Musik baut Brücken

Interkulturelle, inklusive und generationenübergreifende Angebote in Ochsenhausen


(nmz) -
Musik baut Brücken – ein großes Motto an der Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg Ochsenhausen! Neben musikalischer Begabtenförderung wie internationalen Wettbewerben und Meisterkursen ist es auf der anderen Seite Intention und Bestreben der Landesakademie Ochsenhausen, am Puls der Zeit gesellschaftlichen Entwicklungen mit ihren Angeboten Rechnung zu tragen. Zu den vordringlichen Themen des Akademiekonzepts gehören Inklusion, Integration und Sprachförderung mit und durch Musik, sowie generationenübergreifendes Musizieren. Die Musik ist ein universeller Schatz! Sie bringt durch ihr Wesen, das Innerste des Menschen zu berühren sowie ihren universellen Ausdrucksmitteln Rhythmus und Klang unterschiedlichste Menschen zusammen – ungeachtet aller sprachlichen, kulturellen und kommunikativen Grenzen oder Hemmnisse!
Ein Artikel von Cornelia Welzel

Beispiel für eine außergewöhnliche, langjährige Kooperation ist die Zusammenarbeit mit dem fiB e.V. Biberach, einem Verein, dessen Grundanliegen es ist, speziell in der Region Oberschwaben betroffene Familien durch ihre integrative Behindertenarbeit zu unterstützen. Auf das alljährlich in der Landesakademie Ochsenhausen stattfindende Pop- und Rock-Wochenende freuen sich junge Musikbegeisterte mit und ohne Behinderung schon lange im Voraus! Jeder kann sich gemäß seiner Fähigkeiten und Talente einbringen und erfahrene, kreative Band-Musiker der Region animieren zum gemeinsamen Musizieren aktueller Pop-Hits. Über dieses aktive Mitwirken als Teil dieser gemeinsamen musikalischen Performances wird wertvolle Inklusionsarbeit geleistet.

Ein anderes Beispiel ist das generationsübergreifende, integrative und sprachförderliche Angebot des „Internationalen Chors der Landesakademie Ochsenhausen“, der als offener Chor von Akademiedozent Klaus Brecht vor genau einem Jahr aus der Taufe gehoben wurde. Um die 40 Teilnehmer/innen zwischen 2 und 72 Jahren treffen sich jeden Dienstag für eine Stunde zur Chorprobe. Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan, andere ausländische und deutsche Interessierte, ganze Familien, pensionierte Lehrer/-innen, die weiterhin Sprachunterricht erteilen – alle proben gemeinsam deutsche und ausländische Volkslieder, deutsche traditionelle Chormusik, ein- bis vierstimmig.

Die Freude am Singen und am Austausch steht im Vordergrund und verbindet die Teilnehmer, die aus 20 km Umkreis regelmäßig zur Chorprobe kommen. So verzahnt sich die Landesakademie Ochsenhausen im gesamten Landkreis.

Im Tageskurs „Integration durch Rhythmus, Musik und Bewegung“ liegt der Fokus auf Repertoire für Vorbereitungsklassen für Flüchtlinge. Dazu nutzt Akademiedozentin Barbara Comes die Gemeinsamkeit von Sprache und Musik, um in kurzen Liedern mit wenig Text, Reimen mit klarer Struktur und rhythmisierten Sprachspielen eine Brücke zur deutschen Sprache zu bauen.
Beispiel für die interkulturelle Arbeit der Landesakademie Ochsenhausen ist der Kurs „Musik baut Brücken – Kommunikation und Sprachförderung mit Musik und Bewegung im interkulturellen Kontext“. Hier ist das Ziel, vor allem Bewusstheit für die eigene Kultur zu schaffen, um sich dann auf offenen Austausch und Reflexion von Ungewohntem einzulassen. Diplom-Psychologin Gesine Mahnke, Trainerin für Interkulturelle Kompetenz, vermittelt wesentliche Grundlagen, um die Wahrnehmung der eigenen Kommunikation der Teilnehmer/-innen zu schärfen.

Zusammen mit Studentinnen der Elementaren Musikpädagogik aus anderen Kulturkreisen stellt Akademiedozentin Cornelia Welzel deutsche und internationale Spiellieder, Tänze, Reime und Klatschspiele vor, die sich für die musikalische Sprachförderung eignen. Eine Praxisstunde mit Kindergartenkindern aus unterschiedlichen Herkunftsländern rundet das Angebot ab.

Der über Jahrzehnte laufende Wochenend-Kurs zum 1. Advent „Seht, die erste Kerze brennt!“ verbindet Kinder, Eltern, Großeltern, Freunde und Nachbarn, die Freude am gemeinsamen Musizieren haben. Barbara Comes lädt ein, bekannte und unbekannte, deutsche und internationale, traditionelle und moderne Weihnachtslieder zu singen und zu spielen.

Und neuestes Beispiel generationenübergreifender Arbeit an der Landes­akademie ist das in der Vorosterwoche 2018 zum ersten Mal stattfindende viertägige Familienangebot für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren und deren Begleitpersonen: Unter dem Motto „Vom Bilderbuch zur Aufführung – wir gestalten selbst“ erwecken Cornelia Welzel und Barbara Draeger zusammen mit den Teilnehmer/-innen eine Geschichte musikalisch und theatralisch zum Leben. Mit Bewegungs-, Sprech- und Stimmspielen, Klangbildern, Liedern und Tänzen wird das eigene Musiktheater entwickelt. Jung und alt – alle bringen gemeinsam ihre Ideen ein und verwirklichen ihre ganz eigene Aufführung – Höhepunkt und Abschluss dieser Familienwoche!  
  

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