Premiere der Sonderklasse

Uraufführungen 2016/12


(nmz) -
Erste Planungen wurden im Oktober 2001 veröffentlicht, 2003 stellten die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron einen ersten Entwurf vor, und 2006 erhielt ein Baukonsortium den Zuschlag zur Errichtung des Gebäudes mit kalkulierten Kosten in Höhe von 241,3 Millionen Euro. Nach der Grundsteinlegung am 2. April 2007 wurde der denkmalgeschützte Kaispeicher im Hamburger Hafen komplett entkernt, das Dach abgetragen und wurden die bereits vorhandenen 1.111 Stahlbetonpfähle um weitere 650 Stützpfeiler ergänzt.
Ein Artikel von Rainer Nonnenmann

Anschließend wurde auf dem Sockel des aus den 1960er-Jahren stammenden Speichers in 40 Meter Höhe der Neubau errichtet und nach und nach mit über 1.000 teils gebogenen und bedruckten sowie pro Stück rund 20.000 Euro teuren Fensterelementen von durchschnittlich 3,5 mal 5 Metern Fläche verkleidet. Richtfest gefeiert wurde Ende Mai 2010. Doch die für 2010 geplante Eröffnung musste mehrfach verschoben werden, es kam zu Baustopps, Mängeln, Um- und Neuplanungen, Senatssitzungen, Gerichtsverhandlungen und immer höheren Kostensteigerungen. Die für die Freie und Hansestadt Hamburg errechneten Kosten von ursprünglich 77 Millionen Euro vervielfachten sich schließlich auf 789 Millionen.

Doch jetzt ist sie endlich fertig: Die Elbphilharmonie Hamburg! An der Spitze 110 Meter hoch, umfasst das gewaltige sowie durch seine Glasfassade und vielfach geschwungenen Dächer zugleich leicht wirkende Gebäude 26 Stockwerke und eine Bruttogeschossfläche von sagenhaften 120.000 Quadratmetern für Parkhaus, Luxuswohnungen, mehrere Gastronomiebetriebe, Hotels samt Konferenz- und Wellnessbereichen, Verwaltung, Technik, Backstage, Foyers, Projekträume und zwei Konzertsäle. Der große beherbergt 2.150 Plätze sowie eine Orgel der Bonner Firma Klais mit 69 Registern. Der kleine Saal hat 550 Plätze. Ihre Akustik gestaltete der japanische Akustiker Yasuhisa Toyota. Wie hier Musik der verschiedensten Epochen, Genres, Sparten und Stile klingen wird, bleibt vorerst noch abzuwarten. Als Generalintendant des Hauses agierte bereits seit 2007 Christoph Lieben-Seutter. Seit der Spielzeit 2009/10 machte er unter dem Label „Elbphilharmonie-Konzerte“ Programme für die Laeiszhalle und andere Hamburger Spielorte. Die erste öffentliche Veranstaltung im neuen Haus sind nun ab dem 1. Januar 2017 vier Aufführungen einer „choreografischen und musikalischen Raumerkundung der Elbphilharmonie Foyers“ von Sasha Waltz und ihrer Tanzkompagnie. Die Musik dazu stammt vom Vocalconsort Berlin und einigen Instrumentalisten, darunter die Geigerin Carolin Widmann und der Posaunist Uwe Dierksen.

Die offizielle Einweihung des großen Konzertsaals erfolgt dann erst am 11. Januar mit einem historisch und stilis­tisch vielseitigen Programm. Details wurden bis zum Redaktionsschluss noch geheimgehalten. Immerhin verlautbart wurde das aus Wagners „Parsifal“ entlehnte Eröffnungsmotto „Zum Raum wird hier die Zeit“ sowie die Lis­te der aufgeführten Komponisten Beethoven, Cavalieri, Liebermann, Messiaen, Praetorius, Wagner und Zimmermann. Als Uraufführung erklingt Wolfgang Rihms „Reminiszenz – Triptychon und Spruch in memoriam Hans Henny Jahnn“ für Tenor und großes Orchester. Gesetzt sind auch die Interpreten: Das NDR Elbphilharmonie Orchester – das sich nach seiner neuen Heimstätte umbenannte – unter Leitung von Chefdirigent Thomas Hengelbrock samt NDR Chor und Chor des Bayerischen Rundfunks. Hinzu kommen neben Organistin Iveta Apkalna noch eine Handvoll international gefeierter Gesangssolisten: Anja Harteros, Wiebke Lehmkuhl, Philippe Jaroussky, Jonas Kaufmann und Bryn Terfel. Der kleine Saal wird am folgenden Tag vom Hamburger Ensemble Resonanz eingeweiht, dem zukünftigen Residenzensemble des Saals, zusammen mit dem Schlagquartett Köln unter Leitung von Emilio Pomàrico. Auch hier steht eine Uraufführung auf dem Programm, „Release“ von Georg Friedrich Haas. Mögen nach dieser „Freilassung“ in den neuen Sälen viele weitere Uraufführungen folgen: Leinen los für die Elbphilharmonie!

Weitere Uraufführungen

03.12.: Lukas Schäfer, Mikołaj Laskowski, neue Stücke für electronic ID, Komed-Saal Köln
08.12.: Simon Kanzler, Dan Peter Sundland, neue Werke für Ensemble Mosaik, Prachtwerk Berlin
11.12.: Martin Schüttler, neues Werk für Trio Catch, Bürgerhaus Wilhelmsburg Hamburg
16.12.: Milica Djordjevic, Nikolaus Brass, neue Orchesterwerke, musica viva München
18.12.: Ming Tsao, Das wassergewordene Buch der Kanonen für Neue Vocalsolisten Stuttgart, WDR-Funkhaus Köln
10.01.: Gregor Mayrhofer, Neues Werk für Ensemble intercontemporain, Kölner Philharmonie
11.01.: Jan Müller-Wieland, Der Heimkehrer für Tenor und Klavier, Reaktorhalle München
13.01.: Volodymyr Runckal, Ludmila Yurina, neue Werke für Ensemble Aventure, Elisabeth Schneider Stiftung Freiburg
18.–22.01.: Marc Sabat, Jüri Reinvere, José María Sánchez-Verdú, neue Werke, Ultraschall Berlin

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