Musikratschläge


(nmz) -
Die Krise des Deutschen Musikrates wird sicher noch längere Zeit die Diskussionen unter allen unmittelbar Beteiligten, aber auch in der interessierten Öffentlichkeit beherrschen. Das Wichtigste, das es im Vorfeld zu regeln gilt, wäre dafür zu sorgen, dass aus der musikalischen „Irak“-Krise kein Krieg mit zerstörerischen Folgen entsteht, sondern eine sinnvolle Neuordnung der Musikratsarbeit. Dazu dienen präzise Analysen der Situation, genaue Überlegungen, wie solche negativen Entwicklungen verhindert werden können, schließlich die Gestaltung der Zukunft, wofür Ideen und Vorschläge möglichst umfassend zu sammeln wären, damit aus ihnen die neue Struktur „geschmiedet“ werden kann. Diesen notwendigen Prozess möchte auch die neue musikzeitung begleiten, indem sie sich als Print-Forum für das „Gespräch“ zur Verfügung stellt. Der Forums-Gedanke gehört gleichsam zum Grundinventar der nmz seit ihrer Gründung.
Ein Artikel von Gerhard Rohde

So kommen auch in dieser Ausgabe maßgebliche Persönlichkeiten und Funktionsträger des deutschen Musiklebens ausführlich zum Thema „Musikrat“ zu Wort: auf den Seiten 7 bis 12 und auf der Jeunesses-Musicales-Seite 26. Wobei hier schon gesagt sei, dass die Erneuerung des Musikrates zugleich den Verzicht auf die weitere Mitwirkung des bisherigen geschäftsführenden Präsidiums (Ulrike Liedtke, Eckart Lange, Franz Müller-Heuser) bedingt: Es trägt für das entstandene Desaster auf jeden Fall die „politische Verantwortung“ – mit den entsprechenden Konsequenzen.

Die Beiträge sollen vor allem dazu dienen, im Vorfeld der Generalversammlung des Musikrates Ende Februar 2003 die zu behandelnden Themen zu ordnen, neue konstruktive Ideen einzubringen, vor allem aber die politischen Perspektiven der künftigen Musikratsarbeit nachdrücklich herauszuarbeiten, die Verfassung so zu formulieren und fixieren, dass diese (kultur-)politische Leitfunktion des Deutschen Musikrates eigenständig, ohne Einmischung oder direkte Beteiligung seitens der politischen Institutionen wahrgenommen werden kann. Alles weitere wäre nachgeordnet und sollte mit Ruhe und Vernunft in eine effektive neue Ordnung mit entsprechenden Zuständigkeiten überführt werden.

Dem bestellten Insolvenzverwalter Ludger Westrick wäre ebenfalls etwas von solch ruhiger Vernunft zu wünschen und die Kraft zur Selbstüberwindung, einige seiner hektischen ersten Entscheidungen zu korrigieren, wozu vor allem die abrupte Trennung vom Generalsekretär Thomas Rietschel zählt. Westrick sollte auch einsehen, dass sein erster Entwurf für eine neue Musikratssatzung nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, weil sein Konzept den Musikrat eben genau dieser zentralen politischen Wirkungsmacht berauben würde, die seiner Existenz überhaupt erst die übergreifende Legitimation garantiert.

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