Sich um der eigenen Zukunft willen öffnen

Chormusikkultur und Migrationsgesellschaft


(nmz) -
Deutschland ist Einwanderungsland, und zwar seit langer Zeit. Was bedeutet das für die Chormusikkultur? Viele Einzelbeobachtungen sprechen dafür, dass in der herkömmlich organisierten Chorszene Menschen mit Migrationshintergrund, jedenfalls aus außereuropäischen Traditionen, unterrepräsentiert sind. Trifft das zu? Und wenn ja, woran liegt das?
Ein Artikel von Karl Ermert

An unterschiedlichen musikalischen Traditionen, unterschiedlichen Kulturbegriffen, unterschiedlicher Nähe zum aktiven chorischen Musizieren, an der gesungenen Literatur oder an noch anderen Faktoren? Was folgt aus den Befunden? Wie können in Arbeit und Leben von Chören musikalisch-interkulturelle oder -transkulturelle Aspekte integriert werden, die die derzeit bestehenden Zugangsschwellen für Menschen mit Migrationshintergrund abbauen?

Der AMJ widmet sich diesen Fragestellungen für den Bereich der Kinder- und Jugendchöre in einem Untersuchungs- und Diskursprojekt unter dem Titel „Chormusikkultur und Migrationsgesellschaft“. Es hat im Oktober begonnen, wird von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien finanziell gefördert und unter anderem durch den Deutschen Musikrat und die Bundesvereinigung deutscher Chorverbände ideell unterstützt. Die Durchführung erfolgt in Kooperation mit der Professur für Systematische Musikwissenschaft an der Universität Oldenburg. Bestandteile des Projekts sind neben Literaturrecherche systematische Befragungen in der Szene von Kinder- und Jugendchören im schulischen und außerschulischen Bereich sowie von Fachexperten. In einer Tagung an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel werden die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert.

In Deutschland gibt es nach den Erhebungen des MIZ aktuell rund 59.000 Chöre mit knapp 1,5 Millionen aktiven Sängerinnen und Sängern. Insoweit sind Entwicklungen hier kulturpolitisch ebenso wie gesellschaftspolitisch von besonderem Interesse. Deutschland weist durch den demografischen Wandel insbesondere in den Ballungsgebieten und unter der nachwachsenden Generation einen schon hohen und weiter steigenden Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund auf. Chöre müssen sich diesen Menschen schon um der eigenen Zukunft willen öffnen. Und diese Bevölkerungsgruppen haben ein Recht, an der reichen Tradition des chorischen Musizierens in allen ihren Ausprägungen zu partizipieren.

Kontakt
Niklas Büdenbender
Projektreferent (buedenbender@amj-musik.de)
Dr. Karl Ermert
Bundesvorsitzender des AMJ
karl.ermert@amj-musik.de

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