Nachrichten 2022/06

Peter Ronnefeld | Ruhrtriennale 2022 | crescendo-Musikfestival | Donaueschinger Musiktage


(nmz) -
Gedenkkonzert in Erinnerung an den Dirigenten, Komponisten und Pianisten Peter Ronnefeld +++ Ruhrtriennale 2022 lädt zu Entdeckungen ein, Kartenvorverkauf hat begonnen +++ Das crescendo-Musikfestival der Universität der Künste Berlin läuft noch bis 16. Juni +++ Das neue Online-Archiv der Donaueschinger Musiktage ist jetzt zugänglich +++ 20 Jahre Internationale Musiktage Brache
Ein Artikel von nmz-red

Porträt eines Mehrfachbegabten – Gedenkkonzert in Erinnerung an den Dirigenten, Komponisten und Pianisten Peter Ronnefeld

Mit einem moderierten Konzert hat das Kammerorchester der Universität Regensburg unter der Leitung von Arn Goerke des früh verstorbenen Dirigenten, Komponisten und Pianisten Peter Ronnefeld (1935–1965) gedacht. Neben seiner beachtlichen, Hörerfahrungen mit Strawinsky, Hindemith und Bartók reflektierenden„Sinfonie 52“, die Ronnefeld im Alter von nur 17 Jahren schrieb, erklangen, gespielt von Lukas Klotz, auch erstmals zwei kleine, unveröffentlichte Klavierstücke. In seiner Moderation erinnerte Michael Braun vom Musikwissenschaftlichen Institut der Uni Regensburg an die ebenso steile wie durch seinen frühen Tod jäh beendete Karriere Peter Ronnefelds. Nach Studien, unter anderem bei Boris Blacher, und der Entdeckung durch Herbert von Karajan, der ihn als Assistenten nach Wien holte, wurde er 1963 als damals jüngster deutscher Generalmusikdirektor ans Opernhaus Kiel berufen. 


Blickwechsel, Wandel und Übergang – Ruhrtriennale 2022 lädt zu Entdeckungen ein, Kartenvorverkauf hat begonnen

Vom 11. August bis 18. September 2022 lädt die Ruhrtriennale zu künstlerischen Entdeckungen in einer Vielzahl von ehemaligen Industriehallen der Städte Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck ein. Internationale Positionen im Musiktheater, Schauspiel, Tanz, Performance, Konzert, Installation, Literatur und Dialog verhandeln gegenwärtige Themen, suchen nach der Kraft des Blickwechsels, von Wandel, Übergang, Transzendenz und Entgrenzung. Das jährliche Festival der Metropole Ruhr ist die zweite Ausgabe unter der auf drei Jahre angelegten Intendanz der Schweizer Theaterregisseurin Barbara Frey.

Die eröffnende Musiktheaterkreation „Ich geh unter lauter Schatten“, in der Regie von Elisabeth Stöppler und verortet in der Jahrhunderthalle Bochum, fragt nach dem, was das

Leben mehr bestimmt als seine Endlichkeit. Der Komponist Gérard Grisey schickt mit seinen „Vier Gesängen, die Schwelle zu übertreten“ nichts weniger als die Menschheit über die ominöse Schwelle, vier Darstellerinnen öffnen Türen zu verwandten Geistes- und Klangwelten. Utopische Neukonstruktionen sind auch für die zweite Musiktheater-Produktion zentral: der inszenierte Instrumentalzyklus „HAUS“ der Komponistin Sarah Nemtsov. Vielgestaltig ist das Konzertprogramm: Der in der Bochumer Jahrhunderthalle stattfindende sinfonische Abend „Vergessene Opfer“ lässt mit Werken von Galina Ustwolskaja, Franz Liszt, Olivier Messiaen und Luigi Nono Schmerz zu Klang werden, intoniert durch die Duisburger Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Elena Schwarz. Die Gladbecker Maschinenhalle Zweckel beheimatet mit „Schwerkraft und Gnade“ Kompositionen

von Lili Boulanger, Francis Poulenc und Igor Strawinsky, interpretiert von Chorwerk Ruhr und den Bochumer Symphonikern unter der musikalischen Leitung von Florian Hel­gath. Die archaische Wucht der Werke von Iannis Xenakis – 2022 jährt sich sein Geburtstag zum 100. Mal – wird in „Organicum“ erlebbar, neben naturinspirierten Werken jüngerer Komponist*innen eindrucksvoll durch das Klangforum Wien unter der musikalischen Leitung von Patrick Hahn interpretiert.

