Midem feiert 100 Jahre GEMA

Auftaktveranstaltung auf der größten Fachmesse der Musikwirtschaft


(nmz) -

Die Ehrungen, Gastgeschenke und Aufmerksamkeiten, welche GEMA-Präsident Reinhold Kreile in seiner bisherigen Amtszeit zuteil geworden sind, dürften kaum mehr zählbar sein. Dieses Jahr, in dem die größte Verwertungsgesellschaft der Welt den hundertsten Geburtstag ihrer Gründung feiert, dürfte noch einmal ein ganzer Schwung hinzukommen.

Ein Artikel von Felix Maria Roehl

In Cannes war es eine goldene Palme, die Bürgermeister Bernard Brochand in der ehrwürdigen Villa Domergue überreichte, bevor er den Ort des Geschehens gleich wieder verließ, um als Mitglied der Nationalversammlung Frankreichs, das er auch ist, zum deutsch-französischen Parlamentariertreffen nach Versailles zu eilen.

Zum Empfang und vornehmen Lunch gebeten hatten das Stadtoberhaupt und die Veranstalter der alljährlichen internationalen Musikmesse „Midem“ rund siebzig hochrangige Vertreter der deutschen Musikwirtschaft, um der GEMA Respekt zu zollen: Respekt vor der Vorbildfunktion, die diese Organisation für die effiziente und wirksame Wahrnehmung, Kontrolle und Durchsetzung von Urheberrechten in aller Welt genießt. Dass das gleich zum Auftakt des Geburtstagsjahres am Rande der weltweit größten internationalen Fachmesse für die Musikwirtschaft geschah, kommt nicht von ungefähr. Wenn schon der Prophet im eigenen Lande – zumindest in Teilen der veröffentlichten Meinung – nichts gilt oder allenfalls wohlgelitten wird, im Ausland werden die Deutschen um ihre Musikverwertungsgesellschaft beneidet. Selbst im größten Musikmarkt der Welt, den USA, ist es im Alltag mit dem Schutz geistigen Eigentums nicht weit her. Superstar Robbie Williams entrüstete in Cannes mit der Bemerkung, er fände das illegale Runterladen von Musik aus dem Internet „cool“, um dann noch hinzuzufügen, sein neuestes Album habe sich bis Weihnachten „ganz gut“ verkauft, alle anderen Fans könnten es sich gerne „gratis holen“.

Der Musikpiraterie den Kampf angesagt haben jedoch weite Teile der Plattenindustrie, als deren wichtigstes öffentliches Forum die Midem nach wie vor gilt. Vor allem die weltweit operierenden Großkonzerne leiden unter dem auch auf das Downloaden und Brennen zurückzuführenden Rückgang der CD-Verkäufe: Zum dritten Mal in Folge brachen beispielsweise in Deutschland im vergangenen Jahr die Absatzzahlen um rund zehn Prozent ein. Beileibe nicht kostenlos, aber erheblich billiger wollen es daher manche Plattenfirmen und Händler machen. 9,99 Euro sei ein Preis, bei dem die Massen wieder zugreifen würden, glaubt Michael Huchthausen, Vorsitzender der Vereinigung deutscher CD-Fachgeschäfte. „Das würde gar nichts ändern“, meint dagegen Gerd Gebhardt in seiner Eigenschaft als Präsident des Deutschen Phonoverbandes, zur Zeit herrsche eine „Kostenlosmentalität“.

Mehr Kreativität, mehr Mut durch staatlich verordnete Quoten garantiert mehr neue und mehr nationale Produktionen im Rundfunk, niedrigere Mehrwertsteuersätze, ein Musikexportbüro – die bekannten Vorschläge, wie man der siechen Plattenindustrie wieder auf die Beine helfen könnte, wurden in Cannes erneut diskutiert. Ob sie helfen werden oder ob das Ende des Mediums CD nicht doch unaufhaltsam ist, musste offen bleiben. Die GEMA jedenfalls spürt die Rückgänge im Plattengeschäft, doch ihre Erträge bleiben durch Zuwächse in anderen Musikverwertungsbereichen einigermaßen stabil: Noch ein Indiz, dass die Krise der Plattenindustrie keine Krise des Musikkonsums ist.

„Es war noch nie soviel Musik wie heute“, trotzte Musikverlagschef Hartwig Masuch (BMG Ufa Musikverlage) der bitteren Prognose, dass wohl auch dieses Jahr weitere 1.500 Arbeitsplätze in der CD-Branche verloren gehen, viele Verkaufsstellen schließen müssen und das Angebot samt Kundenservice weiter schrumpft. „Die Krankheit als Chance begreifen“, stemmte sich auch Peter James vom Verband unabhängiger Tonträgerhersteller gegen den Trend.

Aber vielleicht wollen die Menschen ja auch wieder mehr Live-Musikerlebnisse? Auch davon gab es auf der diesjährigen Midem einige – und alle gut besucht.

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