spiel|mach|t|raum. frauen* an der mdw 1817–2017

mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien


(nmz) -
Die virtuelle Plattform spiel|mach|t|raum, deren Inhalte auf eine mdw-Ausstellung im Jahr 2011 zurückgehen, möchte Frauen* als historisch stark unterrepräsentiertes Geschlecht in den höchsten Kunstausbildungseinrichtungen wie der mdw sichtbar machen.
Ein Artikel von Andrea Ellmeier, Doris Ingrisch, Lynne Heller

Das nach wie vor große Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen in Leitungspositionen im Kunstbereich ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass lange Zeit nur wenige weibliche Lehrende an den höchsten Ausbildungsstätten unterrichteten. Aus der ideologischen Trennung zwischen privatem und öffentlichem Leben resultierte, dass Frauen, die qua Weltanschauung für das Private zuständig waren, viel stärker als Männer reglementiert wurden und daher nur selten einem Erwerbsberuf nachgehen konnten, wie zum Beispiel Lehrende an einem Konservatorium. Im Folgenden werden die ersten weiblichen Lehrenden in den verschiedenen Fächern an der mdw thematisiert.

Die mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, eine der größten Musiklehranstalten Europas und eine der ältesten im deutschsprachigen Raum, blickt auf ihre Gründung im Jahr 1817 als Singschule mit 24 Schüler*innen – zwölf Knaben und zwölf Mädchen – zurück, und begann daher als eine Schule, in der beide Geschlechter zu gleichen Teilen vertreten waren. Bereits 1819 wurde die erste weibliche Lehrkraft für Gesang (Anna Fröhlich) aufgenommen, es dauerte allerdings fast 80 Jahre, bis eine Lehrerin (Therese Zamara) für ein Orchesterinstrument (Nebenfach Harfe) und 132 Jahre bis eine Professorin für Hauptfachunterricht in einem Orchesterinstrument (Edith Steinbauer, Violine) engagiert wurden. Gerade im Fach Klavier, das seit Anbeginn von weit mehr Schülerinnen als Schülern belegt wurde, fällt der niedrige Anteil an weiblichen Lehrkräften besonders auf. Diese Tendenz setzt sich sogar bis in die heutige Zeit ungebrochen fort, so findet sich am Institut für Konzertfach Klavier der mdw im Jahr 2016, bei einem Verhältnis von 66 Prozent Studentinnen zu 34 Prozent Studenten, unter den zwölf Hauptfach-Professor*innen eine einzige weibliche Lehrkraft. Anders verhielt bzw. verhält es sich lediglich in den „klassischen Frauenfächern“ Tanz und Rhythmische Erziehung.

Die virtuelle Plattform spiel|mach|t|raum wurde am Internationalen Frauentag 2017 vorgestellt und will die Geschlechter(un)gerechtigkeit in der 200-jährigen Geschichte der mdw illustrieren. Im Vergleich zur Universität Wien, an der seit 652 Jahren Männer, aber erst seit 120 Jahren Frauen studieren dürfen, scheint das Geschlechterverhältnis an der mdw, wo von Beginn an Frauen zugelassen waren, freilich sehr positiv, allerdings nur auf dem ersten Blick.

Über die weiblichen Lehrenden und Studierenden an der mdw – es sind Musiker*innen, Künstler*innen, Pädagog*innen und Wissenschaftler*innen – ist einiges bekannt, viele Details liegen aber noch im Dunkeln: Alles Themen, die – so hoffen wir – von Studierenden und Lehrenden in noch mehr die Diversität beachtende weiterführenden Forschungsarbeiten erhellt werden.

www.mdw.ac.at/spielmachtraum

Eine Langversion des Artikels unter: www.mdw.ac.at/magazin

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