Rückblende 2018/03 (Vor 100 und vor 50 Jahren)

Demo vor 100 und vor 50 Jahren


(nmz) -
Vor 100 Jahren: Demo im Abgeordnetenhaus. Künstler suchen ihr Selbstverständnis. +++ Vor 50 Jahren: heiße kulturpolitischen Themen +++
Ein Artikel von Eckart Rohlfs

Vor 100 Jahren

Demo im Abgeordnetenhaus. Künstler suchen ihr Selbstverständnis. Die von Deutschlands Dichtern, Malern, Bildhauern, Tonkünstlern, Schauspielern geleistete Kulturarbeit soll nun, was dem „Ausschuss für Kunst“ ungenügend erscheint, von drei Männern in der preußischen Ersten Kammer vertreten werden. Eines der Mittel war die Künstlertagung im Abgeordnetenhaus. Was sollen die Vertreter der Künstlerschaft in einer Ersten Kammer? Nur eben da sein und durch ihre mehr oder minder erlauchte Persönlichkeit die Würde des Standes vertreten? Ein Künstler, der in der „Repräsentation“ das Ziel seines Strebens sieht zählt nicht zu denen, die Deutschland wirklich reicher machen. Auch das ewige Gegreine über zu geringe Einkünfte sollte endlich doch aufhören. Nach dem Kriege wird die geänderte Weltlage das Leben wesentlich verändern, und die Schule in ihrer stillen Arbeit macht in Auswahl und Bewertung einzelner Unterrichtsfächer sicherlich keine Ausnahme. Jeder wird zugeben, dass das richtige Verhältnis zwischen der Gestaltung der Schule und den Anforderungen des Lebens noch keineswegs hergestellt ist. Manche Stürmer fordern den völligen Umsturz des höheren Schulwesens. Die deutsche Jugend leidet unter allzuviel geschichtlichem Wissen. Das deutsche Lesebuch für höhere Lehranstalten enthält kein Wort über Tonkunst oder Komponisten. Die gesamte Wechselwirkung von politischem und kulturellem Leben aus dem Geiste der Zeit zu erklären bleibt ein frommer Wunsch, eine besondere Berücksichtigung der Musik ist nicht vorgesehen. Lehrbücher für Kulturgeschichte könnten aus Werken unserer Musikschriftsteller und Tondichter manchen Beitrag aufnehmen.

Neue Musik-Zeitung, 39. Jahrgang 1918, H.12

Vor 50 Jahren

Vor 50 Jahren waren der XVII. Jahrgang „Musikalische Jugend“ und die Folgezeit mit dem Titelwechsel zur heutigen „neue musikzeitung“ besetzt von heißen kulturpolitischen Themen und ausführlichen Diskussionen; hier eine Auswahl  („Musikalische Jugend/nmz“,  17. Jahrgang 1968, H.1 bis 3):

  • Ausbauplan Musikschulen: neue Akzente Musikalische Früherziehung, erweiterte Instrumentalausbildung, Ensemblespiel und Förderung musikalisch begabter Jugendlicher.
  • Wettbewerb „Jugend musiziert“ und die Folgen: Belebung der musikpädagogischen Szene, methodisch und didaktisch besser ausgebildete Musiklehrer, Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik.
  • Bildungsziele und Bildungsinhalte des Schulfaches Musik: Koordinierung des Musikunterrichts an allgemeinbildenden Schulen mit dem der Musikschulen und selbständiger Musiklehrer.
  • Neuordnung des Musikschulwesens: Hochschulen, Konservatorien und Fachakademien; Ausbildungs- und Prüfungsordnung; Mitspracherecht bei der neuen Hochschulverfassung.
  • Bildungsgesamtplan: Musik in der Planung der Städte, Orchester-Reform, Schrumpfungssituation für Theater, Orchester und Chöre .
  • Zeitgenössisches deutsches kompositorisches Schaffen: Mit der Mäzenatenstellung des Rundfunks ist immer weniger zu rechnen; kalter Krieg um die Gebührenerhöhung.

Was ist 50 Jahre danach noch oder wieder in Diskussion? Was hat die Auseinandersetzung mit diesen Themen gebracht, bewirkt, kurz- und langzeitlich gesehen.

Wir bitten unsere Leser, die dieses Halbjahrhundert in verschiedenen Phasen selbst erlebt und mitgestaltet, vielleicht mit durchkämpft haben, hierzu um ihre kritische Meinung, vor allem um Anregungen und Folgerungen zum Status quo.

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