Patient Musik

Theo Geißler über die Zunahme schwindender Akzeptanz von Musik


(nmz) -
Dafür, dass Geld zumindest in übertragenem Sinn nicht stinkt, gibt es derzeit wenig Beweise (man denke an Wirecard oder CumEx-Geschäfte oder…). Dass es zumindest übergangsweise helfen kann, belegen die Billionen, Billiarden, mit denen die reicheren Staaten dieses Erdballes versuchen, die Wunden immerhin zu verbinden, die das Corona-Virus allen erdenklichen Bereichen unseres menschlichen Lebens zufügt. Schwerkrank darnieder liegen auch die Bildung, die Kultur, die Künste.
Ein Artikel von Theo Geißler

Während ersterer neben der Wirtschafts-Lebensrettung noch eine gewisse Systemrelevanz auch bei der Verteilung der Stütz-Finanzierungsmittel zugestanden wird, kämpfen viele Kulturschaffende, viele Künstler gemeinsam mit den Veranstaltungsstätten und -Techniker*innen, den Museen, den Verlagen um politische und damit auch gesellschaftliche Akzeptanz.

Nur ein Beispiel: die Solo-Selbstständigen, wichtiges Kreativpotenzial im oft hefearmen Sauerteig unserer Gesellschaft, die im Labyrinth der Bürokratie in das vertrieben werden sollten, was hierzulande verlogenerweise „Grundsicherung“ genannt wird und in Wahrheit zu Recht den Namen „Hungertuch“ trüge. Ein wenig Vernunft hat sich dann doch durchgesetzt – wenn auch nicht flächendeckend. Kultus- und Kunst-Minister*innen etlicher Bundesländer schufen leider recht ungleichmäßige Hilfsfonds. Und Monika Grütters als Kulturstaatsministerin hat sich Hand in Hand mit dem Deutschen Kulturrat sparten­übergreifend mächtig ins Zeug gelegt, zahlreiche Töpfe zum Köcheln gebracht: gerade erst 27 Millionen Euro aus einem Milliarden-Kühlschrank für Livemusik-Spielstätten und Club-Kultur. Dennoch: Es sind Not-Verbände auf immer noch weiterschwärende Wunden.

Jedenfalls bedarf es viel intelligenterer Instrumente und Maßnahmen als der materiellen Gießkanne, um unser Kulturleben, um die Bildung unserer Kinder vor dem Virenfraß zu retten. Wie der Generalsekretär des Deutschen Musikrates, Christian Höppner, berichtet, wurde schon vor einiger Zeit Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, vom DMR dringlich angefragt, die Prüfungskompetenz der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt in Sachen Tröpfcheninfektion (übrigens mit beängstigenden Ergebnissen) nicht nur für Flugzeuge und öffentliche Verkehrsmittel einzusetzen, sondern auch in Theatern, Opern- und Konzerthäusern. Bislang keine Antwort.

Angesichts bitterer erster Erfahrungen in Schulen nach den Ferien, der aufgrund bereits etlicher infektionsbedingter Schulschließungen berechtigten Unsicherheit von Eltern und Lehrern, wären derartige Untersuchungen in den unterschiedlichen Klassenräumen und ihren Verbindungswegen höchst angemessen. Wenigstens genauso wichtig wie die hochgepriesene Digitalisierung. Mit welchen Widrigkeiten beim Musikunterricht in allgemeinbildenden und Musikschulen Lehrkräfte und Schüler*innen zu kämpfen haben, beschreibt der Präsident des Bundesverbandes Musikunterricht (BMU), Jürgen Oberschmidt, im Gespräch mit Andreas Kolb auf Seite 17 dieser Ausgabe. Wird es sehr still in unserem Land?

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