Nischen erobern, Literatur entdecken

Die Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler als Initialzündung für Kammermusikensembles


(nmz) -
Seit über 50 Jahren existiert als zentrale Fördermaßnahme des Deutschen Musikrats die „Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler“, die mittlerweile an den Deutschen Musikwettbewerb gekoppelt ist. Diejenigen Musikerinnen und Musiker, die beim Deutschen Musikwettbewerb zu den erfolgreichen Stipendiaten gehören, haben die Möglichkeit, im folgenden Jahr an dem Projekt teilzunehmen.
Ein Artikel von Verena Düren

Das sieht folgendermaßen aus: Die jungen Musiker werden von der entsprechenden Projektgruppe des Deutschen Musikrats zu Kammermusikensembles zusammengestellt und vermittelt. Bereits hierbei ergeben sich häufig Besetzungen, die ganz und gar ungewöhnlich sind. Ein mittlerweile recht prominentes Beispiel aus den letzten Jahren ist das Duo Andreas Mildner und Andreas Martin Hofmeir, die mit den Instrumenten Harfe und Tuba ein geradezu undenkbares Duo abgeben. Natürlich wird dabei Rücksicht genommen auf die Wünsche der Musiker oder auch auf ganz praktische Dinge wie beispielsweise kurze Wege für die folgenden gemeinsamen Proben.

Frank Dupree, Pianist und Preisträger des DMW 2014, hat direkt Vorschläge machen können, mit wem er gemeinsam Kammermusik machen will. „Ich bin zum einen als Solist in der BAKJK, da ich ja auch Preisträger des letzten DMW bin. Außerdem spiele ich im Ensemble mit Elya Levin (Flöte) und Simone Drescher (Violoncello). Beide kannte ich schon vorher und sie sind beide unabhängig voneinander auf mich zugekommen mit der Frage, ob man nicht gemeinsam in die BAKJK gehen will.“ Gemeinsam mit den Künstlern erstellt die Projektgruppe des Deutschen Musikrats einen BAKJK-Künstlerkatalog, den man vielleicht schon als erste ‚pädagogische‘ Maßnahme bezeichnen kann. Robert Aust, der bereits in der Saison 2013/14 gemeinsam mit seiner Schwester und der Fagottistin Lydia Pantzier an der „Bundesauswahl Konzerte junger Künstler“ teilgenommen hat, empfand die ungewöhnliche Besetzung durchaus positiv: „Die Ensemblezusammenstellung konnten wir also selber mitgestalten. Die Besetzung mit Klarinette, Fagott und Klavier ist durchaus sehr exotisch – es gibt nur wenig Originalliteratur für diese Besetzung und in der Musikszene fast keine Ensembles, die fest in dieser Besetzung spielen. Das bietet zugleich auch Chancen, eine Nische zu erobern und selten gespielte Literatur zu entdecken und dem Publikum bekannt zu machen.“

Der Katalog umfasst die Künstlerbiographien sowie verschiedene Programmvorschläge der einzelnen Ensembles. Die jungen Musiker stehen hier erstmals vor der Aufgabe, abendfüllende Programme zu erstellen. Der Katalog geht dann an etwa 250 Veranstalter, mit denen der Deutsche Musikrat inzwischen seit Jahren zusammenarbeitet. Für diese hat die Kooperation mit der BAKJK auch einen finanziellen Anreiz, denn die BAKJK kann die Musiker dank der Unterstützung durch den Deutschen Musikrat und anderen Förderern zum Beispiel in Form von Stipendien zu sehr günstigen Bedingungen vermitteln. Je nachdem wie ansprechend die Programme gemacht sind oder auch wie interessant die Ensemblebesetzung ist, ergeben sich dann zwischen fünf und dreißig Konzerten in einer Saison für jedes Ensemble, insgesamt zirka 250.

Ziel der Fördermaßnahme ist es, den jungen Musikern, die ja in der Regel noch von keiner Agentur vertreten werden, die Möglichkeit zu verschaffen, auf der Bühne zu stehen und Erfahrungen zu sammeln. Robert Aust blickt bereits auf 30 gemeinsame Konzerte mit dem Rheingold-Trio zurück und zieht eine positive Bilanz: „Die große Anzahl an Konzerten ist natürlich die beste Grundlage, die ein neu gegründetes Ensemble bekommen kann und ein idealer Ansporn, um selbstbewusst und zielorientiert zu proben. Neben dieser intensiven Probenarbeit erwiesen sich die Konzertauftritte an sich als wesentliche Momente, in denen unser Trio weiter zusammenwachsen und sich die Identifikation der einzelnen Spieler mit dem Trio weiterentwickeln konnte.“

Zusätzlich machen die Projektleiter den Musikern von Anfang an klar, dass sie die durch die BAKJK vermittelten Konzerte auch nutzen sollen, um Veranstalter kennenzulernen und weitere Engagements zu erhalten. Diese Selbstvermarktung, ohne die gerade zu Beginn einer künstlerischen Karriere nichts läuft, wird zusätzlich unterstützt durch Workshops zu Themen wie Musikerrecht, Selbstvermarktung, Programmdramaturgie et cetera, die am Beginn der Projektphase stehen. Es wird also seitens des Projekts versucht, den jungen Musikern möglichst viel mit auf den Weg zu geben, um sie und ihre Karriere von Grund auf und auf lange Sicht aufzubauen.

Die Teilnahme an dem Förderprojekt „Bundesauswahl Konzerte junger Künstler“ ist freiwillig und Frank Dupree hätte sich auch ausschließlich auf den solistischen Weg konzentrieren können. „Bisher habe ich drei Konzerte gespielt und nach diesen drei Konzerten folgten in jedem Fall weitere Einladungen zu Solo-Konzerten, Konzerten mit Orchestern und Kammermusik-Konzerten. Die BAKJK hat eine wirkliche Türöffner-Funktion. Und nicht nur das: Es ist natürlich wahnsinnig toll, diese Konzerte zu spielen, all diesen Menschen zu begegnen – ob nun Publikum oder Veranstalter – und ihnen die Musik näherzubringen. Ehrlich gesagt, kann ich gar nicht nachvollziehen, wie man diese tolle Chance nicht nutzen kann. Als Pianist hätte ich mich natürlich nur auf die Rezitals konzentrieren können, aber die Kammermusik ist doch so wichtig. Für mich persönlich ist es ein Trugschluss, davon auszugehen, dass man als Pianist immer nur für sich alleine spielen kann. Ich bin sehr, sehr froh, dass ich mich zur Teilnahme an der Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler entschlossen habe.“

Das könnte Sie auch interessieren: