Noten-Tipps 2013/03


(nmz) -
Friedrich Schneider (1786–1853): Streichquartett in g-Moll op. 90. Stimmen. Urtext +++ Johann Wilhelm Hertel (1727–1789): Konzert A-Dur für Violoncello Solo, 2 Violinen, Viola & B.c. Partitur
Ein Artikel von Eckart Rohlfs

Friedrich Schneider (1786–1853): Streichquartett in g-Moll op. 90. Stimmen. Urtext, herausgegeben von Nick Pfefferkorn. Pfefferkorn Musikverlag EK 2073 Leipzig, ISMN 979-0-50139-013-7

Wo kennt man ihn schon, J.C. Friedrich Schneider? Ja, in Dessau wird der ehemalige Herzoglich-Anhalt-Dessauische Hofkapellmeister heute wieder hoch verehrt, sein Denkmal steht im Stadtpark, im Stadtarchiv wird sein Nachlass gehütet und seinen Namen trägt jetzt der 1948 gegründete Ensemble-Chor, womit das jahrzehntelange, vielfältig kompositorische, pädagogische und solistische Wirken dieser einstigen Schlüsselfigur für das Musikleben dieser Stadt gewürdigt, aber dann auch rasch vergessen wurde. Am erfolgreichsten war sein der Händel-Tradition folgendes Oratorium „Das Weltgericht“, das er in seiner Leipziger Zeit geschrieben hat, wo er als Organist, Singakademie- und Musikdirektor des Stadttheaters tätig war. Sein Klavierquartett haben wir an dieser Stelle in nmz 2012/12 vorgestellt. Hier folgt sein wohl einziges hinterlassenes Streichquartett op. 90, geschrieben in seinen frühen Dessauer Jahren um 1832, gewidmet seinem von ihm sehr verehrten nur wenig älteren Freund Louis Spohr. Es ist eine lichte, transparente, klassischen Vorbildern nachempfundene Komposition in der Satzfolge Allegro, Scherzo mit Trio, Larghetto und Finale, höchstens mittelschwierige Anforderungen stellend. Galant werden die melodischen Einfälle vor allem zwischen den Oberstimmen ausgespielt, trotz Moll-Charakter kein Stück von Traurigkeit, eher im geliebten Tonartenwechsel von heiterer bürgerlich-biedermeyer’scher Art. Leider vermisst man bei diesem so sauberen Urtext-Notendruck eine (Taschenbuch-)Partitur und aufschlussreiche Notizen über den (noch) unbekannten Schneider, wie sie dem Klavierquartett beigegeben waren, jedoch sind diese ersatzweise bei Wikipedia zu finden.

Johann Wilhelm Hertel (1727–1789): Konzert A-Dur für Violoncello Solo, 2 Violinen, Viola & B.c. Partitur EW 851, Stimmenset EW 852, Klavierauszug EW 853, Ed. Walhall

Einer kleinen Musiker-Dynastie entstammend, in Eisenach geboren, Enkelschüler J.S. Bachs, war Johann Christian Hertel wie sein Vater erst Mitglied in der Eisenacher, dann in der Mecklenburg-Schweriner Hofkapelle. Als engagierter Hof- und Kapellkomponist schrieb er unter anderem zwei Cello-Konzerte, die sich als Autographen in der Bibliothek des Brüsseler Conservatoires fanden, dieses 1755 in A-Dur stehende und ein weiteres in a-Moll aus dem Jahre 1759. In diesem relativ durchsichtigen und unkompliziert angelegten dreisätzigen Werk nach Concerto-grosso-Art, also mehr dem barocken Gusto als der schon empfindsameren Zeit angelehnt, kontrastiert das Streicher-Tutti über dem Basso continuo mit den leicht virtuos angelegten Solopassagen des Cellos, das die Tiefen wie Höhen (bis a’) gerne auskostet. Ein kurzweiliges, für das Cello dankbares Konzert heiteren Charakters, das seine melodischen Passagen genüsslich präsentieren kann.

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