Projekt „musiktutor*innen sh“

Förderung des musikpadagogischen Nachwuchses in Schleswig-Holstein geht in die fünfte Staffel


(nmz) -
Wo Musik ist, da ist Leben. Und dort spielt meistens auch ihre Vermittlung eine Rolle. Wie bewusst oder unbewusst Lernen und Lehren vonstatten geht ist hingegen nicht immer so eindeutig zu beantworten. Ab dem kommenden Dezember gehen dieser Frage wieder 30 Jugendliche aus ganz Schleswig-Holstein nach. Sie lassen sich ein halbes Jahr lang am Nordkolleg Rendsburg zu Musiktutor*innen ausbilden.
Ein Artikel von Nordkolleg Rendsburg

Seit Beginn der Qualifizierungsreihe im Jahr 2017 haben rund 180 Schülerinnen und Schüler aus ganz Schleswig-Holstein  das Programm durchlaufen.  Das Projekt zur Förderung des musikpädagogischen Nachwuchses wird vom Nordkolleg Rendsburg gemeinsam mit der Musikhochschule Lübeck konzipiert und durchgeführt. Das Ziel: die jugendlichen Teilnehmenden nachhaltig zu qualifizieren, selbst musikpädagogische Aufgaben in der Schule und im Freizeitbereich zu übernehmen.

Breit gefächerte Kompetenzen, die praktische Anwendung stets im Fokus

ln drei unterschiedlichen Profilkursen lernen und erproben die angehenden Tutorinnen und Tutoren grundlegende Fähigkeiten des gemeinsamen Musizierens in Ensembles sowie dessen Vermittlung. An vier Wochenenden im Nordkolleg sammeln sie unter Anleitung eines versierten Dozierendenteams erste Erfahrungen im Anleiten von Musikgruppen beziehungsweise erwerben tontechnisches Know-How. Die drei Profilkurse Ensembleleitung instrumental, Ensembleleitung vokal und Ton- und Beschallungstechnik sind eingebettet in ein breit gefächertes Angebot, darunter praktisches Gitarrenspiel, Akustik und Grundlagen des Projektmanagements. Im Mittelpunkt des Projekts steht dabei der bewusste Perspektivwechsel der Teilnehmenden und damit die einzigartige Gelegenheit, wertvolle Erfahrungen in der Vermittlung und im musikalischen Anleiten von Gruppen zu machen.

Förderung des Musiklebens an allgemeinbildenden Schulen, Nachwuchsgewinnung und Stärkung der Amateurmusik

Die Ziele des Projekts sind dabei klar umrissen: Alle Lerninhalte und Formate werden auf eine hohe Anwendbarkeit im Alltag der Teilnehmenden hin ausgewählt. Eine praxisnahe Lern­umgebung, die von unterschiedlich besetzten lnstrumentalgruppen, über den Einsatz digitaler Technik bis hin zur bewusst heterogenen Zusammensetzung der Gruppen reicht, bietet ihnen die Möglichkeit, Gelerntes unmittelbar zu erproben und mit den neu gewonnenen Fähigkeiten im geschützten Raum zu experimentieren.  Das ist wichtig, um diese später im Kontext des Musiklebens allgemeinbildender Schulen sicher anwenden zu können. Für viele Teilnehmende dient die Qualifizierungsreihe auch als erste Orientierung im Dschungel der Möglichkeiten künstlerisch-musikalischer und musikpädagogischer Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten. Durch die verschiedenen Module und thematischen Einheiten erhalten die Jugendlichen einen realitätsnahen Einblick in die Anforderungen musikpädagogischer Ausbildungswege und Lehrberufe. Neben der Vernetzung der Teilnehmenden untereinander haben die Jugendlichen auch die Gelegenheit im Rahmen von Gastvorträgen und Aktionstagen erste Kontakte zu Lehrenden und Studierenden der Musikhochschule Lübeck zu knüpfen, die neben der Universität Flensburg die zentrale Ausbildungsstätte für angehende Musiklehrkräfte in Schleswig-Holstein ist. Durch die breite Zielgruppe – in jeder Staffel können sich Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen 8 bis 12 aus ganz Schleswig-Holstein bewerben – wirkt das Projekt in die Fläche des gesam­ten norddeutschen Bundeslandes. Die Absolvent*innen, die oftmals in ganz unterschiedlichen Kontexten musikalisch aktiv sind, unterstützen nach ihrer Qualifizierung oftmals nicht nur eine Musiklehrkraft in ihrer Schule, sondern tragen die gewonnenen Fähigkeiten auch in Strukturen der Amateurmusik, von Ensembles in Musikschulen, Musikvereinen bis hin zu freien Orchestern. Die erworbenen Kompetenzen befähigen die jungen Menschen somit, sich auch in ehrenamtlichen Strukturen der Amateurmusik wirksam zu engagieren und dort Verantwortung  zu übernehmen.

Düstere Aussichten für die musikalische Bildung? Eine durch Corona geschwächte Amateurmusiklandschaft und ein sich zuspitzender Lehrkräftemangel in Schleswig-Holstein

Wie notwendig und sinnvoll die Durchführung von Projekten wie musiktutor*innen sh ist zeigen Erhebungen hinsichtlich der teilweise verheerenden Auswirkungen durch die Einschränkungen der Amateurmusik im Zuge der Coronapandemie. Nicht zuletzt ein sich weiter verschärfender Lehrkräftemangel im Fach Musik zeichnet ein düsteres Bild von fehlenden Musikpädagoginnen und -pädagogen und ausgefallenen Musikstunden. So konstatiert Daniela Bartels, Lehrbeauftragte für Musikpädagogik an der Musikhochschule Lübeck und Teil des Leitungsteams des Projekts: „Das Projekt musiktutor*innen sh wird noch wichtiger als zuvor. Die Corona-Lockdowns  haben das musikalische Leben sowohl in den Städten als auch im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins über längere Zeiträume nahezu stillgelegt. Jungen Menschen wurden dadurch in einer wichtigen Lebensphase zentrale zwischenmenschliche Erfahrungen verwehrt, die besonders beim gemeinsamen Musikmachen entstehen. Das übergeordnete  Ziel der musiktutor*innen sh ist und bleibt daher, das musikalische Engagement junger Erwachsener bewusst zu fördern und sie zu befähigen, an ihren Lebens­orten musikalische Leitungsaufgaben  zu übernehmen. Denn so werden sie zu wertvollen Mitgestalter*innen der Gesellschaft.“
Weitere Kooperationspartner des Projektes musiktutor*innen sh sind der Landesmusikrat Schleswig-Holstein und der Bundesverband Musikunterricht – Landesverband Schleswig-Holstein. Hauptförderer ist das Minis­terium für Allgemeine und berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein.

Weitere Informationen: www.musiktutoren-sh.de

  

 

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