Anfang und Abschluss setzt die Musik: Die Ruhrtriennale eröffnet am 11. August mit den „Mysteriensonaten“ von Heinrich Ignaz Franz Biber zeitgleich an drei Spielorten und verbindet die Städte Duisburg, Bochum und Essen zu einem dezentralen Resonanzraum. Den Schlussakkord stimmt – nach einem die Nacht andauernden Rave – am Sonntagmorgen des 18. Septembers der Akkordeonist Thomas Hojsa in der Pappelwaldkantine an der Jahrhunderthalle Bochum an. Mehr unter www.ruhrtriennale.de


Live-Gefühle nach zwei Jahren Pandemie – Das crescendo-Musikfestival der Universität der Künste Berlin läuft noch bis 16. Juni

Der Klarinettist François Benda und das Ensemble Berlin Winds haben das crescendo-Musikfestival der UdK Berlin eröffnet (Foto: Stefan Stahnke). Es läuft noch bis 16. Juni unter dem Motto „aufgefühlt“ und feiert unter anderem das 200-jährige Bestehen des Instituts für Kirchenmusik, zelebriert mit der Schlagwerkklasse das Instrument des Jahres 2022 und unternimmt Ausflüge zur Alten Musik, in den Pop- und Jazzbereich und zur Neuen Musik. Das Symphonieorchester der UdK unter der Leitung von Steven Sloane beschließt das Festival mit Mahlers 3. Sinfonie im Großen Saal der Philharmonie am 19.6. Bis auf wenige Ausnahmen finden die Konzerte im Konzertsaal der Universität der Künste Berlin und zu freiem Eintritt statt. www.udk-berlin.de/crescendo


Eine Graph-Datenbank – dem menschlichen Denken nachempfunden – Das neue Online-Archiv der Donaueschinger Musiktage ist jetzt zugänglich

Wann war welche Komponistin, welcher Komponist mit welchem Stück und welchem Ensemble bei den Donaueschinger Musiktagen zu Gast? Und welche Künstler*innen traten 1980, 1963 oder 1925 bei den Musiktagen auf? Wer nach Antworten auf diese Fragen sucht, findet diese ab sofort auf der neu gestalteten Archiv-Seite der Donaueschinger Musiktage (siehe Link am Ende des Textes) – einem Ort zum Suchen, zum Recherchieren und zum Entdecken.

Über eine leicht verständliche Suchmaske und thematische Einstiegsoptionen können Nutzer*innen auf die vergangenen Festivaljahrgänge und ihre jeweiligen Akteure, Orte und Geschehnisse zugreifen. Ob mit gezielter Suche oder assoziativem Stöbern: Über die neue Datenbank lässt sich die Geschichte der Donaueschinger Musiktage aus allen denkbaren Richtungen nachzeichnen. Das Archiv basiert auf einer sogenannten Graphdatenbank – einer dem menschlichen Denken nicht unähnlichen Struktur, die mit „Knoten“ und „Kanten“ operiert. So werden die verschiedenen Inhalte der Musiktage miteinander verbunden und sind auch in ihrer vernetzten Form nachvollziehbar. Es können Daten zu Personen, Veranstaltungen, Spielorten, Kompositionen, Klanginstallationen und ihre Verbindungen untereinander abgerufen werden.

Und auch auf die journalistische Berichterstattung und Dokumentation des SWR aus den vergangenen Festivaljahrgängen sollen Nutzer*innen zugreifen können: Konzerte, Interviews, Blogeinträge und Fotos sind Teil des Angebots. Der Zugriff ist öffentlich und von jedem Computer, Tablet oder Smartphone mit Internetverbindung aus möglich. So kann nicht nur die Journalistin, die für ihre Arbeit recherchiert, das Angebot nutzen, sondern auch der interessierte Konzertgänger, die Musikstudentin, der Langzeit-Fan oder die Jungkomponistin, die ein geschichtliches Ereignis nachvollziehen möchte. Das Archiv und die Graphdatenbank lassen sich dauerhaft flexibel erweitern – um zusätzliche Daten und Fakten oder um neue Festivaljahrgänge.

Damit trägt das Projekt auch in seiner Strukturierung und Adaptivität dem experimentellen Charakter des Festivals Rechnung. Das Projektteam plant, künftig weitere, bisher nicht zugängliche Archivinhalte online zu stellen und den Nutzer*innen zugänglich zu machen. So wächst das Archiv kontinuierlich weiter und bleibt – wie die zeitgenössische Musik selbst – immer am Puls der Zeit.

https://SWRClassic.de/donaueschinge…


20 Jahre Internationale Musiktage Brache

Nach zweijähriger Zwangspause laden die Internationalen Musiktage wieder nach Brache ein. Nicht zuletzt dank der Initiative des künstlerischen Leiters Lambis Vassiliadis hat sich ein festes Team von Musikern mit hoher künstlerischer und pädagogischer Kompetenz in Brache zusammengefunden, die sich mit viel Engagement für das Konzept einsetzen: ein für alle finanzierbarer Kurs auf hohem künstlerischen Niveau, der in wechselseitig inspirierender Begegnung auf Augenhöhe Erfahrungen vermitteln soll auf allen Ebenen künstlerisch-musikalischer Arbeit. Teilnehmende ab 12 Jahren und auch erwachsene Musik­liebende sind angesprochen, da die anderen Dozierenden alle an Hochschulen tätig sind, wird es auch viele Studierende geben. Die Ausrichtung dort ist, eine Arbeitsatmosphäre auf Augenhöhe mit den Studierenden herzustellen, Werke und nächste instrumentale Schritte (Solo oder Kammermusik) in einem konstruktiven Miteinander zu erarbeiten und auf dem Podium zu erproben. Neben dem täglichen Unterricht ist es den Veranstaltern ein großes Anliegen, sich Zeit zu nehmen, auch auf kompositorische Strukturen und Stilistiken aufmerksam zu machen, diese gemeinsam zu erforschen und zur Grundlage der eigenen Interpretationsfähigkeit wachsen zu lassen. www.internationalemusiktagebrache.com

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