Rückblende 2011/11

Vor 50 und vor 100 Jahren


(nmz) -
Zur hundertjährigen Wiederkehr des Geburtstages des Klaviervirtuosen und Komponist Ferdinand Hiller – Ulrich Dibelius’ Resultate von den Donaueschinger Musiktagen und andere neue Musik
Ein Artikel von (nmz-redaktion)

 

Vor 100 Jahren

Zur hundertjährigen Wiederkehr des Geburtstages des Klaviervirtuosen und Komponist Ferdinand Hiller, geboren 1811 in Frankfurt: 1847 folgte er einem Ruf als städtischer Kapellmeister nach Düsseldorf, wurde 1849 in gleicher Eigenschaft nach Köln berufen. Als Dirigent der Gürzenichkonzerte und als Direktor der Musikschule (bis 1884) hat er eine ungemein fruchtbare Tätigkeit entfaltet. Das Gürzenich-Orchester hat sich unter Hiller zu einem der ers­ten deutschen Orchester emporgearbeitet. Die von seinem Vorgänger Dorn begründete „Rheinische Musikschule“ erweiterte Hiller zu einem Konservatorium. – Einweihungsfeierlichkeiten im neuen Heim des Königl. Konservatoriums am Urbanplatz in Stuttgart, das als eine der im modernen Sinne geleiteten Anstalten zu bezeichnen ist, und zwar in erster Linie infolge der Initiative des jetzigen Direktors Max Pauer. Wir dürfen von ihm mit Recht erwarten, dass er den früheren Ruf der Anstalt erneuert, vergrößert. (…) Einen besonderen Wert legt das Konservatorium auf die gründliche gesamtmusikalische Bildung seiner Schüler, entsprechend der heutzutage immer mehr sich steigernden Anforderungen an den ausübenden Künstler, Lehrer und Musiker …

Neue Musik-Zeitung, 33. Jahrgang 1911/1912, Heft 3/4

Vor 50 Jahren

Ulrich Dibelius’ Resultate von den Donaueschinger Musiktagen: Jacques Guyonnet aus Genf und Peter Schat aus Utrecht versuchen mit den Tücken der seriellen Tonordnung fertigzuwerden. Ihre Jugend gibt ihnen Mut und Elan, die komplizierten Wechselverhältnisse von Zwang und Freiheit durch eigene kompositorische Konstruktionen zu bewältigen. Auch bei den Arrivierten macht sich das Lähmende und im wesentlichen Unergiebige der gegenwärtigen musikalischen Situation bemerkbar: Luciano Berios Orchesterwerk hat durch Selbstbearbeitung bestenfalls neue Reize dazugewonnen, Pierre Boulez lieferte mit dem 2. Band der „Structures“ für zwei Klaviere ein eindrucksvolles Stück ohne entscheidende neue Momente. Die eigentliche Überraschung die Orches­terkomposition „Atmosphères“ von György Ligeti besteht nur noch aus klanglichen Zuständen und gewinnt daraus die Kraft, einen imaginären musikalischen Raum auf höchst suggestive Weise zu beschwören. Claus Henning Bachmann zur Opern-UA zweier jungen Autoren in Düsseldorf, „Die Ameise“ von Peter Ronnefeld und Richard Bletschacher – ihr Erstlingswerk lebt von emsigem Fleiß und großer Begabung, von Frische und Unbefangenheit, doch sticht man hinein so wird man empfindlich gezwackt. Bernhard Bosse bei den Kasseler Musiktagen, UA der Schöpfungsgeschichte „Im Anfang“ von Günter Bialas: ein Ehrfurcht einflößendes Werk von elementarer Eindringlichkeit und weitem Horizont.

X. Jahrgang, Nr. 6-1961, Seite 1ff.

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