von Wiedensahl entstanden. Seit drei Jahren [1898] wohn ich in Mechtshausen am Harz.“ Hier starb Busch im Alter von 75 Jahren. Buschs Karriere als humoristischer Zeichner begann in München im Herbst 1858. Nach drei vergeblichen Anläufen, akademischer Maler zu werden, lieferte er als Mitarbeiter der „Fliegenden Blätter“ und „Münchener Bilderbogen“ des Verlegers Kaspar Braun die erwarteten illustrierten Witze, gezeichneten Wortspiele, Scherzgedichte und Moritaten-Parodien. Bald aber gestaltete er mit bemerkenswert zeichnerischer Raffinesse und treffenden Reimen die zeittypische harmlose Komik zur neuartigen Bild-Erzählung um. Immer mehr von Buschs unsterblichen Figuren tauchten in Druckwerken auf: in ebenso anarchisch anmutenden wie auf gerechten Ausgleich hinwirkenden Handlungskontexten. Berühmt wurde er mit „Max und Moritz“, „Der hl. Antonius“ und „Die Fromme Helene“. Nun, bei gesicherter Existenz, publizierte er statt „Kurzgeschichten“ Bilderromane und Episodenreigen mit einem feinen Zusammenspiel von Zeichnung und Dichtung. Um 1875 befand er sich auf dem Höhepunkt dieser Kunst und hatte genug Geld, nur das zu machen, was ihm gefiel. Das Finale dieser 25 Jahre gab er mit dem verhinderten Dichter „Balduin Bählamm“ und dem gescheiterten „Maler Klecksel“. Der Ruf des legendären Humoristen behagte Busch nicht, da er spürte, wie wenig sein Publikum vom Kern und der Ironie seiner „Konturwesen“ verstand. Verbarg er auch deshalb sein unabhängiges, malerisches und zeichnerisches Werk, das ihn 40 Jahre lang beschäftigte?


Im Zentrum der Präsentation des Stadtmuseums steht das Bildergeschichten-Œuvre, das Busch schon zu Lebzeiten den Ruf eines unvergleichlichen Humoristen einbrachte. Buschs graphische und poetische Originalität erhob die unterhaltsamen Illustrationsformen seiner Zeit erst zu einer Kunstform, weshalb er zurecht als Ideengeber und Vorläufer der modernen Comic-Kunst gilt. Zu sehen sind ein Querschnitt seiner frühen Beiträge, seiner großen Erfolge und seines Spätwerkes. Untersucht werden seine Bildersprache, die Bild-Text-Interaktionen, die groteske Komik sowie die „Moral“ in seinen „Welt- und Menschheitssatiren“. Das Augenmerk richtet sich zudem auf die Persönlichkeit hinter den Geschichten, auf Buschs Leben und seine Zeit. Präsentiert werden auch einige Beispiele für das stupende Nebeneinander seiner ebenbürtigen Talente. Anhand seltener Exponate aus der Frühgeschichte der amerikanischen Zeitungs-Comics zeigt die Ausstellung, welch großen Einfluss Buschs Bildergeschichten auf die Etablierung dieses neuen Mediums um 1900 in den USA hatte – beispielsweise beim großen Comic-Klassiker „The Katzenjammer-Kids“ von Rudolph Dirks.

In der Wanderausstellung „Hommage“ aus Hannover zeigen neun deutsche Comic-Künstlerinnen und -Künstler, was sie persönlich mit Wilhelm Busch verbindet. Sie eignen sich seine bekanntesten Charaktere an und gestalten mit diesen – in ihrem ganz eigenen Stil – neue Comics. Zu sehen sind zum Beispiel „Max und Moritz“ aus der Feder von Ralf König oder „Hans Huckebein“ von Ulf K.

Beide Künstler gehören – wie auch die meisten anderen beteiligten Zeichner – zu den Gewinnern des renommierten „Max und Moritz“-Preises des Internationalen Comic-Salons Erlangen. Präsentiert werden außerdem Comics von Martin tom Dieck, Volker Reiche, Laska, Ulf S. Graupner und Flix. Den Bogen zur jungen Generation schlagen die Manga-Künstlerinnen Anike Hage und DuO.

Im Begleitprogramm finden sich folgende Veranstaltungen: „Dass Irren Sünde, Heimweh dein Gewissen. Der andere Wilhelm Busch“, Vortrag von Prof. Dr. Gert Ueding, Universität Tübingen (Donnerstag, 26. Juni, 19.30 Uhr); „Durch die Altstadt zur Kunst“ (Sonntag, 29. Juni, 11 Uhr Führung); „Finissage zum Altstadtfest“, Mitmachaktionen für Jung und Alt, Ausstellungsführungen, Finale mit „Busch aff fränggisch“ von Günther Stössel, musikalisch umrahmt von „Wulli“ (Sonntag, 3. August 2008, 11 - 17 Uhr). Zudem wird die Ausstellung museumspädagogisch begleitet (empfohlen für die Fächer Deutsch und Kunst, Führungen nach Absprache, Tel. 09131/862 408). Weitere Infos: Stadtmuseum Erlangen, Martin-Luther-Platz 9, 91054 Erlangen, Tel. 09131/862 408 bzw. www.erlangen.de/stadtmuseum

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