Reiche Ernte

Peter Janson war 14 Jahre lang 1. Vorsitzender des Tonkünstlerverbandes Mittelfranken


(nmz) -
Der Tonkünstlerverband Mittelfranken hat seit vielen Jahrzehnten wichtige Akzente im Kulturleben Nürnbergs und der umliegenden Region gesetzt. Dies hat er vor allem seinem langjährigen Vorsitzenden Peter Janson zu verdanken, der nun aus gesundheitlichen Gründen sein Amt abgab. Im Interview mit Franzpeter Messmer blickt er auf seine Arbeit zurück.
Ein Artikel von Franzpeter Messmer, Peter Janson

 

Franzpeter Messmer: Sie haben viel Zeit in ehrenamtliche Arbeit investiert. Hat es sich gelohnt?

Peter Janson: Der Lohn für kulturell Engagierte ist immer das Ergebnis der Bemühungen und das positive Feedback der betroffenen Zielgruppe. Daraus ergaben sich immer wieder neue Eindrücke, neue Perspektiven und vor allem die Erkenntnis, dass Musikschaffende eine besondere Menschengruppe sind, auf die es sich aber lohnt, persönlich einzugehen.

Messmer: Welche Ziele konnten sie erreichen?

Janson: Ich konnte vor allem Konzertreihen einführen oder wiederaufleben lassen, wie die Reihe „Recital Gitarre International“ oder die Reihe „tonkünstler live“. Über meine Kontakte in den Ausschüssen PML und PMI und mithilfe von Frank Hartmann wurde der Schwerpunkt der Ausschussarbeit für die Privaten Musiklehrer nach Mittelfranken gebracht und die daraus entstandenen Fortschritte für das Zertifikat hier erarbeitet und mit Dr. Hewig durchgesetzt. Unser Regionalverband konnte zusätzlich seine kulturellen Ambitionen stark erweitern. So sind wir nun fester Bestandteil des „Nürnberger Klavierwettbewerbs“, des „Internationalen Marimbawettbewerbs Nürnberg“, Förderer mittelfränkischer Komponisten und Musiker. Ich erwähne besonders das Konzert „Menschenrechte“ im Jahr 2006, das unter großer kommunaler Anteilnahme in der Nürnberger Sebalduskirche mit Preisträgern des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises veranstaltet wurde. Ein weiteres Ziel meiner Amtszeit, den Verband für die Musikschaffenden Mittelfrankens attraktiver zu machen, äußert sich in der Verdoppelung des Mitgliederstands auf nun über 300.

Messmer: Wo gab es Schwierigkeiten?

Janson: Wie wir wissen, ist eine angemessene Werbung im Vorfeld zu den Konzerten ohne einen entsprechenden Etat nicht möglich. Deshalb erreichen wir natürlich mit unseren bescheidenen Mitteln nicht alle, denen wir unsere Künstler und Komponisten gerne vorstellen wollten. Entsprechend war die Zuhörerresonanz oft nicht berauschend. Pressearbeit ist in der zweitgrößten bayerischen Stadt generell schwierig, dazu kommt aber, dass die NN-Redakteure (Nürnberger Nachrichten) der Klassik beziehungsweise der zeitgenössischen Kunst oft ignorant, teilweise inkompetent gegenüber stehen. Ich erinnere mich, dass der Ausnahmegitarrist David Russel, den wir 2009 in der Meistersingerhalle zu Gast hatten, weder angemessen angekündigt, noch etwa gar besprochen wurde. So etwas passiert einem Weltklassekünstler wohl nur in Nürnberg. Natürlich hätten wir eine teuere Anzeige schalten können. Dann allerdings müssten wir generell unsere Eintrittspreise erhöhen. Außerdem bin ich der Meinung, dass der zweitgrößte Druckverlag Deutschlands einen engagierteren Beitrag zur Kultur leisten muss.

Messmer: Wenn Sie die heutige Situation der Musiker mit der, als Sie Vorsitzender wurden: Was wurde besser, was schlechter?

Janson: Abgesehen von der generellen Entwicklung, dass sich nämlich Staat, Länder und Kommunen immer weiter aus der Kulturförderung schleichen (müssen?), hat sicher der Tonkünstlerverband in Bayern doch maßgebliche Schritte unternommen, die berufliche Situation der freiberuflichen Musiklehrer zu verbessern und Möglichkeiten aufgezeigt, wie trotz Einführung des G8 und der drohenden verbindlichen Ganztagsschulen Lösungen im beruflichen Umfeld möglich sind. Ich erwähne hier speziell die Etablierung der Zertifikate, eine verbesserte Öffentlichkeitswirkung durch Plakatwerbung und die finanzielle Unterstützung Privater Musikinstitute und Musikschulen, speziell in der Gründungsphase. Auch die Interessensvertretung von Lehrbeauftragten an Hochschulen zur Verbesserung ihrer teils unwürdigen Arbeitsbedingungen und Bezahlungen wurde in Angriff genommen.

Messmer: Was waren die wichtigsten Projekte, die Sie anstoßen konnten?

Janson: Das waren wohl die Etablierung von regelmäßigen Konzertreihen zur Förderung der Schüler, konzertierender Künstler, fränkischer Komponisten und die Gründung der Konzertreihe „Recital Gitarre International“.

Messmer: Was haben Sie sich beruflich und privat vorgenommen für die Zeit nach dem Ehrenamt?

Janson: Endlich wieder Musik machen, denn das kam nämlich immer zu kurz.

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