Notentipps 2009/09

Klavier- und Kammermusik


(nmz) -
Robert Schumann (1810–1856): Werke für Klavier zu vier Händen. Bd. 2 - Johann Baptist Vanhal (1739–1813): Divertimento in D für zwei Violinen, Viola und Violoncello - Gaetano Brunetti (1744–1798): Streichquintett B-Dur opus 7/3 für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello - František Jan Škroup (1801–1862): Trio facile F-Dur op. 28 für Klavier, Violine oder Flöte und Violoncello
Ein Artikel von Eckart Rohlfs

Robert Schumann (1810–1856): Werke für Klavier zu vier Händen. Bd. 2: VIII Polonaises, Anh. G1; Bilder aus Osten op. 66; Ball-Szenen op. 109; Fantasiestück für Klarinette und Klavier op. 73, bearbeitet für Klavier zu vier Händen von Friedrich Gustav Jansen. Nach den Quellen herausgegeben (mit kritischen Anmerkungen) von Joachim Draheim, Fingersätze und Hinweise zur Interpretation von Ljiljana Borota/Christian Knebel. Wiener Urtext Ed. Schott/Universal Ed. UT 50079, ISMN 979-0-50057-078-3

In dieser Edition zusammengefasst sind jene Vierhändigstücke, die man vom technischen und musikalischen Anspruch her dem „professionellen“ Bereich zuordnet. Was diesen Band zusätzlich profiliert – neben dem vorzüglich durchsichtigen Notenbild, der geschickten Verteilung auf Primo und Secondo, günstigen Wendestellen, klaren Interpunktionen – ist die bescheiden „Vorwort“ überschriebene, für die Darstellung nicht unwichtige Entstehungsgeschichte aus den zum Teil weit auseinanderliegenden und damit stilistisch weiterentwickelten Schaffensperioden. In den Interpretationshinweisen verbergen sich persönliche Erfahrungen als praktische Weg-Hilfe, um sich Schumanns „schöpferischem Impuls“ zu nähern. Als Beigabe, die schon zwei Jahre nach dem Original entstandenen autorisierten Draheim-Vierhändigfassungen der beliebten Fantasiestücke für Klarinette/Klavier in einer erstmaligen Neuausgabe.

Johann Baptist Vanhal (1739–1813): Divertimento in D für zwei Violinen, Viola und Violoncello. Erstdruck hrsg. von Peter Erhart. Partitur und Stimmen. Diletto Musicale Doblinger DM 1376 (2007), ISMN-M-012-19374-6

Der in Böhmen beheimatete hochbegabte Musiker war unter dem Patronat des Adels vorwiegend in Wien als Geiger und Lehrer sesshaft und gab Klavierunterricht, beispielsweise seinem Schüler Ignaz Pleyel. Als Komponist, von Dittersdorf, Haydn und Mozart geschätzt, schuf er ein umfangreiches sinfonisches und kammermusikalisches Opus, das allerdings noch weiterer Entdeckung harrt. Eine solche ist dieses als Handschrift in Modena gefundene viersätzige, heiter gefällige Divertimento in Streichquartett-Besetzung, in der die erste Geige dominiert. Seine melodiöse Thematik und deren elegante Verarbeitung gehen schnell ins Ohr.

Gaetano Brunetti (1744–1798): Streichquintett B-Dur opus 7/3 für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello, hrsg. von Tilmann Siebe. Schott ED 20427 (2009), ISMN 979-0-001-15306-5

Gebürtig in Italien, ähnlich wie sein Kollege und Konkurrent Boccherini für sein Musiker-Wirken an spanischen Höfen engagiert, hatte der Königliche Musikmeister Brunetti hohe musikalische Verantwortung und kompositorische Verpflichtung. Nicht unbeeinflusst von Haydns Stilistik verstand er es, bei der von ihm bevorzugten Quintett-Gattung alle fünf Streicher lustvoll zu engagieren und im Wechsel konzertant einzusetzen. Brunettis fünfsätziges Quintett (1771) bestätigt seine typische Charakteristik, seine Liebe zum Kontrast: zum Beispiel in der motivischen Verarbeitung seiner Themen, im Stimmungswechsel durch mutige tonale Wechsel, frische rhythmische Akzente, gegensätzliche dynamische und klangliche Abstufung. Anspruchsvoll, lohnend.

František Jan Škroup  (1801–1862): Trio facile F-Dur op. 28 für Klavier, Violine oder Flöte und Violoncello, hrsg. v. Martin  Harlow. Urtext. Bärenreiter BA 9522 (2008), ISMN 979-0-2601-0414-3

Ein Opernlied dieses böhmischen Komponisten wurde zur tschechischen Staatshymne. Ansonsten ist der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in seinem Land bedeutsame Theater-Komponist und -Dirigent ziemlich in Vergessenheit geraten. Eine Vielfalt stilistischer Gepflogenheiten seiner Zeit, Salonmusik im besten Sinn, zeigt sein Trio facile, um 1840 für die Tochter seines Verlegers geschrieben. In der Tat gediegene Liebhabermusik, deswegen aber musikalisch nicht simpel, vielmehr musikantisch schwung- und wirkungsvoll anzugehen, ähnlich dem 20 Jahre früher erschienenen Klaviertrio g-moll von C.M. von Weber in gleicher Besetzung, nur von etwa einem Grad geringerer Schwierigkeit.

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